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Um das schon mal vorab zu sagen: Jackson Browne mag deutsches Brot. Sein Bekenntnis zur germanischen Back-Kunst, das er nun bei seinem Auftritt in der gut gefüllten Erlanger Heinrich-Lades-Halle ablegte, kam zwar etwas unerwartet. Denn zu seinem Hit «The Pretender», den er eben noch gespielt hatte, ließ sich ebenso wenig ein Zusammenhang herstellen wie zu «Running On Empty», mit dem er sein Publikum anschließend von den Stühlen riss. Wie dem auch sei: Was das Brot betrifft, wissen wir jetzt Bescheid.
Und selbst wenn der Kalifornier, den man in Anbetracht seiner Songs wohl am treffendsten als «stillen Genießer» bezeichnen kann, gedanklich tatsächlich schon hinter der Bühne bei der Brotzeit gewesen sein sollte, obwohl er doch noch zwei Zugaben zu spielen hatte – sein Auftritt war mehr als okay.
Ein paar Feger fehlten
60 Jahre ist Browne inzwischen alt. Das merkt man ihm nicht an. Fein wie eh ist seine ungebrochen markante Stimme. «Doctor My Eyes» hieß der College-Rock’n’Roll-Titel, mit dem 1972 seine Karriere ins Kullern kam. Dass Browne auf der Bühne heute eine ruhigere Kugel schiebt – oder schlicht langen Atem beweist –, sieht man ihm nach. Ein Feger mehr in der sehr sanft geratenen Setliste hätte aber auch keinem geschadet, den Künstler inbegriffen.
Der Stadionrock, den Browne in den 70er und 80er Jahren in der Hemmerlein- und später in der Frankenhalle vor zahlreichen in Nordbayern stationierten US-Soldaten spielte, ist so passé wie die Anwesenheit junger GIs im Saal. Der Zuspruch hingegen flammt wieder auf. Mit seinem jüngsten Album «Time The Conquerer» konnte Browne endlich wieder die Billboard-Top 20 knacken – was ihm seit ’82 nicht mehr gelungen war. Entsprechend viel Zeit gewährt er den behutsameren neuen Stücken live.
Zu Recht! Man höre nur «Goin’ To Cuba», das nicht nur karibische Leichtigkeit verbreitet, sondern zudem die Hürden bei der Reise kritisiert. Da wackelt dann nicht nur die Hüfte, da ruckelt es auch im Kopf.
Sei doch mal so frei
Daneben tat der alte Hase im Musikgeschäft gut daran, Klassiker wie «Lives In The Balance» vom Sound der 80er zu befreien. Das akustische Gewand passt prächtig. Dass den souveränen Sänger, Gitarristen und Pianisten von der Westküste eine hervorragende Band begleitet, deren zwei schwarze Stimmen Gospel und Jazz ins Folkpop-Set hauchen, kommt beglückend dazu. Bemerkenswert auch die Rolle des Schlagzeugers, der mit seinen Trommeln stets und bis in die Balladen hinein ein ebenbürtiges Gegenüber zum Gesang ist.
«I Am A Patriot» sang der schmale Mann aus L. A. zum Schluss. Und davon, dass er weder Kommunisten noch Kapitalisten brauche – sondern nur Freiheit. Gut, dann soll er doch bitteschön mal wieder so frei sein und sich auf eine Brotzeit blicken lassen.
Christian Mückl |