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Nach zehn Metern reißt die Suchkette im Unterholz auseinander. Lücken tun sich auf, Klumpen bilden sich, grüppchenweise kämpfen sich die Männer vom THW durch das dornige Dickicht. Dabei hatten sie sich am Waldrand so säuberlich aufgestellt. Mit einer Armlänge Abstand ausgerichtet, durchgezählt: «27 – 28 – 29 – 30 – ok!» Doch dem Unterholz ist die Formation nicht gewachsen.
Planung ist die eine Sache – Wirklichkeit die andere. Das zeigt sich auch bei der großen Übung am Freitagabend. Damit die Suche nach Vermissten im Ernstfall so reibungslos wie möglich funktioniert, haben die verschiedenen Kräfte des Zivilschutzes sie gemeinsam angesetzt. Rotes Kreuz und THW, Freiwillige und Berufsfeuerwehr, DLRG, Wasserwacht, Polizei, ASB, Malteser und Johanniter – alle ihre Einsatzleiter haben zwischen Kornburg und Katzwang eine Wagenburg gebildet, um das gemeinsame Vorgehen zu koordinieren. Von hier aus werden die Kräfte gesteuert, die in dem weitläufigen Gebiet – so sieht es das Szenario vor – zehn mutmaßlich verletzte Jugendliche suchen, die in Panik aus einem vom Sturm verwüsteten Zeltlager in den Wald und den nahen Kanal geflüchtet sind.
Mit unterschiedlichen Karten in die Dunkelheit
Ein gemeinsames Ziel haben zwar alle, aber nicht die gleiche Ausrüstung, stellt Stefan Lauber fest: «Wir haben bei Polizei, Feuerwehr und THW kein einheitliches Kartenmaterial.» Als Sachgebietsleiter Bevölkerungsschutz bei der Nürnberger Berufsfeuerwehr ist er für die Planung der Übung zuständig. Und für die Auswertung. «Das muss ich jetzt organisieren, dass man überall den gleichen Maßstab, die gleichen Planquadrate hat», sagt der 40-Jährige. Auch war der Bereitstellungsraum an der Wiener Straße «schnell überfüllt» – hier hatten sich die Rettungskräfte nach dem ersten Alarm versammelt und auf weitere Befehle gewartet.
Es gibt in der nächsten Zeit also genug zu tun für Lauber. Gut, dass Großeinsätze so geübt werden können. «Das Zusammenspiel war relativ engagiert», resümiert er. Besonders bemerkenswert findet er das, weil es eine Suchübung in dieser Größe – über 300 Personen sind beteiligt – in Nürnberg noch nie gegeben hat. Besonders schwierig macht das Ganze die einbrechende Nacht.
Die Dunkelheit erschwert die Suche nach den «Verletzten» nicht nur im Wald. Auch am Main-Donau-Kanal wird es jetzt finster. Mücken schwirren durch das Licht der Suchscheinwerfer, die auf die Wasseroberfläche gerichtet sind. Hier sind bei Temperaturen um neun Grad mehrere Taucher im Einsatz, mit einer Leine halten sie Verbindung zu den Kollegen am Ufer.
«Wegen der Übung ist der Kanal für die Schifffahrt gesperrt, da haben die Taucher ungefähr einen Meter Sicht», sagt Stephan Mendl, der Einsatzleiter der Wasserwacht. «Normalerweise ist die Sicht gleich null.» Die Kollegen von der DLRG verständigen sich nicht über die Leinen, sondern mit einem Tauchertelefon. Was sie alle gemeinsam hören, sind die Schraubengeräusche der Motor-Rettungsboote. In völliger Dunkelheit stellen die Schrauben für sie eine besondere Gefahr dar. «Dieses Geräusch haben die Taucher auch Stunden nach dem Einsatz noch im Ohr», sagt Mendl.
Nur «fünf, maximal zehn Minuten» dauert es dagegen, bis nach einem Alarm die ersten Rettungsschwimmer im Wasser sind, erläutert Mendl gerade. Da kommt ein Funkspruch vom Boxerheim: Drei «Verletzte» sind gefunden worden. «Glückstreffer, kann man sagen», meint vor Ort Stefan Dunger. «Können, pures Können!» tönen seine Kameraden. «Na, schön langsam», wiegelt Dunger ab.
120 Stunden Übungsdienst im Jahr
Von der Freiwilligen Feuerwehr Buchenbühl sind sie. Die drei «Geretteten» werden eben fachgerecht verbunden, auch sie sind von der Feuerwehr. Glück war bei der Dunkelheit sicher im Spiel. Obwohl jedes Mitglied der FFW Buchenbühl «ungefähr 120 Stunden Übungsdienst pro Jahr» hat, wie Dunger berichtet. Ein Sonntag und ein Wochentag pro Monat gehören den Feuerwehrübungen, dazu kommen Schulungen, Sitzungen, Besprechungen. So große, übergreifende Übungen wie diese gibt es allerdings nur alle zwei Jahre.
Gegen 22 Uhr sind dann alle beteiligten Einsatzkräfte an der Wagenburg nahe der Ringelnatzstraße versammelt. Das THW sorgt für grelles Licht, BRK und die FFW Werderau für die Verpflegung. «80 Liter Pichelsteiner habe ich hier drin», erklärt der Koch an der Gulaschkanone. Retter und «Gerettete» sitzen gemeinsam über ihren dampfenden Tellern. Für Stefan Lauber ist es ein gelungener Abschluss der Übung: «Da geht einem das Herz richtig auf, wenn man sieht, wie die Organisationen untereinander zurechtkommen.»
Florian Kaiser (Text) und Uwe Niklas (Fotos) |