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NÜRNBERG - Über Neonazis wird viel diskutiert, aber ein Thema ist noch nicht so recht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen: Welche Rolle spielen junge Frauen im Rechtsextremismus? Eine Wissenschaftlerin klärt am Mittwoch in Nürnberg darüber auf.
Neu sei das Thema nicht, sagt Michaela Köttig, sondern schon seit Anfang der 90er Jahre in der Debatte. Doch in der Öffentlichkeit habe sich hauptsächlich das Bild von glatzköpfigen jungen Männern durchgesetzt, wenn von Rechtsextremisten die Rede sei.
Außerdem kämen noch starke Vorbehalte hinzu: «Frauen werden überhaupt nicht als Täterinnen gesehen, und wir können uns nicht vorstellen, dass Frauen auch eine politische Position vertreten.» Wenn von rechtsextremistischen Frauen gesprochen werde, «dann sind das die Vorstellungen von Ewiggestrigen, die ihren Männern in der Szene hinterherlaufen, aber kein eigenes Bewusstsein haben», sagte die Wissenschaftlerin von der Universität Göttingen unserer Zeitung.
Frauen in Führungskadern
Was auch weniger bekannt ist: In den Führungskadern der Rechtsextremisten sind nach Köttigs Feststellungen Frauen ebenfalls stark vertreten. «Sie können dort eine schnellere Karriere hinlegen als bei etablierten Parteien, weil es bei diesen viel mehr Mitglieder und ein stärkeres Gerangel um Listenplätze gibt.» Wenn man die ultrarechten Gruppierungen ansehe, seien ungefähr 30 bis 40 Prozent der Mitglieder oder Anhänger Frauen.
Häufig seien sie auch in Netzwerken aktiv, die in den 90er Jahren stark geboomt hätten. Mittlerweile gebe es 50 bis 60 solcher kleinerer Organisationen, die sich unter anderem um soziale Belange kümmerten, um in der Bevölkerung Fuß zu fassen. Eine Gruppe, die sich «Jeanne D.» nenne, helfe Frauen, die am Arbeitsplatz als rechtextremistisch geoutet worden seien und deswegen Probleme bekommen oder ihren Job verloren hätten.
Nicht in einer Klasse mit Migranten
Bei der Fremdenfeindlichkeit stünden Frauen den Männern ebenfalls um nichts nach, weiß Köttig. Allerdings seien die Ausprägungen unterschiedlich. Im «Nahbereich» seien bei Frauen rassistische Positionen ausgeprägter, also etwa, wenn sie es ablehnen, ihr Kind in eine Klasse mit Migrantenkindern zu schicken. Männer dagegen stimmten fremdenfeindlichen Parolen eher zu, wenn Gewalt mit im Spiel sei.
Michaela Köttig spricht auf Einladung der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule, des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg und der AK gegen Rechts der Wiso morgen, 29. April, um 19.30 Uhr in der FH, Bahnhofstraße 87, Hörsaal 101
Herbert Fuehr |