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NÜRNBERG - Der mit 400 Millionen Euro verschuldete Autozulieferer Honsel verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen: Das sieht eine Vereinbarung zwischen IG Metall, Betriebsrat und Firmenleitung vor.«Dies ist ein wegweisender Kompromiss, auch weit über Honsel hinaus», sagte Nürnbergs IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler.
In einer Eckpunkte-Vereinbarung mit einer Laufzeit von drei Jahren konnten Entlassungen und die geplante Schließung des Werks II abgewendet werden. Ursprünglich hatte Honsel angekündigt, 185 der 660 Stellen im Nürnberger Werk zu streichen. Die Firmenleitung erklärte sich auch zur Rückkehr in den Tarifvertrag ab 1. Mai bereit. Damit erhalten die Mitarbeiter zwar eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent. Allerdings werde danach eine Kürzung von 4,5 Prozent vorgenommen. Ursprünglich hatte Honsel angekündigt, über Gehaltskürzungen in Höhe von 12 Prozent fünf Millionen Euro einzusparen.
Belegschaft erklärt sich zu 24 Monaten Kurzarbeit bereit
Die Vereinbarung sieht außerdem vor, Arbeitnehmern ab 59 Jahren die Möglichkeit einzuräumen, freiwillig und schrittweise in Rente zu gehen. Jährlich sollen zwölf Auszubildende eingestellt und nach ihrer Lehre für ein Jahr übernommen werden. Dieses Modell bezeichnete Wechsler als «ein Stück Solidarität über die Generationen hinaus».
Im Gegenzug erklärte sich die Belegschaft zu weiterer Kurzarbeit bis 24 Monaten bereit. Die wöchentliche Arbeitszeit reduziere sich von 35 auf 29 Stunden. Honsel müsse jedoch quartalsmäßig prüfen, ob dank besserer Auftragslage eine Erhöhung der Arbeitszeit dauerhaft möglich sei, betonte Wechsler.
Betriebsratschef Roland Krollikowsky zeigte sich mit dem Kompromiss zufrieden: «Der Standort Nürnberg hat damit eine hervorragende Perspektive, sicher auch über drei Jahre hinaus.» Das Werk soll zum Kompetenzzentrum für Druckguss-Strukturteile werden.
Der Vertrag gilt laut IG Metall nur unter vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem US-Finanzinvestor Ripplewood. Die Firmenleitung habe sich bereit erklärt, die Übernahme der Schulden in Höhe von 400 Millionen Euro bis Ende Mai mit dem Investor zu klären. Sollte Ripplewood die Zusagen nicht einhalten, müsse der Autozulieferer jedoch Insolvenz anmelden, sagte Wechsler.
Die Auslastung des Nürnberger Werks liege laut Gewerkschaft derzeit bei 55 Prozent. Im Bereich der Lkw-Produktion gingen die Aufträge um die Hälfte zurück.
Petra Sorge |