Für den Gelehrten Regiomontanus war Nürnberg «Quasi Centrum Europae«; das Germanische Nationalmuseum hat unter diesem Titel 2002 denn auch die herausragende Bedeutung der Stadt als Wirtschaftszentrum im Mittelalter dargestellt. Die Metropolregion Nürnberg heute versteht sich ebenfalls als Mitspielerin im Konzert der regionalen Kultur- und Wirtschaftsräume in Europa. Umso bedrückender ist die abermals niedrige Beteiligung in der Frankenmetropole bei der gestrigen Europawahl. Es gelingt den Volksparteien immer weniger, die Bürger(innen) von der Wichtigkeit des EU-Urnengangs zu überzeugen.
Der massive Einbruch der CSU in Nürnberg setzt die Niederlagen bei den letzten Kommunal- und Landtagswahlen fort; der neue Bezirksvorsitzende der Christsozialen, Umweltminister Markus Söder, kassiert damit als Premiere eine ordentliche Schlappe - sein Slogan, die CSU sei die wahre «Nürnberg-Partei«, scheint nicht ganz mit der Wirklichkeit kongruent zu sein.
Kein Ruhmesblatt für die SPD
Zwar kann die SPD ihr niedriges Resultat von 2004 - trotz der Linken - knapp halten und stagniert, aber ein Ruhmesblatt schaut anders aus. Mit einem Kandidaten auf Platz 80 der Liste ist nicht viel Staat zu machen.
Die Grünen bleiben stabil; die FDP profitiert deutlich vom Bundestrend und verdoppelt ihren Anteil; die Linke hat in der Noris klar ihr Wählerpotenzial. Und die Freien dürften ein Gutteil zum Schrumpfungsprozess der CSU beigetragen haben - sie bleiben der Angstgegner der Schwarzen. Uneingeschränkt freuen können sich die Demokraten über das zu vernachlässigende Ergebnis der rechtsradikalen Parteien. Das tut Nürnberg gut.
Hans Peter Reitzner |