Wie viele Vitamine stecken in einer Salami? Woraus besteht eigentlich mein Make-Up? Und welche Droge verbirgt sich hinter diesem weißen Pulver? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich die Studenten der Lebensmittelchemie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Mittelpunkt ihrer akademischen Ausbildung steht die Analytik, mit der sie Nahrungsmittel ganz genau unter die Lupe nehmen können.
«Das Tolle an dem Studiengang ist, dass man sich die behandelten Probleme konkret vorstellen kann», sagt Anna Dach, die sich für ihr Studium eine gute Mischung aus Theorie und Praxis gewünscht und sich deshalb für Lebensmittelchemie entschieden hat. So untersucht sie zum Beispiel, ob eine Birne, die man im Supermarkt kaufen kann, zu viele Pestizide enthält oder ob die Angaben auf einem Joghurtbecher korrekt sind. «Außerdem kann man im Labor jede Menge ausprobieren», sagt die Achtsemesterin, die gerade am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ihre Forschungsarbeit schreibt.
Auf dem Studienplan der Lebensmittelchemie-Studenten steht jede Menge Chemie, Physik und Mathematik. Aber auch mit Botanik, Mikrobiologie und Lebensmittelrecht müssen sie sich beschäftigen. «Der juristische Aspekt ist wichtig, weil ein Volljurist nur schlecht abschätzen kann, welche Inhaltsstoff-Grenzen für welche Lebensmittel sinnvoll sind», erklärt Anna Dach.
Vormittags Theorie, nachmittags folgt die Praxis
Insgesamt ist das Studium der Lebensmittelchemie sehr zeitaufwendig: vormittags Theorie, nachmittags Praxis. «Ich stehe jeden Tag bis 17 oder 18 Uhr im Labor», erzählt Dach. Die Studenten bekommen einen Analyseplan, der auf zwei Jahre angelegt ist und den sie nach und nach abarbeiten. Dabei wird ihnen viel Freiraum gelassen. «Wir müssen selber überlegen, wie wir die Probleme am besten lösen», sagt die 23-Jährige. Weitere praktische Erfahrung sammeln die zukünftigen Lebensmittelchemiker außerdem in zahlreichen Praktika und Exkursionen. So untersuchen sie zum Beispiel in der Rechtsmedizin Urinproben auf ihren Drogengehalt oder erfahren in Unternehmen, wie Qualitätssicherung und -prüfung funktionieren. Zugelassen zum Studium der Lebensmittelchemie werden jedes Wintersemester nur zehn Studenten. Dementsprechend gut ist die Betreuung. «Es ist alles sehr persönlich», sagt Anna Dach.
Die beruflichen Perspektiven für Lebensmittelchemiker sind hervorragend, weiß Professorin Monika Pischetsrieder, Leiterin des Lehrstuhls für Lebensmittelchemie an der Uni Erlangen: «In den vergangenen Jahren sind unsere Absolventen super untergekommen.» Das größte Berufsfeld finde sich natürlich in der Lebensmittelindustrie, aber auch in amtlichen Stellen, in der Pharma- und in der Kosmetik-Industrie seien Lebensmittelchemiker gefragt. «Unsere Branche ist wenig krisengeschüttelt», sagt Pischetsrieder, «gegessen wird schließlich immer.»
Christin Nünemann |