Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Volksverhetzung am «Frankentag»?
   
REGION + BAYERN  

Volksverhetzung am «Frankentag»?

Neonazi Fischer brachte KZ-Häftlinge mit Abnehmprogramm in Verbindung
 Volksverhetzung am «Frankentag»?
Bitte Bild anklicken!
FORCHHEIM - Ein Wiedersehen alter Bekannter: Wieder einmal muss sich der Neonazi Matthias Fischer vor dem Forchheimer Amtsgericht wegen Volksverhetzung verteidigen. Diesmal soll er abgemagerte KZ-Opfer als «Weight-Watcher-Werbung» tituliert haben.

Fischer, der nach Richtungsstreitigkeiten in der NPD mittlerweile aus dieser ausgetreten ist, war im vergangenen Jahrmitverantwortlichfürdie Organisation des «Frankentages» in Weißenohe. Wie auch in Gräfenberg versuchten Gegendemonstranten, es den Neonazis so ungemütlich wie möglich zu machen. An einer Kirchehinter der Bühne hatten siegutsichtbar zwei Transparenteaufgehängt. Darauf waren der Schriftzug «Nie wieder!» und Bilder von abgemagerten KZ-Häftlingen und verhungerten Gefangenen zu sehen.

Programme, Tipps und Unterstützung zum Abnehmen

Fischer selbst trat bei der Veranstaltung als Moderator auf. Die Polizei filmte die komplette Veranstaltung, in einer von Fischers Ansprachen heißt es: «...die Gestalten hinter uns und die Weight-Watcher-Werbung, ihr wisst schon was ich meine.» Die Weight Watcher (zu deutsch: Gewichtswächter) bieten Programme, Tipps und Unterstützung zum Abnehmen an. Vor dem Hintergrund mit den Bildern der halbverhungerten NS-Opfer ist der Ausspruch für die Staatsanwaltschaft ein klarer Fall von Volksverhetzung.

Fischer selbst gab in der Verhandlung dazu an, sich gar nicht auf die Plakate bezogen zu haben. Vielmehr hätten aus den Fenstern neben den Plakaten einige Gegendemonstranten die Teilnehmer der Neonazi-Veranstaltung gefilmt und fotografiert. Da diese Bilder für Steckbriefe benutzt würden, anhand derer die radikale Antifa Straftaten verüben würde, wollte er dies unterbinden. Zuerst habe die Polizei jedoch nicht auf seine Aufforderung reagiert, deswegen habe er es öffentlich angesprochen, um den Druck auf die Beamten zu erhöhen.

Kein zufälliges Missverständnis

Mit «Weight-Watcher-Werbung» habe er einen ganz bestimmten Aktivisten gemeint, der besonders durch seine schlanke Figur auffalle - es sei so etwas wie ein Spitzname. Überhaupt würden mit «Weight-Watcher- Werbung» landläufig dünne Personen tituliert. Zwei von Fischers Anwalt geladene Zeugen bestätigten die Version des 31-jährigen ehemaligen JN-Landeschefs und NPD-Bezirksvorsitzenden. Einer benannte den Aktivisten sogar mit Namen, bevor er überhaupt nach dem Mann befragt wurde. Sehen so Absprachen aus?

Ein zufälliges Missverständnis kam für die Staatsanwaltschaft jedenfalls nicht in Frage. Die Wortwahl Fischers sei eindeutig. Weil er unter doppelter Bewährung steht, forderte sie drei Monate Haft ohne Bewährung. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch: Es sei keine vorbereitete Rede und eben jemand anderes gemeint gewesen. Richter Norbert Spintler vertagte daraufhin die Verhandlung auf den nächsten Montag, dann wird er ein Urteil fällen.

Stefan Bergauer
30.6.2009 13:07 MEZ
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NÜRNBERGER NACHRICHTEN