GUNZENHAUSEN (en) – Beim Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen soll sich künftig eine ehrenamtliche Kraft um die Pflege der Volksmusik kümmern. Dafür sprach sich der Kreisaussschuss bei seinem jüngsten Treffen aus. Sollte auch der Kreistag sein Plazet erteilen, steht der Einrichtung der neuen Stelle als Kreisvolksmusikpfleger nichts mehr im Wege. Landrat Franz Xaver Uhl sieht ein Einrichtung einer Stelle als Kreisvolksmusikpfleger in einem engen Zusammenhang mit dem laufenden Regionalentwicklungsprozess. Er erinnert sich noch gut an den Landtagswahlkampf, bei dem immer wieder die Unterschiedlichkeit und die Zerissenheit des Landkreises angesprochen wurde. «Es gibt unterschiedliche Dialekte und auch unterschiedliches Musikgut», stellte Uhl fest. Es sei gut, wenn jemand auf dem Gebiet der Volksmusik harmonisierend eingreifen würde. Für den Landkreischef hat sich aus dem laufenden Regionalentwicklungsprozess die Notwendigkeit ergeben, die regionale Identität des Landkreises genauso wie seine Vielfalt im Bereich der Kultur und des Brauchtums noch stärker herauszubilden und nach außen darzustellen. Er sieht genauso wie Jürgen Simon, der für das Regionalmanagement zuständige Mitarbeiter am Landratsamt, in der Pflege der Volksmusik ein ideales Instrument, um die regionale Identität des Landkreises zu stärken und das Zusammenwachsen durch die gemeinsame Pflege und Bewahrung dieses kulturellen Erbes zu fördern. Damit diese Aufgabe auf Kreisebene angegangen werden kann, schlug Uhl vor, die Stelle eines Kreisvolksmusikpflegers zu schaffen, die durchaus auch mit einer Frau besetzt werden könnte. Die neue, ehrenamtlich tätige Kraft soll die Bürgerinnen und Bürger motivieren, die regionale Volksmusik zu pflegen und zu erhalten. Sie soll Ansprechpartner auf den Gebieten Volkslied, Volksmusik und Volkstanz sein und sich in dieser Funktion auch um Fortbildungsangebote kümmern. Dem Kreisvolksmusikpfleger oder der Kreismusikpflegerin obliegt zudem die Erfassung und Archivierung des Liedguts der jetzigen und früheren Musikanten im Landkreis und die Betreuung für Sänger und Musikanten mit Leihinstrumenten, Noten und Musiksätzen. Zu den Aufgaben der neuen Kraft zählen nicht zuletzt die Betreuung der Gruppen bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Treffen und die Ehrungen und Auszeichnungen für den Bereich der Volksmusikpflege. Sollte der Kreistag für die Schaffung dieser Stelle sein Plazet erteilen, wird die Kreisverwaltung ein Personalauswahlverfahren durchführen, um eine fachkundige Kraft mit einschlägigen Kenntnissen zu gewinnen. Die abschließende Bestellung erfolgt dann durch den Kreistag. Hilfe und Unterstützung kann sich die neue Kraft von Franz-Josef Schramm von der Beratungsstelle für Volksmusik und Trachten mit Sitz in Uffenheim erhoffen. Sie ist dem bayerischen Landesverein für Heimatpflege unterstellt und wird vom Bezirk und vom Wissenschaftsministerium unterstützt. Schramm findet es gut, dass in Weißenburg-Gunzenhausen ein Keisvolksmusikpfleger tätig werden soll und bot im Kreisausschuss seine Unterstützung an. Mit Blick auf das unfangreiche Tätigkeitsfeld, das die neue Kraft beackern soll, riet er, die Erwartungen «etwas runterzuschrauben». Schramm verweies darauf, dass solche Stellen in der Region derzeit eher noch die Ausnahme darstellen. Die Landkreise, die auf diesem Gebiet tätig geworden sind wie etwa Neumarkt oder Roth, hätten dies nicht bereut. Kreisrat Christoph Mötsch (Grüne) sprach sich für ein breiteres musikalisches Spektrum aus. «Wir sollten nicht nur die Volksmusik sehen», legte er den Kreisausschussmitgliedern ans Herz. Mötsch kann sich durchaus vorstellen, auch Stilrichtungen wie Blues oder sogar Rock mit einzubinden. «Wir sollten die Musik insgesamt als Kulturaufgabe sehen», sagte er und stieß dabei bei Franz-Josef Schramm durchaus auf offene Ohren. Der Gast aus Uffenheim hat mit Blick auf die Hörgewohnheiten der Eltern- und Großelterngeneration nichts dagegen, wenn auch Stile wie Jazz oder Rock’n’Roll einbezogen werden. Der Oberbegriff «Volksmusik» sollte sich nicht auf die konservative und traditionelle Musik beschränken. «Sie sollten jemand nehmen, der nicht zu 180 Prozent auf Volksmusik festgenagelt, sondern offen auch für andere Musikrichtungen ist», empfahl Schramm. Für Landrat soll sollte man sich allerdings nicht zu breit aufstellen. «Die allgemeine Musik zu fördern ist Aufgabe anderer Stellen», sagte er. Uhl glaubt nicht, dass die Spanne von Volks- zu Rockmusik zu schaffen sein wird. Mit Verwunderung reagierte der Landrat auf den Vorschlag von Uwe Döbler (SPD), mit einer Entscheidung bis zum Herbst zu warten, wenn der Regionalentwicklungsprozess noch weiter fortgeschritten ist. Uhl sieht keinen Grund dafür, die Sache auf die lange Bank zu schieben. Gerade Döbler habe doch erst vor kürzerer Zeit bemängelt, dass man im Landkreis auf der Stelle tritt. «Ich will mir nicht unterstellen lassen, dass nichts vorangeht», sagte Uhl. Für eine zügige Entscheidung sprach sich auch Peter Gallenmüller (CSU) aus. Zur Sprache kam im Kreisausschuss im Zusammenhang mit der neuen Stelle auch die Satzung über die Entschädigung der ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger im Landkreis. Der ehrenamtliche Kreisvolksmusikpfleger kann demnach mit einer monatlichen Aufwandsentschädigung von 190,55 Euro rechnen. Bei diesem Betrag orientierte sich die Kreisverwaltung an der Entschädigungshöhe für den Behindertenbeauftragten. Sollte sich herausstellen, dass die Entschädigung den Aufwand nicht abdeckt, kann zu gegebener Zeit eine Anpassung vorgenommen werden. |