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LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG  
Aufräumarbeiten fast abgeschlossen

Güterzugunglück: THW bis in die Nacht beschäftigt

 Güterzugunglück: THW bis in die Nacht beschäftigt
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Zwei Tage nach dem Zugunglück in der Nähe des Rangierbahnhofs sind die Aufräumarbeiten fast abgeschlossen. Mehr als 70 ehrenamtliche Helfer des THW waren bis in die Nacht zum Sonntag hinein damit beschäftigt, die entgleisten Waggons zu entladen, damit diese dann mit Kränen von der Bahn wieder aufgestellt und über ein Nachbargleis abgeschleppt werden konnten.

Ein schwerer blauer Radlader nimmt einen Papierpacken nach dem anderen an den Haken. Vorsichtig manövriert das Riesenungetüm durch den abgesperrten Teil des Olivenwegs. «Jeder dieser Packen wiegt mehr als zwei Tonnen», erklärt Einsatzleiter Claus Dietrich. Er ist froh, dass die Ballen zumindest im Ganzen abtransportiert werden können, die verpackte Zellulose müssten seine Männer sonst per Hand wegtragen.

Am Straßenrand sitzen erschöpfte Helfer in blauen Anzügen, verschnaufen kurz und trinken in der brütenden Hitze ein paar Schluck Wasser. Insgesamt müssen sie mehr als 61 Tonnen Ladung bergen, ehe die Kräne der Bahn die umgekippten Waggons aufstellen. Im Schein von Flutlichtstrahlern arbeiten die Leute vom THW durch, wollen möglichst schnell den gesamten Zug leerräumen. «Das war ganz schönes Glück, dass die Züge hier so langsam hereinfahren», meint einer der Helfer nachdenklich und zeigt auf das völlig zerstörte Gleis. Er will gar nicht dran denken, was bei höherem Tempo passiert wäre. «Da kann erst mal kein Zug mehr fahren», meint er.

Die Bergungsgruppen des THW unterstützen den Radladereinsatz mit Spezialgerät und trennen die Seitenwand der umgestürzten Waggons mit einem speziellen Trennschleifer, der Twin-Saw, auf. Dabei handelt es sich um eine Spezialsäge mit zwei gegenläufigen Trennblättern. Eine weitere Bergungsgruppe des THW fällt tagsüber Bäume entlang der Strecke. Dann wird der umgerissene Fahrleitungsmast gesichert.

An den Absperrungen schauen immer wieder Neugierige vorbei und unterhalten sich mit den Anwohnern. Karin Fleischmann, deren Grundstück unmittelbar an das Gleis grenzt, ist der Schreck noch anzumerken. «Es wurde immer lauter, hat nur noch gerumpelt und gescheppert und dann sind wir nur noch gerannt.» Vorher schnappte sie sich noch schnell ihren Enkel aus dem Pool und versuchte, die Tante aus der Wohnung im ersten Stock zu retten. «Wir sind ja den Krach gewohnt, den die Züge machen, aber der klang ganz anders als sonst.»

Gegenüber wohnt Gerlinde Jaeger. Sie lehnt an ihrem Gartenzaun und erinnert sich an die dramatischen Stunden. «Bei mir hat der ganze Fußboden gewackelt und gebebt, als der Zug kam. Ich dachte, mir fällt das Haus zusammen.»

Dann sei plötzlich Ruhe gewesen. «Und dann kamen auch schon die Feuerwehr und die Polizei, wir mussten weg.» Vor lauter Schreck ließ sie ihre Terrassentür und die Haustüre offen, rannte nochmal zurück, um abzusperren. Nach mehr als zwei Stunden des Wartens durfte Gerlinde Jaeger zurück nach Hause.

Nach ersten Schätzungen der Bahn beläuft sich der Schaden auf circa drei Millionen Euro. Die Nürnberger Feuerwehr teilte am Wochenende mit, dass die Arbeiten am Unfallort noch länger dauern dürften. Vier Personen aus einem evakuierten Gebäude müssen aus Sicherheitsgründen vorerst noch im Hotel schlafen. Die Unfallursache ist weiter unklar, Bundespolizei und Eisenbahnbundesamt ermitteln.

Sabine Göb (Text) und Harald Sippel (Fotos)
10.8.2009
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