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LOKALMELDUNGEN - FÜRTH UND UMLAND  

Frauenpaar traute sich im Standesamt

Gabriele Nutz und Ingrid Gruber aus der Kalb-Siedlung sind die Ersten in Fürth
 Frauenpaar traute sich im Standesamt
Seit August ist es auch in Bayern möglich: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen den Bund fürs Leben im Standesamt schließen. Gabriele Nutz und Ingrid Gruber waren am Freitag die Ersten, die sich in Fürth trauten.

FÜRTH - Das lässt an Romantik nichts zu wünschen übrig: Sekt in der Rathaushalle, Rosenblätter im Eingang und ein amerikanischer Schlitten vor der Tür. Und wenn dann noch zwei Bräute einsteigen . . .

«Wahnsinnig aufgeregt», sagt Gabriele Nutz, seien sie vor der Zeremonie im Rathaussaal gewesen. «Jede!» Dabei kennen sich die Leiterin der Theaterbibliothek im Nürnberger Opernhaus und die Justizfachwirtin Ingrid Gruber schon ewig. 21 Jahre, um genau zu sein. Und sie hätten ihre Beziehung auch schon längst offiziell machen können: Seit acht Jahren ist die eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland Gesetz. Wie in der Ehe auch können sich die Partner zuvor verloben, sie sind zu gegenseitigem Unterhalt verpflichtet, haben Ansprüche auf Rente und Hinterbliebenenversorgung und können sich auch scheiden lassen. Aber, sagen beide, «zum Notar, das wollten wir nicht».

Der bayerische Sonderweg, der die «Eheschließung» vor dem Standesbeamten bisher ausgeschlossen hatte, ist auf Drängen der FDP seit Anfang August zu Ende. Gleich nach der Entscheidung hat Gabriele Nutz (50) mit dem Fürther Amtsleiter telefoniert, ihrer Lebensgefährtin dann am selben Abend einen Antrag gemacht.

Dabei kommen die beiden Frauen, die in der Kalb-Siedlung wohnen, aus der frauenbewegten Szene und hielten das Heiraten immer für überflüssig. «Für uns privat brauchen wir das nicht, zusammenbleiben werden wir sowieso», sagt Ingrid Gruber (58). Aber «wir sind Realistinnen», erklärt Nutz. Es gibt eine eigene Wohnung, die Rente, und im Krankheitsfall dürfen Lebenspartner für den anderen entscheiden.

Trotz nüchterner Überlegung und dem Festhalten am gewohnten Namen: Von der ersten Zeremonie für ein Frauenpaar, bei der Oberbürgermeister Thomas Jung und Standesamtsleiter Ralf Meyer kleine Ansprachen hielten, sind die Frauen ganz begeistert. Und gefeiert wurde später beim Rottner in Nürnberg, ganz wie es sich für eine Hochzeit gehört.

«Ich will nicht in einer Sonderrolle stehen», sagt Ingrid Gruber. Aber ein politisches Zeichen wollten die beiden Jungverpartnerten setzen, als Staatsbürgerinnen und auch für die jüngere Generation. Noch sind schwule und lesbische Lebenspartnerschaften der Ehe nicht völlig gleichgestellt, bei Steuern und im Beamtenrecht etwa. «Ich bin zuversichtlich», sagt Gruber, «vielleicht dauert es noch ein Jahrzehnt.» Aber dann. GABI PFEIFFER
15.8.2009
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