Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Kampf ums Wasser ohne Waffen
   
NÜRNBERG PLUS  
Nürnberger Professor lehrte zwei Wochen in Kirgisistan

Kampf ums Wasser ohne Waffen

 Kampf ums Wasser ohne Waffen
Foto: privat
Bitte Bild anklicken!
Der Nürnberger Professor Werner Wüstendörfer gehörte zum Organisationsteam der Sommeruniversität in Kirgisistan. Schwerpunktthema war die Vermeidung von Konflikten in einem sehr frühen Stadium. Im Folgenden fasst Heinar Bernt, ein Teilnehmer an dem Programm des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes seine Eindrücke zusammen.

In den westturkistanischen Ländern – Turkistan bedeutet soviel wie Stammland der Türken und umfasst die überwiegend turksprachigen Länder Zentralasiens sowie die ostchinesische Provinz Xinjian – leben zahlreiche Ethnien friedlich zusammen. Die Ruhe ist jedoch trügerisch. Clanfeindschaften, fehlende Kontrolle über Teile des eigenen Staates, Drogenhandel, Korruption, Islamisierung und der beginnende Kampf um Wasser und Energieressourcen machen die Region zu einem Pulverfass.

Um diesen fragilen Frieden in der Region zu stützen, hat der Deutsche Akademische Austauschdienst erstmals ein Programm entwickelt, mit dem Projekte in Zentralasien, dem Südkaukasus und Moldau unterstützt werden, die sich mit Konfliktprävention befassen. Das Programm führte zu vielen interessanten Projekten, von denen das wohl größte eine zweiwöchige multinationale Sommeruniversität in Cholpon-Ata in Kirgisistan mit dem Titel «Zukunft jetzt. Konzepte für morgen. Konfliktprävention und –bewältigung in Zentralasien.» war.

Organisiert wurde diese Sommeruniversität von den deutschen Lektoren der Robert Bosch Stiftung in Zentralasien, Heinar Bernt (Almaty/Kasachstan), Tanja Fichtner (Bischkek/Kirgisistan), David Runschke (Duschanbe/Tadschikistan) sowie Prof. Dr. Werner Wüstendörfer (Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg), die auch die 30 Teilnehmer aus diesen Ländern auswählten.

Die Sommeruniversität sollte helfen, Fähigkeiten zu vermitteln, wie man mit Konflikten umgeht. Dafür wurde Karl-Heinz Bittl, ein erfahrener Konfliktpräventionstrainer, eingeladen, der einen viertägigen Konfliktmanagement-Workshop leitete. Die zentralasiatischen Teilnehmer nahmen außerdem an einem Planspiel teil, das sich ganz konkret mit den Wasserverteilungsproblemen in Zentralasien beschäftigte. Dabei wurden die erworbenen Kenntnisse erstmals praktisch angewandt.

«Mehrere der zentralasiatischen Teilnehmer werden irgendwann Schlüsselpositionen in ihrem Land erreichen. Wenn nur ein bisschen von den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten später in Politik und Gesellschaft getragen werden kann, haben die zentralasiatischen Staaten und Gesellschaften mehr davon, als durch die ewig wiederkehrenden Lippenbekenntnisse und Händedrücke von einheimischen und ausländischen Politikern» erklärt Prof. Dr. Werner Wüstendörfer.

Schon jetzt laufen Planungen für ein ähnliches Projekt. «Unser Wunsch wäre es, wenn im nächsten Jahr auch Studierende aus dem angrenzenden Xinjiang mit ausreichenden Deutschkenntnissen teilnehmen könnten» so Tanja Fichtner. Die Robert Bosch Stiftung hat im Laufe der letzten zwei Jahre neun Lektoren nach China entsandt. Heinar Bernt
29.8.2009
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE