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Konnte dem Meister ein Werk so misslingen?

Dürerhaus-Chef zweifelt an Herkunft von Dürer-Gemälde

 Dürerhaus-Chef zweifelt an Herkunft von Dürer-Gemälde
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Foto: Niklas
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Thomas Schauerte ist frischgebackener Chef des Nürnberger Dürer-Hauses. Und er tischt eine provokante These auf: Seiner Ansicht nach stammt das hochkarätig eingestufte Gemälde «Christus unter den Schriftgelehrten», das Dürer 1506 gemalt haben soll, gar nicht vom Alten Meister. Wenn Schauert als promovierter Dürer-Experte Recht hat, ist also das Werk im Madrider Museum Thyssen-Bornemisza kein echter Albrecht.

NZ: Wer Ihnen Böses wollte, könnte sagen: Ihr Coup ist geglückt! Sie haben sich als neuer Dürer-Haus-Chef erfolgreich in die lokalen Medien gebracht, indem Sie die Echtheit eines Dürer-Originals in Zweifel ziehen. Widersprechen Sie mir!

Thomas Schauerte: Warum denn? Aber ein bisschen Glück war schon im Spiel, weil dieser Aufsatz schon geplant war, als die Stelle in Nürnberg noch nicht einmal ausgeschrieben war.

NZ: Wir wollen Ihnen nichts Böses, deshalb schiebe ich gleich die sachliche Frage hinterher: Warum und wann schimmerte es Ihnen, dass mit dem Gemälde «Christus unter den Schriftgelehrten» was nicht stimmt?

Schauerte: In der großen Wiener Dürer-Ausstellung von 2003. Da hingen die Vorzeichnungen neben dem aus Madrid geliehenen Gemälde, und vor allem der Vergleich der beiden Christusköpfe hatte es in sich: Wie konnte der brillant gezeichnete Knabenkopf Dürer im Gemälde so misslingen?

NZ: Wundert es Sie, dass Sie der erste waren, der Unstimmigkeiten zur Sprache brachte?

Schauerte: Ein bisschen schon. Man hat aber wohl zu lange daran festgehalten, die endlose Reihe von Unstimmigkeiten zu «entschuldigen», um das Werk nicht ganz oder zumindest in Teilen aus dem Dürer-Oeuvre ausscheiden zu müssen.

NZ: Wie müßig ist es, nun eine langwierige wissenschaftliche Debatte durchstehen zu müssen, bis Ihr Urteil am Ende amtlich anerkannt wird?

Schauerte: Da gäbe es eine Abkürzung: nämlich eine moderne technische Untersuchung des Originals. Die letzte stammt aus den 1950er Jahren und entspricht einfach nicht mehr den heutigen Standards. Dann könnte man mit naturwissenschaftlicher Präzision sagen, was an dem Bild echt und was falsch ist – im schlimmsten Fall eben alles.

NZ: Besagtes Dürer-Gemälde befindet sich in Madrid. Sie aber sitzen nun im Nürnberg. Können Sie beurteilen, was im hiesigen Dürer-Haus alles «original» ist – und was nicht?

Schauerte: Zum heutigen Dürerbild gehören auch Fälschungen und Kopien – die Grenzen sind da manchmal fließend. Diese Werke wurden in Nürnberg – vor allem durch meinen Vorgänger Dr. Matthias Mende – auch immer gezielt gesammelt. Die meisten Fälschungen sind also bekannt – die anderen muss ich in den nächsten Jahren erst noch entdecken. Fragen: Christian Mückl
3.9.2009
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