GUNZENHAUSEN (tell) – Sie haben es nicht leicht, die schwarz-gelben Insekten, die dafür sorgen, dass es leckeren Honig zum Frühstück gibt: Den Bienen machen nicht nur seit Jahren die Varroamilben das Leben schwer, sie leiden auch unter den Veränderungen in der Landwirtschaft und dem verregneten Sommer.
Doch die beiden erfahrenen Imker Hermann Reuter aus Aha und Christoph Rummer aus Streudorf wollen in ihrem Gespräch mit dem Altmühl-Boten bei weitem «nicht alles totjammern», auch wenn sie mit so manchen Widrigkeiten und den ein oder anderen Einbußen zu kämpfen haben. Für sie ist die Imkerei ein Hobby, und sie wissen, dass damit keine Reichtümer zu verdienen sind. «Nicht mehr erzeugen als man selber vermarkten kann», lautet denn auch die Devise von Hermann Reuter, der sich 18 Jahre lang als Vorsitzender des Imkervereins «Mittlerer Altmühlgrund» verdient gemacht hat. Noch heute ist der 78-Jährige ein gefragter Ansprechpartner für die Mitglieder, kann er doch auf 63 Jahre Erfahrung mit den Bienen zurückgreifen. Mit 15 Jahren kaufte der gelernte Schuster sein erstes Volk, seitdem hat ihn diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Die tägliche Fahrt zu seinen Bienen ist für ihn ein Muss.
«So lange die Gesundheit mitspielt, werde ich es machen», sichert er zu. Er ist damit einer der 70 aktiven Mitglieder des Imkervereins, der Altersdurchschnitt liegt weit über 60 Jahren. Reuters Söhne und seine zwei Enkel haben jedenfalls kein Interesse an der Imkerei. «Die Zukunft fehlt uns einfach.» Umso schöner ist es daher, dass er in Christoph Rummer einen «jüngeren Kollegen» hat. Ihm wurde die Liebe zu den Insekten quasi in die Wiege gelegt, ist er doch Imker in vierter Generation.
Und er weiß, dass «vieles vom Imker abhängt». Er muss erkennen, ob es den Bienen gut geht, «er muss sehen, was dem Volk fehlt.» Sobald er also verkrüppelte Bienen, beispielsweise ohne Flügel, in oder am Stock entdeckt, sollten die Alarmglocken schrillen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Volk mit der Varroamilbe infiziert. Diese schlüpft, kurz bevor die Zelle, in der sich die Made zur Biene verpuppt, verdeckelt wird, hinein. Dort vergreift sie sich am Futtersaft, der eigentlich für die Jungbiene gedacht ist, und am Blut der Biene. Die Folge davon ist, dass sich das Tier nicht richtig entwickeln kann.
In den Stock eingeschleust werden die Milben über die Flugbienen, die ausschwärmen, um Nahrung für das Volk zu holen. Die Milbe, die überall auf den Blumen zu finden ist, setzt sich so auf der Biene fest, dass diese den Schädling nicht selbst entfernen kann. Neue Züchtungen zielen deshalb darauf ab, die Leistung mit dem Putztrieb zu koppeln. Außerdem soll die Biene erkennen, dass die Zelle von Milben befallen ist, und diese dann selbst ausräumen. In der Heimat der Varroamilbe, die 1977 durch asiatische Honigbienen nach Deutschland eingeschleppt wurde, können die dort heimischen Bienenrassen selbstständig mit den Parasiten umgehen, weiß Rummer. «Unsere Bienen können das noch nicht.»
Ist das Volk befallen, muss der Imker schnell handeln, denn nimmt die Milbe überhand, stirbt das Bienenvolk. Die Medikamente, außer Milchsäure und Ameisensäure, sind verschreibungspflichtig, werden also vom Tierarzt ausgegeben und dürfen nur bis 42 Tage vor dem ersten Honig eingesetzt werden. Den gibt es im April, wenn die Kirschbäume in voller Blüte stehen. Das heißt, von März bis Juli sind dem Bienenzüchter die Hände gebunden, weil er ja auch guten Honig produzieren will.
Die kleinen, nützlichen Insekten müssen sich aber nicht nur mit den Schädlingen herumschlagen, sondern auch mit dem immer geringer werdenden Nahrungsaufkommen. Es fehlen die Stilllegungsflächen, auf denen es grünt und vor allem blüht. Die hiesige Gegend ist zudem kein typisches Rapsanbaugebiet, vielmehr nimmt der Mais immer mehr zu. Auch Zwischenfrüchte werden nicht mehr angebaut, hinzu kommt der Einsatz von Spritzmitteln. Hilfreich wären nach Meinung der beiden Imker mehr Hecken oder einfach schon zwei bis breite Meter breite Streifen neben dem bestellten Feld, die nicht gespritzt und gemäht werden. «Für den Bienenzüchter ist das Unkraut interessant, für die Landwirtschaft nicht», bringt Rummer das Dilemma auf den Punkt. Aber Imker und Landwirte können eigentlich ohne einander nicht existieren, leisten die Bienen mit ihrer Arbeit doch wertvolle Dienste, indem sie die Pflanzen bestäuben. Im Moment schaut es jedoch so aus, dass die intensive Landwirtschaft weiter zunimmt. Die Biene jedoch kann eine Blüte nur einmal anfliegen und sich etwas holen Dabei deckt sie einen Umkreis von 50 Quadratkilometern rund um den Bienenstock ab. Gibt es keine Blüten, «muss sie verhungern», so die zwei Fachmänner weiter.
Ganz so schlimm ist es noch nicht, aber der anfänglich verregnete Sommer tat das Seine dazu, dass der Honigertrag nicht ganz so üppig ausgefallen ist. Waldhonig zum Beispiel gab es gar nicht, weil der Regen den sogenannten Honigtau, das sind die zuckerhaltigen Ausscheidugen von Pflanzenläusen, weggewaschen hat. Zudem fliegen die Bienen bei Regen nicht aus. Ein weiteres Problem, das auf die Insekten zukommt, ist das «Aussterben» der Imker. Der Nachwuchs fehlt nicht nur im Verein «Mittlerer Altmühlgrund», auch in anderen Regionen ist das Interesse an der Bienenzucht eher gering. Dabei braucht man keine Angst vor den Tierchen zu haben, betonen die beiden und werben ein bisschen für ihre Leidenschaft: «Es gibt ganz ruhige Bienen, die stechen so gut wie nie.» Nur in kurzer Hose, lediglich mit einer Pfeiffe bewaffnet, gehen sie ihrem Hobby nach, und Hermann Reuter erzählt aus langjähriger Erfahrung mit einem verschmitzten Lächeln: «Der Körper gewöhnt sich im Laufe der Zeit an das Gift.»
Eine ganze Reihe Gleichgesinnter kommt an diesem Wochenende, 5. und 6. September, in Triesdorf zum bayerischen Imkertag zusammen. Neben fachlichen Vorträgen steht auch die Vertreterversammlung auf dem Programm. |