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Ein Grizzly beißt sich eben durch

Johanniser Ringer marschieren Richtung Aufstieg

 Johanniser Ringer marschieren Richtung Aufstieg
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NÜRNBERG - Der Punkte-Raubzug der Johannis Grizzlys in der zweiten Bundesliga geht weiter: Auch im zweiten Saisonkampf gegen TuS Jena waren die favorisierten Ringer vom Zeisigweg nicht zu stoppen und schickten die Gäste mit einem ungefährdeten 26:12-Sieg reichlich bedient auf die Heimreise.

Sie wollten es spannend machen – für die Zuschauer und sich selbst. Nach dem triumphalen 34:1-Auftakt der vergangenen Woche gegen Potsdam verzichteten die Grizzlys freiwillig auf die ungarischen Ausnahme-Athleten Andras Horvath und Lajos Virag, schickten stattdessen mit Matthias Baumeister und Philipp Vanek Eigengewächse aus der kampffreien zweiten Mannschaft auf die Matte. «Wir wollten den Jungs aus der zweiten Reihe die Chance geben, sich zu beweisen», verdeutlichte Nürnbergs Ausnahmetalent Tim Schleicher nach dem Kampf das neue Selbstbewusstsein der Grizzlys. Er selbst fegte seinen Kontrahenten Max Müller in rekordverdächtigen 2:16 Minuten mit 20 Punkten aus der Halle und feierte seinen Sieg mit einem Salto. «Den hat sich meine Oma gewünscht», erklärt er fast entschuldigend.

Die ersten acht Punkte hatten die Grizzlys bereits vor Kampfbeginn auf dem Konto. Tim Schleichers Gegner ersparte sich die Diät, Fabian Schmitts Gegenüber gleich die ganze Reise. «Schade», so Abteilungsleiter Guido Fischer enttäuscht, «die anderen Mannschaften kommen erst gar nicht mit den besten Kämpfern oder ersparen ihnen die kraftraubende Prozedur des Gewichtmachens.»

Stimmung kam trotzdem auf. Vor allem Marco Greifelt fesselte die Zuschauer mit einer leidenschaftlichen Vorstellung. Der 29-Jährige holte sich gegen Andrej Emich nicht nur ein Veilchen und eine blutende Lippe, sondern nach einem Zusammenprall sogar eine Platzwunde über dem Auge. Doch ein Grizzly beißt sich eben durch: Mit abenteuerlicher Pflaster-Klebeband-Konstruktion um den Kopf kehrte Greifelt auf die Matte zurück und schickte Emich unter dem tosenden Applaus der Fans und Anfeuerungen seiner Mannschaft endgültig auf die Bretter. «Üblich ist das ja nicht gerade, aber es spricht für unseren Mannschaftsgeist», freute sich Schleicher über Greifelts Coup.

Unglücksrabe des Abends war Evgenij Valentir. Der Bulgare schulterte sich quasi selbst, als ihm ein sicher geglaubter Griff gegen Rüdiger Kabus nicht gelingen mochte. «So etwas passiert, wenn man nicht bis zum Schuss konzentriert bleibt», analysierte Schleicher treffend. Böse war er Valentir nicht, schließlich steuern seine Grizzlys auf den Wiederaufstieg zu: «Wenn wir die nächsten beiden Kämpfe gegen Burgebrach und Gelenau unbeschadet überstehen, kann uns nichts mehr aufhalten. Dann marschieren wir durch.»

Kampfverlauf, bis 55 kg (Fr.): Schmitt (J) 4:0-OG (0:0) kampflos, da (TuS) nicht besetzt – Stand 4:0 / bis 120 kg (gr.-röm.): Eisenstein (TuS) 3:0-PS (1:1, 1:0, 1:0) über Vanek (J) – 4:3 / bis 60 kg (gr.-röm.): Schleicher (J) 4:0-ÜG (7:0, 7:0, 6:0) über Müller (TuS) – 8:3 / bis 96 kg (Fr.): Appel (J) 3:1-PS (2:0, 1:4, 1:0, 4:0) über Meinhardt (TuS) – 11:4 / bis 66 kg A (Fr.): Hermann (J) 4:0-TüPS (6:0, 6:0, 6:0) über Seeck (TuS) – 15:4 / bis 84 kg B (gr.-röm.): Baumeister (J) 4:0-TüPS (1:0, 6:0, 7:0) über Wolski (TuS) – 19:4 / bis 66 kg B (gr.-röm.): Greifelt (J) 3:1-PS (0:1, 1:0, 1:0, 1:0) über Emich (TuS) – 22:5 / bis 84 kg A (Fr.): Pscherer (J) 3:0-PS (3:0, 2:0, 2:1) über Dengler (TuS) – 25:5 / bis 74 kg A (Fr.): Kabus (TuS) 4:0-SS (2:2, 0:1, 2:3) über Valentir (J) – 25:9 / bis 74 kg B (gr.-röm.): Hanak (TuS) 3:1-PS (1:0, 1:0, 0:1, 3:2) über Klopf (J) – Endstand: 26:12.

2.Bundesliga Ost, 2.Kampftag: SV Johannis 07 – TuS Jena 26:12, RSV Rotation Greiz – TSV Burgebrach 25:12, SV Luftflotte Berlin – RC Germania Potsdam 30:6, RSV Gelenau – WKG Pausa/Plauen 16:19, KG Rostock – FC Erzgebirge Aue 15:23 / Tabelle: 1. SV Johannis 07 60:13/4:0, 2. SV Luftf. Berlin 54:20/4:0, 3. RSV Rot. Greiz 49:25/4:0, 4. FC Erzgeb. Aue 44:29/4:0, 5. TSV Burgebrach 38:39/2:2, 6. WKG Pausa 33:40/2:2, 7. RSV Gelenau 30:40/0:4, 8. KG Rostock 28:47/0:4, 9. TuS Jena 26:52/0:4, 10. RC Germ. Potsdam 7:64/0:4.

Maja Kolonic
6.9.2009 19:17 MEZ
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