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| So viele lange Beine hat keine |
Dürfen wir vorstellen: Grammi, die Vogelspinne |
| Dürfen wir vorstellen: Grammi, die Vogelspinne |
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Was fällt Ihnen spontan zu Flocke ein? Richtig, das ist Nürnbergs Eisbär-Superstar! Doch sagen Ihnen die Namen Sida, Madiba oder Hakuna Matata auch etwas? Jonnie, Grammi oder Uschi? Nein? Dann wird es höchste Zeit, dass wir ein paar unbekannte Tiergarten-Größen aus Flockes Schatten holen und ins Rampenlicht stellen. Gestatten: Tierische, allzu tierische Charakterköpfe mit dem gewissen Etwas.
Es war einmal eine Vogelspinne. Die hieß Grammi. Eigentlich hieß sie Grammostola rosea. Aber das kann sich ja kein Mensch merken. Und so riefen sie alle nur Grammi, denn das klingt auch viel freundlicher.
Grammi war eine traurige Vogelspinne. Denn sie fühlte sich schrecklich ungeliebt. Dafür fehlten ihr nämlich die großen Kulleraugen. Stattdessen hatte sie furchtbar viele Haare auf dem Kugelkörper und den langen Beinen, von denen sie krabbelige acht Stück besaß. Viele Menschen kamen zu ihr und sahen sie an und verzogen das Gesicht und quietschten so laut, dass Grammi die Haare zu Berge standen. So lebte sie einsam im Tiergarten und fühlte sich stiefmütterlich vernachlässigt.
«Hach», dachte sie jeden Tag bei sich, «käme doch ein stattlicher Vogelspinnen-Prinz. Ich würde ihn zum Fressen gern haben!» Die Tiergarten-Menschen hatten Mitleid mit der armen, einsamen Vogelspinne Grammi und wandten sich an die Radio-Menschen. Antenne Bayern erhörte den Hilferuf – und entsandte seinen damaligen Moderator Marcus Fahn, da dieser ohnehin in guten wie in schlechten Zeiten mit Nürnberg liiert ist: Der gebürtige Mittelfranke ist Club-Fan. Und er nahm sich ein Herz – und sagte «Ja» zur Vogelspinne.
Es war der erste und, wie er jüngst gestand, der bislang einzige Kontakt mit einem Wesen dieser Art. Zuvor waren es höchstens Weberknechte, die in seiner Wohnung herumsponnen. Entsprechend begegnete er Grammi mit einem gewissen Maß an Respekt. Er sei zwar nicht der «Hau-mit-dem-Schuh-drauf»-Typ, aber ein mulmiges Gefühl habe er dennoch in der Magengegend verspürt, gestand er.
Auch Grammi nahm ein kribbeliges Gefühl in jener Körperregion wahr. Denn ein Vogelspinnen-Mann war es zwar nicht, was da eines Tages vor ihr stand. Doch dafür Vogelspinnen-Liebe auf den ersten Acht-Spinnenaugen-Blick. Grammi konnte es kaum erwarten, bis sie Marcus Fahn endlich ertasten durfte. Doch der wollte die Beziehung lieber vorsichtig angehen.
Beiden zur Seite stand der stellvertretende Tiergarten-Direktor Helmut Mägdefrau, der dafür sorgte, dass sich die beiden langsam näher kamen: Erst saß Grammi nur auf dem Tisch, dann auf Mägdefraus Jacke, dann auf Fahns Jacke und endlich auch auf seiner blanken Hand. Grammi musste sich sehr zusammenreißen, um nicht vor lauter Juhufallera-Gefühl kräftig zuzubeißen (was gar nicht sooo schlimm gewesen wäre, zumindest nicht schlimmer als ein Wespenstich).
Aber von Grammis körperlichem Begehren ahnte der heutige Bayern-3-Moderator zum Glück nichts: Immerhin ist er nebenberuflich bekennender Hypochonder. Das Treffen mit Grammi, gibt er zu, sei ihm anfangs nicht ganz geheuer gewesen. Sie habe sich aber «überraschend kuschelig angefühlt». Seither hat Marcus Fahn die Vogelspinne noch zweimal im Tiergarten besucht.
Grammi hat mittlerweile Karriere gemacht: Sie lehrt Feuerwehrleute das Fürchten und bringt ihnen den korrekten Umgang mit gefährlichen Exoten bei. Dabei hat sie eine gewisse Vorliebe für Uniformen entwickelt. Marcus Fahn wiederum hat sich doch für den niedlichen Kulleraugen-Typ entschieden und sich ein sieben Monate altes Labrador-Weibchen namens Marla angelacht. Und wenn sie nicht gestorben sind – dann sind sie sich noch immer spinnefreund.
Kathrin Walther |
| 16.9.2009 |
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NORDBAYERN.DE |
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