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NÜRNBERG - Diese Woche gegessen im Weinrestaurant «Steichele», Knorrstraße 2-8, Nürnberg, Telefon (0911)202280; geöffnet von Montag bis Samstag von 11 bis 14 Uhr und von 17.30 bis 22 Uhr (Küche bis 22 Uhr), Sonntag von 11 bis 14 Uhr; 180 Plätze in drei Gasträumen, dazu Festsaal, 90 Plätze im Freien.
Es ist wie Heimkommen nach Jahren in der Fremde. Nichts hat sich geändert, die Zirbelholzwände mit den alten Stichen, das Bild vom Kini, die Zinnteller, die Bierkrüge, die Gemütlichkeit, die vertrauten Gesichter im Service. Es gibt auch noch all die guten Sachen wie Tafelspitz, Wiener Zwiebelrostbraten, hausgemachte Schweinssülze, geräuchertes Bündle mit Linsen. Wie konnt’ ich das bloß aushalten – fünf Jahre ohne «Steichele».
Reelle süddeutsche Hausmannskost
Die «Reelle Wein- und Bierstube zum Batzenhäusl», in der historischen Altstadt links der Pegnitz gelegen, wurde 1897 von Anton Steichele begründet und befindet sich seitdem in Familienbesitz. An diesem Ort mit dem stimmigen Ambiente, den blank gescheuerten Tischen scheint alles wie aus einer verlorenen Zeit gerettet.
Als Archetypus einer soliden Nürnberger Wirtschaft ist das «Steichele» einzigartig in der Stadt. Dabei stammen die Wirtsleute ursprünglich aus Schwaben, wie der Klang des Namens verrät. Schwäbisch ist auch noch manches Gericht, wie die beliebten Käsespätzle. Doch vor allem gibt’s hier reelle süddeutsche Hausmannskost, wie man sie andernorts kaum noch bekommt, weil sie so arbeitsintensiv ist. Zum Beispiel gebackenen Kalbskopf oder Innereien. Immer wieder köstlich das Mastochsenfleisch im Sud mit Blumenkohl und Salzkartoffeln (11,50 Euro); die wunderbare Brühe sollte man unbedingt als Süppchen genießen. Untadelig und zart auch die gebratene Kalbsleber mit Pfifferlingen und Lyoner Kartoffeln (12,90 Euro). Und hintennach sollte es Kaiserschmarrn sein (3,20 Euro).
«Bam Steichele hocke»
Klassiker wie Schäufele, Schnitzel, Bratwürste und vieles mehr stehen auf der Dauerkarte, die Besonderheiten der Saison auf dem Angebot des Tages. Zurzeit sind das Pilze und natürlich Karpfen. An Experimente wagt sich der langjährige Küchenchef Peter Seiferlein nur verhalten. Denn die Stammgäste pochen seit Jahr und Tag auf ihre Leibspeise – und ihren Stammplatz, den sie so ungern wechseln wie die Bedienung.
«Bam Steichele hocke» ist Ritual wie Lebensart. In diesem Weinrestaurant, zu dem noch ein Hotel gehört, regiert nun mal die Tradition. Und die wird in der fünften Generation von Bernd Steichele und seiner Frau Stephanie fortgeführt; sie haben die Nachfolge von Georg und Bärbel Steichele angetreten.
Unterm Strich:
Das «Steichele» ist ein richtig schönes, grundanständiges Wirtshaus. Fremde finden’s vielleicht gewöhnungsbedürftig, wenn sie zum Essen die Ellbogen anlegen müssen – hier ist es halt meist gestopft voll, was durchaus für die Qualität spricht. Die Weine stammen aus Franken, Südtirol, der Pfalz und vom eigenen Weinberg in Mußbach. Der Schoppen «Mußbacher Eselshaut» kostet 3,60, ein fränkischer Silvaner 5,10, der Federweiße 2,50 Euro.
Kerstin Möller |