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«Zu Leibeigenen der Molkereien degradiert»

Ein Milcherzeuger empört sich in offenem Brief
 «Zu Leibeigenen der Molkereien degradiert»
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AUERBACH - «Wir werden von den Molkereien als Spielball benutzt und zu Leibeigenen der Molkereien degradiert». Für Milchbauer Alfred Gmelch aus Ortlesbrunn ist das Maß jetzt voll. In einem offenen Brief berichtet er seinen Kollegen davon, dass die Molkerei ihn und andere trotz Vertrags auf tausenden von Litern Milch sitzen ließ.

«Gegen die Molkerei behalten wir uns rechtliche Schritte vor, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen», protestiert Gmelch gegen die Gangart aus Simmelsdorf. Dort sitzen die Albflor Milchwerke, die auch rund 20 Höfe im Auerbacher Raum anfahren. Gmelch bekommt dabei kräftige Unterstützung aus dem Kreis seiner Kollegen, die noch gestern Mittag in Ortlesbrunn zusammengekommen sind um die aktuelle Lage zu diskutieren.

Tank war randvoll

Diese sieht laut Gmelch so aus, dass er bis gestern Mittag immer noch auf knapp 4.000 Litern Milch festsaß. Der Milchfahrer war zwar bereits am vergangenen Freitag telefonisch verständigt worden, kam seitdem aber nicht – nicht zu Gmelch. Auch zwei zeitliche Fristen habe die Molkerei bisher verstreichen lassen. Die letzte war gestern Vormittag, 11 Uhr.

Der Ortlesbrunner Milchbauer, mit anderen heimischen Kollegen auch beim BDM, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, sehr um eine angemessene Erhöhung des Milchpreises engagiert, sieht in der ganzen Aktion jetzt einen «taktisch berechneten Schachzug der Molkerei», um die Milchbauern handlungsunfähig zu machen.

Solidarität mit Kollegen in Frankreich

Gmelch schildert seinen Berufskollegen die Sachlage: Bis vergangenen Donnerstag verwerteten auch die heimischen Bauern ihre Milch innerbetrieblich. Mit dem Lieferstopp zeigten sie sich mit den protestierenden Kollegen in Frankreich solidarisch (die NN berichteten ausführlich). Der Stopp wurde von den Franzosen am Donnerstag ausgesetzt. Die heimischen Milchbauern wollten wieder liefern, einige von ihnen aber werden seitdem nicht mehr angefahren. Laut Gmelch habe der Milchfahrer in einem Telefongespräch am Freitag erklärt, er habe die Anweisung von der Molkerei, dass er die Milch nicht abholen dürfe. «Wir müssten der Molkerei gegenüber schriftlich erklären, dass unsere Milch wieder zur Abholung bereitstünde», teilte der Ortlesbrunner seinen Kollegen mit.

Diese Aufforderung sei allen Milcherzeugern im Bereich der Naabtaler Milchwerke und der Albflormilchwerke, die sich am Lieferstopp beteiligten, zugegangen.

Schreiben blieb unbeantwortet

Gmelch schrieb dem Albflor- Betriebsleiter Georg Müller am Freitag noch um 21.33 Uhr per Email und setzte eine Frist für Samstag, 10 Uhr. Bis dahin sollte die Molkerei mitteilen, ob sie bereit sei, die Milch zu holen oder aber der Option zuzustimmen, dass die Erzeuger die Milch anderweitig verkaufen dürfen. Gmelch gestern Vormittag: «Dieses Schreiben ist bis zum heutigen Tag unbeantwortet.»

Die Bauern versuchten nun, ihre Milch auf den italienischen Markt zu bringen, was auch gelang. Laut Gmelch hatten sie auch schon die Zusage von Speditionen, die bereit waren, die Milch zu sammeln und per Sattelzug nach Italien zu schaffen. «In unserem Auerbacher Raum waren 21 Milcherzeuge mit zirka 30 000 Kilogramm Milch betroffen. Die gleiche Milchmenge von anteilig etwas mehr Milcherzeugern wurde von den Naabtaler Milchwerken ebenfalls nicht mehr abgeholt», heißt es in dem offenen Brief.

Brenzliche Situation

Dann plötzlich erhielten die betroffenen Milchbauern einen Anruf der Naabtaler Molkerei, dass sofort der Sammelwagen käme. Das gleiche geschah laut Gmelch rund eine Stunde später seitens der Albflorwerke. «Das Bemerkenswerte dabei war, dass die Molkerei allerdings in beiden Einzugsbereichen willkürlich einige Milcherzeuger von der Abholung ausgrenzte», hält Gmelch den Betrieben vor. Für die Milcherzeuger wurde die Situation nun brenzlich: Auf der einen Seite war die Milchmenge bereits auf dem italienischen Markt platziert, auf der anderen Seite wurde die Kollegen von der Angst befallen, und lieferten an die Molkereien.

Darin sieht Gmelch einen taktischen Schachzug, der darin gegipfelt habe, dass selbst die Speditionen plötzlich wieder abgesprungen seien. Sie hätten dies mit Schwierigkeiten begründet, die sie bekommen würden, wenn sie spontan die Milch abgeholt hätten. Gmelch schreibt an seine Berufskollegen in aller Deutlichkeit: «Dieses Beispiel zeigt, welches Spiel von den Molkereien mit uns gespielt wird.»

EU-Milchpolitik gescheitert

Der Ortlesbrunner Landwirt ist der Auffassung, dass die Milcherzeuger selbst den Milchmarkt ins Gleichgewicht bringen müssen. «Die europäische Milchmarktpolitik mit Intervention und Exporterstattung ist auf ganzer Linie gescheitert. Das Traurigste dabei ist, dass es die Funktionäre des Bauernverbandes immer noch nicht begriffen haben, und so eine ganze Menge von Milchbauern regelrecht gelähmt ist, unsere Initiative zu unterstützen.»

Michael Grüner
29.9.2009 10:17 MEZ
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