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LOKALMELDUNGEN - TREUCHTLINGEN UND UMLAND  
Heimatforscher Arthur Rosenbauer:

Erz-Nester am legendären Nagelberg

Der Treuchtlinger belegt in einem Buchprojekt für den hiesigen Raum zahlreiche Erz-Schürfgruben
 Erz-Nester am legendären Nagelberg
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TREUCHTLINGEN (sta) – Arthur Rosenbauer ist in Treuchtlingen und weit darüber hinaus als unkonventioneller Musiker und Liedermacher bekannt und geschätzt. Dass er darüber hinaus auf einem ganz anderen Gebiet wissenschaftlich tätig ist und sich in Fachkreisen bereits einen Namen gemacht hat, ist dagegen weniger bekannt. Rosenbauer erforscht seit vielen Jahren den Bergbau in unserer Region und ist gerade dabei, ein Buch darüber zu veröffentlichen. Über sein Buchprojekt und die Stollen-Bergwerke, die es in unserem Landkreis gibt, wurde bereits berichtet. Viele überraschende Ergebnisse gibt es aber auch für den engeren Treuchtlinger Bereich, die ein neues Bild unserer Region in der Vergangenheit zeichnen.

Bergbau in Mittelfranken und auch rund um Treuchtlingen? Das dürfte vielen Menschen völlig neu sein. Bekannt ist, dass es im Treuchtlinger Raum früher Tongruben gab (z.B. in der Dietfurter Dicke), um das große Hafnerhandwerk unserer Region zu versorgen. Und natürlich wird seit Jahrtausenden der Jurastein abgebaut und verarbeitet. Dass darüber hinaus auch Erze gefördert wurden, ist nur wenigen an Geschichte und Archäologie Interessierten klar.

Rosenbauer will mit seinem Buch mit dem Titel «Vergessene Geheimnisse ... wiederentdeckt» eben diese alten Abbau- und Förderstätten bekannt machen und hat sie umfangreich erforscht sowie dokumentiert.

Dass am Schambacher Bonhof in Gruben einst Eisenerz gefördert wurde, mag überraschen. Der Name «Bon» deutet dies aber bereits an. Rosenbauer hat mehrere Gruben in diesem Bereich entdeckt, die eindeutig für diesen Zweck angelegt wurden. Eisenschlacken und Keramikfunde von früheren Grabungen im Schambacher Dorfbereich sind auf eine Zeit um 300 datiert. Aber selbst noch für das Jahr 1743 fand er einen schriftlichen Beleg, dass in diesem Bereich der Eisenerzabbau noch ein Rolle gespielt hat.

Noch überraschender ist der Nagelberg. Ihn hat Rosenbauer als «sagenumwobenen Erz-Berg» identifiziert. Das Areal belegbarer Gruben ist sehr groß. Allerdings gibt es laut Rosenbauer keine schriftlichen Quellen über deren Ausbeutung, was darauf hindeutet, dass der Erzabbau dort sehr früh stattfand. Rosenbauer geht davon aus, dass der Nagelberg den Kelten und Römern als Erzreservoir diente. Möglicherweise steht sogar die «villa rustica» am Nagelberghang in diesem Zusammenhang. Rund 100 einzelne Gruben – Vertiefungen mit Randaufwürfen – konnte Rosenbauer am Nagelberg belegen. Noch heute lässt sich dort Bohnerz finden.

Ähnliches gilt für den Bereich Patrichberg/Viersteinberg. Auch dort fand Rosenbauer mehrere Gruben und Bohnerz. Als weitere historische Bohnerz-Abbaugebiete belegte der Treuchtlinger neben anderen Bereichen die Alte Burg bei Pappenheim, den Weißenburger Wald und auch ein Gebiet bei Ellingen. Und natürlich waren die Osterdorfer Löcher (auch Höllentrichter) ebenfalls Erzabbau-Gruben. Jedenfalls sind sie keine klassischen Dolinen.

Vermutlich gab es in grauer Vorzeit auf der Albhochfläche noch wesentlich mehr Schürfgruben, in denen nach Erz gegraben wurde. Heute sind Gruben-Reste aber nur noch in Wäldern zu finden, da auf anderen Flächen die Spuren von der Landwirtschaft im Laufe der Jahre eingeebnet wurden. In den Tonen und Lehmen der Albüberdeckung finden sich rotbraune bis schwarze, erbsen- bis bohnenförmige Erzkügelchen (daher auch der Begriff «Bohnerz») bis etwa zwei Zentimeter Durchmesser. In unserem Raum wurde dieses Erz bereits seit dem Beginn der Eisenzeit (Hallstattzeit ca. 800 v.Chr.) abgebaut. Belegt ist das mit der Ausgrabung eines keltischen Schmelzofens bei Dollnstein aus der Zeit um 700 v.Chr. Vermutlich wegen der relativ schlechten Qualität dieses Erzes wurde der Abbau in späterer Zeit eingestellt.

«Immer wieder werden wir belehrt, dass unsere Urväter ein sehr großes Wissen hatten, und vor allem die Kelten werden als Meister im Bergbau (Salzminen, Kupferminen) beschrieben. Das Wort Eisen wird ebenfalls aus dem keltischen Wortschatz abgeleitet», so ist es im Manuskript von Rosenbauers Buch zu lesen.

Rosenbauer hat sich schon als Teenager für die Heimatgeschichte interessiert. Nach den Themen Römer, Kelten und Mittelalter hat sich für ihn dann aber die Geologie und Erforschung der Höhlen sowie Gruben in unserem Raum als Interessenschwerpunkt herauskristallisiert. Häufig war und ist Rosenbauer im Staatsarchiv in Nürnberg zu finden, wo er in alten Quellen stöbert. Alte Ortsangaben wurden von ihm neu eruiert, alte Skizzen auf den neuesten Stand gebracht und Standorte vermessen. Rosenbauer will mit seinem Buch nicht ein Werk für abgeschottete wissenschaftliche Kreise schaffen, sondern die historischen Stätten für jedermann begehbar und erlebbar machen. Das ist sein erklärtes Ziel. Und so werden in dem Buch die einzelnen Fundstätten auch mit GPS-Daten versehen, damit man sie leicht finden kann.

Rosenbauers bemerkenswertes Engagement war bereits im Fernsehen zu sehen. Und es wird vermutlich nicht das letzte Mal sein, denn ein weiteres TV-Projekt ist bereits in Arbeit. Möglicherweise mündet die ganze Arbeit in ein geologisches Projekt von der Art eines Geo-Parks – was wiederum sehr gut einer touristischen Vermarktung in die Hände spielen würde. Der Treuchtlinger arbeitet mittlerweile mit der Uni Eichstätt zusammen, mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Uni Erlangen. In einer Arbeitsgruppe wird beraten, wie die Ergebnisse des Buches für Projekte umgesetzt werden können.

Rosenbauers Buch soll übrigens im kommenden Jahr in den Handel kommen.

Hubert Stanka
21.10.2009 15:03 MEZ
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