Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Regionalpolitik ohne Ideologie und Zwänge
   
LOKALMELDUNGEN - HERZOGENAURACH UND UMLAND  

Regionalpolitik ohne Ideologie und Zwänge

Marco Mehl, Herzogenauracher Gründungsmitglied der Frankenpartei, im Gespräch
 Regionalpolitik ohne Ideologie und Zwänge
Bitte Bild anklicken!
Bitte Bild anklicken!
HERZOGENAURACH - Vor einigen Tagen ist in Bamberg eine «Partei für Franken« gegründet worden. Im Vorstand sitzt auch Marco Mehl, der acht Jahre lang für die Junge Union und die CSU in Herzogenaurach und im Landkreis aktiv war. Die NN sprachen mit ihm, über seine Gründe, die CSU zu verlassen und sich der Frankenpartei anzuschließen.

Was war Ihre Motivation der CSU den Rücken zuzukehren?

Marco Mehl: Der äußere und innere Abschied von der CSU hat sich in vielen kleinen Schritten vollzogen: Zunächst war ich im Sommer 2008 aus privaten und beruflichen Gründen gezwungen, sämtliche Ämter in der JU bzw. CSU niederzulegen. Das war ein sehr schwieriger und schmerzhafter Schritt, der mir nicht leicht gefallen ist. Zum endgültigen Austritt aus der CSU/JU kam es dann allerdings aus ganz anderen Gründen erst im März 2009.

Die wären?

Mehl: Die Art und Weise, wie man Herrn Beckstein nach der Landtagswahl «entsorgt« hat, sorgte schon für erste Konflikte. Die Selbstzerfleischung und die versteckten gegenseitigen Schuldzuweisungen innerhalb der CSU Herzogenaurach nach der verlorenen Kommunalwahl taten auch sehr weh. Die Kandidatur von Frau Hohlmeier für Oberfranken gegen den Willen der Parteibasis führte dann zu den ersten großen Zweifeln. Mit etwas Abstand zum politischen Alltagsgeschäft habe ich dann schließlich mehr und mehr erkennen müssen, dass die CSU vorrangig mit sich selbst, das heißt mit Personal und Posten beschäftigt ist und die Sache vermehrt in den Hintergrund tritt. Da habe ich mich einfach nicht mehr heimisch gefühlt.

Wie haben Sie von der neuen Partei für Franken gehört?

Mehl: Das war eher Zufall. Im Internet war in politischen Foren von einem regional begrenzten politischen Projekt die Rede. Schlagworte wie Sachpolitik, Bürgernähe, parteiübergreifende Zusammenarbeit, vereintes Europa der Regionen und Gerechtigkeit haben dann mein Interesse geweckt.

Wofür setzen Sie sich in der neuen Partei konkret ein?

Mehl: Zunächst geht es bei unserer jungen Partei um organisatorische Herausforderungen. Es stehen gegenwärtig die Neugründung von Kreis- und Ortsverbänden und die innerparteiliche Strukturierung an. Viele unserer Mitglieder sind politisch noch unerfahren und kennen sich mit parteipolitischen Abläufen nicht so gut aus. Hier möchte ich versuchen, ein wenig Erfahrung einzubringen. Inhaltlich interessiere ich mich momentan vor allem für wirtschaftliche Zusammenhänge, etwa in Bezug auf die Quelle-Pleite.

Was sagen Sie zu Stimmen wie "DieFranken meckern ewig nur rum"?

Mehl: Es gibt nun mal genügend Anlass zur Kritik an der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Franken und auch ganz allgemein. Es ist das gute Recht der Bürger, wenn Sie ihren Unmut äußern. Aber wer nur meckert, der wird nichts verändern. Nur Engagement führt zu positiven Entwicklungen, Probleme lösen sich nicht von selbst.

Wie wollen Sie erfolgreich sein,Mitglieder bekommen und Wähler mobilisieren?

Mehl: Sehen Sie sich die politische Landschaft an: eine orientierungslose SPD, eine überhebliche und selbstverliebte CSU, realitätsfremde Gutmenschen bei den Grünen und eine sozial kalte FDP. Die Menschen sehnen sich doch nach Lösungen jenseits einer starren Rechts-Mitte-Links-Schablone. Ich sehe da eine gute Perspektive für die Partei für Franken und insgesamt für aufkommende Regionalparteien in Europa eine politische Marktlücke.

Viele Leute haben kein Interesse mehr an der Politik. Das liegt wohl auch an den leeren Versprechungen der Politiker. Wie wollen Sie den Wählern wieder mehr Vertrauen in die Politik vermitteln?

Mehl: In einer parteiübergreifenden Regionalpartei gibt es keine alles umfassende Ideologie und keine Zwänge und Vorgaben von oben. Hier sitzen ehemalige Sozialdemokraten, Grüne, Liberale, Ex-CSU‘ler und bisher Parteilose an einem Tisch. Man ist zum Wohle der Sache gezwungen, inhaltlich zu argumentieren und eine gemeinsame Lösung zu finden. Mit Stammtischparolen, leeren Wahlversprechen und einem handverlesenen und zum Applaudieren bestellten Publikum locken Sie heute keinen Bürger mehr hinter dem Ofen vor.





Interview: Stefanie Goebel
6.11.2009
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE