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Bahn führt Vandalismus bildhaft vor Augen

Konzern will mit Präventionszug nicht nur Aufklärung betreiben
 Bahn führt Vandalismus bildhaft vor Augen
Graffiti-Entfernung
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NÜRNBERG - Wie schnell es im Leben ernst werden kann, bekommt Pascal jetzt zu spüren. Als er an der Bushaltestelle steht, kommt ein Muskelpaket auf ihn zu, die Mütze tief in die Stirn gezogen. «Gib mir deine Drecksschuhe, los, du Arschloch.«

Der Realschüler aus Neumarkt lacht erst noch, dann reagiert er verwirrt, und schließlich hat er Angst: Sein Gegner hat ihn gepackt und hält plötzlich ein Messer in der Hand, und Pascal ist sehr froh, als Sekunden später aus dem Angreifer wieder der Polizist Thomas Slabi und aus der Bushaltestelle wieder ein Zugwaggon wird.

Beängstigend real nachgespielte Notsituationen

Pascal und seine 27 Klassenkameraden aus der 8c gehören zu den ersten Schulklassen, die am Montag im Nürnberger Hauptbahnhof in den «Präventionszug« der Bahn einsteigen und hier unter anderem auch von einem Team Berliner Bundespolizisten das richtige Verhalten in beängstigend real nachgespielten Notsituationen beigebracht bekommen. «Helden sterben jung«, sagt Slabi. Und diese Botschaft sollen die Schüler auch mitnehmen.


Sie sollen lernen, dass ihre Schuhe im Zweifelsfall nicht wichtig sind, sie alleine und selbst in kleinen Gruppen gegen extreme Gewalttäter nicht ankommen und sie trotzdem Zivilcourage zeigen können, indem sie die Polizei anrufen und Passanten gezielt um Mithilfe bitten. Zwar «gibt es keine Garantie, auch wenn Sie alles richtig machen«, sagt der Präsident der Bundespolizei, Matthias Seger, mit Blick auf den tödlichen Angriff auf Dominik Brunner in München. «Aber wir wollen, dass nicht mehr weggeschaut wird.« Und dafür soll der Präventionszug im Rahmen der DB- und Bundespolizeikampagne «Fair und sicher unterwegs« sensibilisieren.

Jährlich ein Schaden von 50 Millionen Euro

Dafür und für ein anderes großes Thema: den Vandalismus. «Der Deutschen Bahn entstand im letzten Jahr ein Schaden von 50 Millionen Euro«, sagt DB-Vorstand Gerd Becht. Rund 39.000 Taten, vom aufgeschlitzten Sitzpolster über Graffiti und zerkratzte Fensterscheiben bis hin zu komplett demolierten Abteilen und Waggons, registrierte die Bundespolizei allein bis September 2009. Ein Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Gegen diese Flut von Schäden kommt die Bahn allein inzwischen nicht mehr an, sagt Becht. Gleichzeitig habe sich auch die Qualität der Gewalt verändert, wie er und Gerd Neubeck, der ehemalige Nürnberger Oberstaatsanwalt und jetzige Leiter der DB-Konzernsicherheit, erklären. «Die Härte der Gewalt gegen Sachen und Menschen nimmt zu.« Dafür seien vor allem gesellschaftliche Veränderungen die Ursache. «Zentrale Werte gelten immer weniger«, so Becht. Prävention, sind sich alle Beteiligten von DB und Polizei einig, «muss schon bei den Kindern ansetzen.« Sie sollen auch als Multiplikatoren in den Schulen und vor allem im Freundeskreis wirken. «Gewalttäter selber erreichen wir vielleicht nicht, aber ihr Umfeld«, sagt Becht. Und der Sonderzug soll dazu ein Beitrag sein.

Zug ist eine Leihgabe der Schweiz

Seit 13 Jahren ist er bereits in der Schweiz unterwegs, und offenbar hat die SBB gute Erfahrungen damit gemacht. Im letzten Jahr lieh sich die DB daraufhin bereits einmal den Zug aus und schickte ihn auf Deutschlandtour. Der diesjährige Kurs führt am Mittwoch vom Startpunkt in Nürnberg aus weiter nach Braunschweig, Leipzig, Magdeburg, Essen, Dortmund und Köln.

Insgesamt 27 Schulklassen werden allein in Nürnberg auf den multimedialen Lehrpfad durch die fünf Waggons geschickt. Unter Anleitung von DB-Mitarbeitern wie Manfred Renner dürfen sie hier in einem verdreckten Abteil mit zerfetzten Polstern Platz nehmen, werden über das Schwarzfahren aufgeklärt und lernen auch, wie gefährlich die Sogwirkung von Zügen oder «Mutproben« wie die Kletterei auf Güterwagen direkt unter dem Fahrdraht mit 15000 Volt sein kann. «40 tote Jugendliche hatten wir allein im letzten Jahr deswegen«, so Renner.

Jeder Fall weniger ist ein Erfolg

Der Nutzen des Präventionszugs, dessen Miete und Einsatz sich die DB AG in diesem Jahr immerhin 450.000 Euro kosten lässt, steht für ihn außer Frage. Gerade bei den Erklärungen zu den Gefahren der Stromleitung oder den Risiken im Gleisbereich «gibt es teilweise erschreckend viele Aha-Effekte bei den Schülern«, sagt Brenner.

Zwar werde keine noch so gute Präventionsarbeit «die Zahl der Toten auf null« bringen können, sei ein direkter Erfolg durch die Maßnahmen vielleicht nicht messbar «Aber jeder Fall weniger ist ein Erfolg.«

Arno Stoffels
24.11.2009
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