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Kritik an Drückjagd: Tiere sterben manchmal qualvoll

Schützen treffen nicht immer perfekt - Einige Muttertiere erwischt
 Kritik an Drückjagd: Tiere sterben manchmal qualvoll
Drückjagd
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PEGNITZ - Derzeit finden wieder Drückjagden im Veldensteiner Forst statt. Angeblich mit Schützen, die nicht richtig treffen. Außerdem hätten Fußgänger noch Tage nach der Jagd qualvoll verendete Tiere gefunden. Was ist dran, an den Vorwürfen? Die «NN» waren vor Ort.

Der Metzger fährt mit der Schubkarre ein ausgenommenes Tier an uns vorbei. Er kippt das Reh auf den Boden, die Beine baumeln durch die Luft, kurz darauf liegt das Reh flach, neben mehreren Wildschweinen, Alttieren und Kälbern. Am Schlachthaus beim Wildgehege treffen immer mehr Jäger mit toten Tieren auf den Hängern ein.

Schützen treffen schlecht

Doch ein früherer Jäger aus der Region ist nicht mehr dabei. Denn ihm gefallen die Jagdmethoden nicht. Er berichtet von Muttertieren, die jetzt vor dem Winter von den Kälbern weggeschossen werden. Und davon, dass einige Schützen schlecht treffen. Verletzte Tiere würden mehrere Stunden umherrennen, bis sie von dem Nachsuchentrupp gefunden werden - oder bis sie qualvoll sterben.

Denn ein weiteres Problem ist, dass die Jagdverantwortlichen bei der Nachsuche auf die Angaben der Schützen angewiesen sind. Und wenn ein angeschossenes Tier nicht gemeldet wird, weil der Jäger vielleicht den Fehlschuss nicht eingestehen will, wird auch nicht danach gesucht. Dies führe teilweise zu illegalen Praktiken: Es gebe Leute, die nach den Drückjagden mit ihren Hunden in das Gebiet gehen und noch etliche tote Tiere rausholen, weiß ein Jäger. Offiziell sagen will aber niemand etwas - aus Angst, als «Nestbeschmutzer» dazustehen.

Notwendiges Übel

Dass eine Drückjagd kein Spaß für das Wild ist, bestätigen Jäger. «Drückjagden sind ein notwendiges und unverzichtbares Übel», sagt Theodor Mantel, ehemaliger Amtstierarzt und selbst Jäger. Vor allem die explosionsartige Zunahme von Wildschweinen würde immer stärkere Probleme bereiten.

Im Veldensteiner Forst ist das Rotwild problematisch. «Lässt man die Tiere alle leben, ist hier bald Steppe», erklärt Hans Meister, Mitarbeiter des Forstbetriebes. Es gilt: «Wald vor Wild» und der Grundsatz «Wenn das Tier läuft, bleibt der Finger gerade.» Aber nicht alle scheinen dies zu beherzigen. «Es gibt eben Schüsse zwischen perfekt treffen und daneben», gibt ein Jäger zu. Wenn bei einer Drückjagd 30 Tiere erlegt werden und 100 Schüsse gefallen sind, sei dies ein guter Wert. Der Jäger vergleicht die Jagd mit Fußballspielen: «Da wird auch zwanzig Mal aufs Tor geschossen und nur zweimal getroffen.»

«Das war ein perfekter Schuss»

Ein Teilnehmer der Drückjagd analysierte einige der geschossenen Tiere. «Das war ein perfekter Schuss», sagt er und zeigt auf ein am Kopf blutendes Alttier. Die Kugel bohrte sich durch die Lunge und das Rotwild war sofort tot. Daneben liegt ein Kalb, direkt ins Herz getroffen. In Reihe zwei ist ein Frischling mausetot. Der Jäger hebt das hintere, leblose Bein hoch, wo ein Einschuss zu erkennen ist: «Das war ein ganz schlechter Schuss. Der Frischling ist vermutlich schreiend weiter gerannt.» Rennt ein Tier angeschossen weg, darf der Schütze den Ansitz nicht verlassen. «In solch einem Fall, wäre mir das egal gewesen», sagt der Jäger. Das Wildschwein musste sofort erlegt werden.

Obwohl dieser Teilnehmer kritisch eingestellt ist, sind auch seiner Meinung nach Drückjagden notwendig, um den Verbiss in Grenzen zu halten. Wichtig sei aber, dass Disziplin herrsche und diese fehle leider bei einigen. Deshalb würden - wenn auch nur in Einzelfällen - eben Muttertiere, auch jetzt vor dem Winter, vom Kalb weggeschossen.

Berechtigte Kritik

Auch die Kritik, dass nach den Jagden nicht immer alle angeschossenen Tiere gefunden werden, sei berechtigt: «Das kann passieren.» Der Jäger weist aber ausdrücklich daraufhin, dass die Drückjagd im Veldensteiner Forst sehr gut organisiert sei. Bei anderen Drückjagden würde es viel schlimmer zu gehen. Der Forstbetriebsleiter Frank Pirner hat die Jagdgesellschaft eingeladen. Er versichert, dass nur Leute kommen, die wirklich treffen. Rund 50 Jäger schossen bei der dritten Drückjagd in diesem Jahr 24 Tiere (16 Rotwild, vier Rehe und vier Wildschweine). Laut Pirner sind 31 Schüsse gefallen.

Der Abschussplan, den Pirner selbst gewählt hat, liegt bei 190 Stück Rotwild, derzeit sind aber erst rund 110 geschossen. Der Abschuss sei so hoch gewählt worden, weil es im Veldensteiner Forst viele Verbissschäden gebe. Bis Ende Januar müssten noch 80 Stück Rotwild erlegt werden. «Wir überlegen daher, noch eine Drückjagd draufzusatteln», sagt Pirner. Ansitzjagden gibt es im Kerngebiet nicht.

Tierschutz steht im Mittelpunkt

Pirner selbst ist nicht als Schütze, sondern als Treiber mit seinen beiden Hunden Hasan und Doro dabei. Vor der Jagd weist er darauf hin, dass der Tierschutz und die Verwertung des Wildes im Mittelpunkt stehen. Den Vorwurf, dass auch Schüsse daneben gehen, streitet Pirner nicht ab.

Und auch, das ein Muttertier von einem Kalb weggeschossen wird, kann vorkommen. «Ich stehe nicht hinter jedem», sagt er. «Wenn wir rauskriegen, wer so etwas macht, wird er nicht mehr eingeladen.» Bei dieser Jagd wurden vier Alttiere geschossen. «In drei Fällen hat ein Schütze Kalb und Mutter erlegt», sagt Pirner.

Dies sei leicht nachzuvollziehen, denn jedes Tier werde mit dem Namen des Erlegers gekennzeichnet. Im vierten Fall habe einer das Kalb und der nächste Schütze die Mutter geschossen. Es gebe jedoch die klare Anweisung, dass einzelne Alttiere nicht geschossen werden dürfen. Außerdem ist jeder Schütze verpflichtet, angeschossene Tiere zu melden. «Wer dies nicht macht, war ebenfalls das letzte Mal dabei», sagt Pirner und fügt an: «Wenn es keine Sanktionen gibt, macht jeder was er will.»

Kerstin Freiberger
29.11.2009 13:17 MEZ
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