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Bürgermeister zeigt Schlecker-Markt die rote Karte

Nach Schließung einer Filiale neuen Schlecker XL-Markt eröffnet
 Bürgermeister zeigt Schlecker-Markt die rote Karte
Foto: Leuthel
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NÜRNBERG/HEROLDSBERG - Der Umgang der Firma Schlecker mit altgedienten Arbeitnehmern schlägt in Heroldsberg hohe Wellen: Nachdem die bestehende Filiale geschlossen worden war, eröffnete das Unternehmen rund 300 Meter entfernt eine neue Filiale mit geringer bezahlten Kräften.

Nach Angaben der Mitarbeitervertretung hat Schlecker mit dieser Vorgehensweise bereits in der Vergangenheit Schlagzeilen gemacht und bundesweit viele Mitarbeiter entlassen. Allerdings gilt die Schließung der 1974 eröffneten Filiale in Heroldsberg samt Entlassung der Mitarbeiter und die Neueröffnung des nicht weit entfernten Ladens in der Hauptstraße, als «besonders krass». In Nürnberg hat es solch einen Fall bislang nicht gegeben.

Vorgehensweise von Schlecker als «nicht gerade menschlich»

In einer Stellungnahme kritisiert Bürgermeister Johannes Schalwig das Vorgehen der Drogeriekette in Heroldsberg. Er bezeichnet die Vorgehensweise von Schlecker als «nicht gerade menschlich».

Der früher selbst als Apotheker tätige Rathauschef ist nach eigenen Angaben «stinksauer» auf das Unternehmen - noch vor der Eröffnung Ende September hat Schalwig ein Zeichen gesetzt: In einer Rundmail an die Rathausmitarbeiter legte er den Angestellten nahe, künftig bei Einkäufen für die Gemeinde das neue Schlecker-XL-Geschäft nicht zu nutzen.

Lohn muss für die Bestreitung des Lebensunterhaltes reichen

Auch der 3. Bürgermeister und FDP-Fraktionschef Oliver Rath hält die Art und Weise, wie mit den teils langjährigen Mitarbeitern in Heroldsberg umgegangen wurde, für falsch. Dass im neuen Markt die Mitarbeiter «weniger verdienen, kann nicht sein». Grundsätzlich sei gerade die FDP zwar für freie Marktwirtschaft, sagt Rath, jedoch müsse der Lohn für die Bestreitung des Lebensunterhaltes reichen.

Hubert Selzle, Fraktionschef der SPD in Heroldsberg, hält das Vorgehen des Unternehmens für «eine Unverschämtheit» und «versteht die Welt nicht mehr». Da er die von der Schließung Betroffenen persönlich kennt, werde auch er im neuen Schlecker-Markt nicht mehr einkaufen.

Betriebsrat kämpft mit juristischen Mitteln

Der zuständige Betriebsrat in Auerbach kämpft derweil mit juristischen Mitteln gegen die eigene Firma. Vor allem der Umstand, dass in Heroldsberg, rund 300 Meter weiter eine neue Filiale eröffnet wurde, trifft auf den Widerstand der Arbeitnehmervertretung.

In einer schriftlichen Stellungnahme, die dem Stadtanzeiger vorliegt, spricht das Unternehmen dem Betriebsrat die Zuständigkeit für die neuen Schlecker XL-Märkte ab, da die Schlecker XL GmbH eine eigenständige Gesellschaft sei. «Die jeweiligen Schließungen von Schlecker und Neueröffnungen von Schlecker XL-Märkten geschehen unabhängig voneinander.»

Schlecker: Arbeitsbedingungen entsprechen geltenden Bestimmungen

Betroffene Schlecker-Mitarbeiter werden immer ermutigt, sich auf eine Stelle in dem neuen Schlecker XL-Markt zu bewerben, heißt es in der Stellungnahme. Die Arbeitsbedingungen in den neuen Märkten würden in jedem Fall den geltenden Bestimmungen entsprechen, ergänzt der Sprecher Florian Baum von Schlecker.

Erfolgreiche Kündigungsschutzklagen

Mittlerweile haben nach Angaben des Betriebsrates andernorts in anderen Fällen ehemalige Mitarbeiter ihre Kündigungsschutzklagen gegen Schlecker gewonnen, sich vor Gericht geeinigt oder ihre Wiedereinstellung erreicht. Die Heroldsberger Mitarbeiterinnen, die bis zu 15 Jahre in der «Heckel-Filiale», wie der Volksmund sagte, gearbeitet haben, hoffen nun auf ein positives Urteil und die Beschäftigung in der neuen Schlecker XL-Filiale.

Manfred Leuthel
2.12.2009
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