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FÜRTH - Als Beschäftigungsmotor in der Krise sollte Bürgerarbeit Fürth neue Perspektiven eröffnen. Finanziert mit Geld aus dem Sonderstrukturprogramm, das der Freistaat dem Großraum nach dem Quelle-Desaster bewilligt hat. Doch jetzt kommt ein anderes Beschäftigungsmodell zum Zug, das stärker auf Familien zugeschnitten ist.
Die Bürgerarbeit hatte der Ende November als Staatssekretär ins Bundesverkehrsministerium gewechselte Bayern-Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Rainer Bomba, im Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Jung angeregt. Erste Erfahrungen hatte er damit seit 2006 in Sachsen-Anhalt gesammelt.
Arbeitslose, die nicht in reguläre Arbeit oder Arbeitsmaßnahmen vermittelt werden konnten, erhielten dort Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich, für die den hochverschuldeten Kommunen bisher das Geld fehlte. Die Beschäftigungsverhältnisse schließen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung ein, nicht aber die Arbeitslosenversicherung. So wird auch die Arbeitslosenstatistik bereinigt.
Nach Bombas Weggang soll in Fürth und Nürnberg jetzt ein Projekt des bayerischen Sozialministeriums umgesetzt werden. Im Fokus: allein Erziehende und Familien ohne Erwerbstätige. Für den dreijährigen Projektzeitraum erhält Fürth zwei Millionen Euro. 200 000 Euro muss die Stadt zur Kofinanzierung selbst aufbringen. Nürnberg hingegen bekommt acht Millionen Euro. Die vom Ministerrat bereits beschlossene Hilfe bedarf allerdings noch der formalen Zustimmung des Landtags bei den Haushaltsberatungen Anfang April.
Ziel ist es, Sozialhilfekarrieren zu durchbrechen. Der Weg ins Arbeitsleben soll über die Kinder geebnet werden, für die spezielle Förderangebote auf die Beine gestellt werden. Deshalb landet das Geld auch nicht bei der Hartz-IV-Arge, sondern beim Fürther Jugendamt. Für das Projektmanagement rechnet Jugendamtschef Josef Lassner mit einem zusätzlichen Personalbedarf von drei bis sechs Kräften.
«Die Integration in den Arbeitsmarkt bedeutet einen hohen Personaleinsatz – auch in der Erziehungsberatung», erläutert Lassner. Die zusätzlichen Arbeitsplätze sollen wie beim Modell Bürgerarbeit vor allem im Gemeinwesen und Betreuungsbereich geschaffen werden, wo bislang ehrenamtlicher Einsatz vorherrscht. Hier sieht Lassner ein großes Potenzial. Die Frage sei nur, ob die Bereitschaft zur Mitarbeit auch stark genug ausgeprägt ist.
Es müssen auf jeden Fall Stellen sein, die es bisher auf dem Arbeitsmarkt noch nicht gibt, weiß Michaela Vogelreuther, die Leiterin der Fürther Hartz-IV-Arge. Ihre Behörde arbeitet eng mit dem städtischen Jugendamt zusammen. Beim Modell Bürgerarbeit, weiß Vogelreuther, ist gemeinnützige Arbeit nur die letzte Stufe. In drei vorherigen Schritten wird mit Beratungsangeboten und Qualifizierungsmaßnahmen die Integration in den regulären Arbeitsmarkt versucht.
«Kontaktdichte und permanente Beratung» zeichnet nach den Worten des Fürther Arbeitsagentur-Leiters Günter Meth beide Beschäftigungsmodelle aus. Meth sieht die Bürgerarbeit durch das jetzt favorisierte Modell des Sozialministeriums grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Ob zusätzlich zu den vom Ministerrat bewilligten Millionen aber weitere Mittel für Bürgerarbeit freigestellt werden, sei noch unsicher. Für Meth steht fest, dass zunächst das Familienmodell durchgezogen werden muss. Zwei Projekte gleichzeitig könne man nicht bewältigen.
Die Fürther SPD reklamiert indes bereits mehr Staatshilfe. Zwei Millionen Euro seien verglichen mit der Unterstützung Nürnbergs viel zu wenig, meint SPD-Kreisverbandsvorsitzender Horst Arnold. Auch im Hinblick auf die staatliche Unterstützung der Landesbank sei ein stärkeres Engagement im sozialen Bereich geboten. Rund 15 000 Euro im Jahr sieht das Beschäftigungsprojekt in Fürth pro Familie vor.
Volker Dittmar |