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NÜRNBERG - Herbert Oppelt ist ein Radsport-Verrückter im positiven Sinne. Um nach dem Absprung des vorgesehenen Hauptsponsors Skyter das Überleben des Nürnberger Frauen-Profi-Teams zu sichern, bürgt der Macher der erfolgsverwöhnten Equipe mit Privatvermögen. Nach vielen schlaflosen Nächten hat der Frauen-Radsport als Equipe Cycling Noris wieder eine Perspektive. Die NZ sprach mit Oppelt.
NZ: Herr Oppelt, wie ist Ihre Frau derzeit auf Sie zu sprechen? Herbert Oppelt (überlegt kurz): Die nächste Frage bitte.
NZ: Zusammen mit Ihrem Sohn Alexander haben Sie die Equipe vor dem Aus bewahrt, indem Sie mit Privatvermögen bürgen. Da drängt sich einem Außenstehenden die Frage auf: Warum macht dieser Mann das? Oppelt: Erstens, weil ich denke, dass es dieser Sport wert ist. Zweitens, weil ich die Equipe vor 15 Jahren ins Leben gerufen habe, um der Stadt und den radsportbegeisterten Bürgern etwas Tolles zu bieten. Das hat sich ja auch schnell gelohnt. 1996 stellten wir mit Regina Schleicher die deutsche Meisterin und mit Barbara Heeb die Weltmeisterin. Und das, obwohl wir damals keine Sponsoren hatten, sondern nur einige wenige Gönner. Die Nürnberger Versicherungsgruppe unterstützte uns etwa mit 5000 Euro. Damals sind wir damit über die Runden gekommen. Nürnberg ist eine Radfahrerstadt und soll es auch bleiben.
NZ: Wie sehr enttäuscht es Sie, dass gerade im Hinblick auf die Entwicklung und die vielen Erfolge der Equipe kein Hauptsponsor für die Saison 2010 gewonnen werden konnte? Oppelt: Ich kann verstehen, dass bei uns in der Region vieles im Argen liegt und die Unternehmen deshalb das Sportsponsoring nicht an erster Stelle stehen haben. Was mich enttäuscht, ist allerdings, dass in der Öffentlichkeit so wenig Anteil am Frauensport insgesamt genommen wird. Die Equipe-Frauen haben über die Jahre in der Stadt einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht, dennoch scheint unser Schicksal die Leute, die sich um die Geschicke der Stadt kümmern, nicht zu interessieren.
NZ: Wäre die Unterstützung größer, wenn es sich um ein Männerteam handeln würde? Oppelt: Soweit würde ich nicht gehen. Das Problem ist eher, dass der Radsport sehr gebeutelt ist und viel mit seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Mittlerweile würde ich Radsportler aber zu den saubersten Sportlern im deutschen Leistungssport zählen.
NZ: Sie haben nach dem Rückzug von Skyter sehr viele Unternehmen angesprochen. Wie begründeten diese ihre Absage an ein Sponsoring? Oppelt: Viele können es sich einfach nicht leisten, weil sie 2010 schon in anderen Projekten gebunden sind. Es gibt aber immer noch genügend große Unternehmen, die sich im Gewinnbereich der Nürnberger Versicherung oder sogar darüber befinden, die keine Bereitschaft signalisierten. Ginge es um Fußball, das haben wir oft gehört, sähe es anders aus. Dabei entspricht unser Gesamtetat dem Gehalt eines mittelmäßigen Bundesligaspielers. Da sind die Verhältnisse verschoben.
NZ: Die Mannschaft startet mit einem Mini-Budget in die Saison. Wie viele Rennen können Sie Ihren Fahrerinnen überhaupt garantieren? Oppelt: Die Reisekosten sind tatsächlich der größte Posten. Wenn es uns gelingt, noch 100000 Euro aufzubringen, dann können wir die Saison einigermaßen vernünftig bestreiten. Aktuell müssen wir das Rennprogramm sicher reduzieren. Der genaue Terminplan steht allerdings noch nicht fest. Fakt ist, dass wir alle für lau arbeiten.
NZ: Wie erklären Sie das den Spitzenfahrerinnen, die auf viele Rennen angewiesen sind? Oppelt: Unsere Spitzenfahrerinnen werden die Rennen, die sie fahren müssen, um für die Weltmeisterschaft und andere Titelkämpfe in Form zu kommen, in jedem Falle bekommen. Wenn sie einmal nicht bei uns starten können, starten sie für die Nationalmannschaft ihres Landes.
NZ: Können die Leistungen der Fahrerinnen die Sponsorensuche beeinflussen? Oppelt: Mitunter schon. Was uns tatsächlich Hoffnung gibt, ist die Tatsache, dass uns ernstzunehmende Sponsoringanfragen für 2011 und 2012 vorliegen. Unser Ziel ist es, 2011 unter normalen Voraussetzungen an den Start zu gehen, denn mehr als eine Saison können wir mit den aktuellen Begebenheiten nicht durchstehen.
NZ: Was gibt Ihnen Kraft? Oppelt: Ich schöpfe Kraft aus meiner Familie und dem Engagement aller Beteiligten. Zudem haben wir viele Briefe und E-Mails erhalten, in denen wir dazu ermuntert wurden, weiterzumachen.
Fragen: Siegmund Dunker |