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Spielwarenmesse: Echte Knüller sind rar

Neuheitenschau als Auftakt zur Spielwarenmesse
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NÜRNBERG - Wirklich Zukunftsweisendes war versteckt: «Grüne Wissenschaft» (green science) ist ein Thema, an das der Nachwuchs im Kinderzimmer erst noch heranzuführen ist. Mit wenigen Zubehör-Teilen lässt sich eine leere Plastikflasche in einen Windmühlen-Generator verwandeln. Auch manche Erwachsenen mögen staunen, wie mit Drähten und Elektroden aus der Spieleschachtel sowie zwei Kartoffeln eine Uhr angetrieben werden kann, wenn Batterien der Saft ausgeht. Das soll auch mit Zitronen und Cola-Bechern funktionieren.

Einen Tag vor Eröffnung der Spielwarenmesse geben die Aussteller auf der Neuheitenschau einen ersten Einblick in ihre Kreativität. Technik ist traditionell ein Schwerpunkt. Immer wieder neue Baukästen sollen den Forschergeist erwecken.

Spielerisch die Börse üben

Manche Themen sind aus dem wahren Leben gegriffen. Dazu gehört das Börsen-Spiel, entwickelt in Partnerschaft mit dem Fernsehsender n-tv. Es gibt kaum ein Thema, dass sich nicht im Spielebereich vermarkten ließe. Harmlos: «Kariba» – der Kampf der Tiere ums Wasserloch. «Ansteckenden» Spielespaß verspricht aber ebenso «Pandemie». «Gemeinsam retten wir die Welt», heißt die Parole. Es gibt bereits eine Erweiterung: «Fangen Sie den Bioterroristen».


Da sollte man lieber nachschauen, was es beim Klassiker Monopoly Neues gibt. Seit 1935 wurden mehr als 250 Millionen Exemplare in 106 Ländern und 40 Sprachen verkauft – in Deutschland unterbrochen während der Herrschaft der Nazis, die das Immobilien-Handelsspiel zum jüdisch-spekulativen Thema erklärten. Jetzt wird das Spielbrett kreisrund. Das Spielgeld ist gestrichen, dafür laufen Häuserkäufe und -verkäufe zeitgemäß über Kreditkarten.

Barbie hat Pause

Paris Hilton kontra Bibi Blocksberg: Riesig ist der Reigen von Lizenzfiguren. Barbie hatte bei der Neuheitenschau diesmal Pause. Wenn im November und im Juli 2011 die Verfilmung des siebten und letzten Bandes der Harry Potter Reihe in den Kinos anläuft, wird dazu ein Sortiment von Puzzles, Rollenspiel-Sets und Sammelfiguren im Markt sein.

Generell war der Eindruck, dass bei den Neuheiten die Spielefirmen das Alter der Zielgruppe eher herunter gesetzt haben. Aber wer braucht den Kackel-Dackel aus Plastik? Man steckt vorne Futter rein, und hinten kommt ein Häufchen raus. Immerhin haben sich die Erwachsenen bei der Vorführung köstlich amüsiert.

Tröte für die WM

Gerne greifen die Spielwarenproduzenten aktuelle Themen auf - in diesem Jahr natürlich die Fußball-WM. Mit Lizenz aus Südafrika, aber gefertigt in Deutschland und schon vor dem Abflug zu den Spielen erwerbbar, ist die Vuvuzela-Fan-Tröte in Deutschland-Farben – wirklich laut.

Eine gute Idee: «Worldcup-Fan-Tattoos». Denn bunte Fan-Bemalungen sind spätestens seit der Fußball-WM 2006 ein Renner. Tattoos, als Alternative, verschmieren nicht, und Mutter wird beim Wäschewaschen dankbar sein. Vielleicht zieht die WM auch wieder mehr Kids zum Kicker-Spieltisch. Ein neues Gerät ist zum Zusammenklappen, platzsparend verstaubar.

Einfühlsame Puppen

Unter den Puppen echt kuschelig ist Timmy, das Schäfchen, seit Januar der Star bei Super-RTL. Die «Gute Nacht»-Variante, für Kinder ab zwei Jahren, schließt die Augen und fängt leise an zu schnarchen, wenn man sie hinlegt. Das soll ansteckend wirken.

Oft fallen Kleinigkeiten positiv auf. Aus Schweden stammen die «Puppen mit Einfühlvermögen»: Man spürt das Herz schlagen und die Augen sind auf einen gerichtet, wenn man die Puppe wie ein Baby im Arm hält. Inzwischen gibt es damit Tests mit Demenz- und Alzheimer-Patienten. Das Ergebnis: Werden die Figuren in der Therapie Kranken überlassen, reduziert sich der Bedarf an Beruhigungsmitteln. Den richtigen Knüller konnten die Medien nicht entdecken. Der Trost: Wieder haben die Firmen ein Jahr Zeit, um sich etwas wirklich Neues auszudenken.

Wolfgang Mayer
4.2.2010
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