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Dunkle Zeiten

 Dunkle Zeiten
Depressionen am Arbeitsplatz, von denen letzte Woche im Magazin die Rede war, sind eine schlimme Sache. Und gewiss darf man darüber nicht leichtfertig hinwegschreiben. Noch schlimmer ist es, mit billigen Ratschlägen zu kommen. Etwa solcherart: «Schaff Dir doch einen Garten an, dann hast Du Ablenkung, hörst die Bienchen summen, siehst den Spinat wachsen. Gleich kommen Dir andere Gedanken . . .». Quatsch!

Jedermann weiß, dass man auch im Garten melancholisch werden kann – so nannte man wohl früher jene Stimmung, die einen lähmt; immer weiter runterzieht; ein Licht am Ende des Tunnels partout nicht aufscheinen lässt.

Da hat sich gerade wieder einmal so eine unerfahrene Jung-Kohlmeise vom Trugbild der Fensterscheibe täuschen lassen: Genickbruch; da treibt der Südwestwind die Schneemassen zu bauchhohen Wehen zusammen; da setzt ein Starkregen wieder mal den Keller unter Wasser; da will und will und will sich kein Frühlingslüftchen regen.

Allerwelts-Philosophen (wie ich sie hasse) werden sagen, das sei doch nicht so schlimm verglichen mit der Situation der Menschen auf Haiti oder in der Sahelzone oder im Kongo. Die sollen sich doch, bitteschön einmal in meine Lage versetzen. Wahrscheinlich würden sie schreiend auf die Straße stürzen und nie mehr einen guten Rat erteilen.

Zugegeben, aus diesen Zeilen spricht deutlich der Winter-Blues. Ich habe Schneeschaufeln satt bis obenhin. Letztes Jahr blühten um diese Zeit schon die ersten Schneeglöckchen (bevor es noch einmal saukalt wurde). Immerhin habe ich ein paar Techniken, die über Tiefpunkte hinweghelfen.

Tipp eins: Man muss öfter nichts tun, damit einem Dinge einfallen, die zu denken geben. Tipp zwei: Einfach mal nach oben zu den Wolken oder zum Horizont schauen.

Mir hilft das, und immer wieder Bohumil Hrabal, der große tschechische Romancier, der einmal gesagt hat: «Die Welt ist schön, unsagbar schön – nicht dass es so wäre, aber ich sehe es so.» RAIMUND KIRCH
6.2.2010
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