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Wie leben Kinder in Afrika? Woher bekommen sie Wasser? Und vor allem: Was passiert, wenn sie einen Arzt benötigen? Antworten auf diese Fragen gab den Heroldsberger Volksschülern der Nürnberger Anästhesist Dr. Heinz Giering, der jetzt sein Projekt «Feuerkinder» vorstellte. Dies war der Auftakt des «Afrika-Jahres» an der Volksschule, in dem sich die Jungen und Mädchen für kranke Kinder auf diesem Kontinent engagieren.
HEROLDSBERG - «Aaaaaaaaaaaaaaaa» rufen die Erstklässler im Heroldsberger Bürgersaal dem Mediziner Heinz Giering zu, als er sich fragt, welchem Buchstaben die Beine des schwarzen Jungen Joshua auf der Leinwand ähneln. «Ein A ist es nicht ganz», meint der Arzt: «Der Junge aus Afrika hat X-Beine, und wir konnten ihm mit einer Operation helfen, so dass er jetzt wieder laufen und sogar Fußball spielen kann.»
Anschaulich und kindgerecht präsentiert Giering den Heroldsberger Grundschülern sein Projekt «Feuerkinder» in Tansania: Damit unterstützt er Verbrennungsopfer, aber auch Kinder, die an unterschiedlichen Krankheiten leiden. Kürzlich ist er für sein Engagement sogar mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet worden.
«Viele Kinder in Afrika haben X-Beine, denn sie essen viel Reisbrei. Reis enthält aber kein Vitamin D, deshalb verbiegen sich ihre Knochen.» Giering fragt die Kinder: «Glaubt ihr, dass Joshua auf diesem Foto mit seinen X-Beinen laufen kann?» «Neeeeiiiin» rufen die Schüler. «Glaubt ihr, das tut weh?» «Jaaaaaaaa» – schallt es im Heroldsberger Bürgersaal.
Harte Lebensumstände
Aber der Arzt hat noch ein zweites Foto von Joshua parat – nach der Operation: «Schaut, da hat er zwei gerade Beine und freut sich, dass er wieder rennen kann.» «Der hat ja Käsefüße», belustigt sich ein frecher Bengel aus der ersten Reihe.
«Wisst ihr, wie in Afrika die Eltern kochen?», fragt Giering weiter und schildert anschaulich die harten Lebensumstände vieler Kinder dieses Kontinentes. So gebe es oftmals keinen Herd: «Die Eltern legen drei Steine auf den Boden, da kommt Feuer dazwischen und da stellen sie dann einen Topf drauf.» An den offenen Feuerstellen würden sich aber häufig Kinder verbrennen, ebenso an den Kerosinleuchten, «denn in Afrika hat man keine Lampen wie bei uns.»
Schlimme Brandwunden seien die Folge, wobei eine ärztliche Versorgung praktisch unmöglich sei: «Da kommt kein Krankenwagen, und deshalb bekommen die Kinder manchmal schlimme Narben, so dass sie sich nicht mehr gut bewegen können.» Dann zeigt er zwei Bilder des kleinen «Feuerkindes» Kevin. «Schaut, auf dem ersten Foto ist Kevin ganz traurig und hat viele Narben. Auf dem zweiten Bild ist er glücklich und lacht, denn wir haben ihn operiert, und heute ist er ein schöner junger Mann.»
Bei der Auswahl seiner Bilder achtet Giering sehr genau darauf, dass sie den Kindern die medizinische Not zeigen, aber nicht zu grausam sind.
Dann folgt ein Foto, auf dem sowohl Giering und sein deutsches Team als auch Mediziner aus Afrika abgebildet ist: «Warum sind wir Weißen mit den schwarzen Menschen hier auf einem Foto?», fragt er und gibt die Antwort gleich selbst: «Weil wir Freunde sind.»
Manchmal müssten die Kinder mit ihren Eltern tagelang warten, bis sie im Nkoaranga-Hospital an der Reihe seien, aber keiner beschwere sich, «dass er als Erster drankommen muss, weil er als Erster da war.»
«Einen Euro zahlt jedes Kind für den Vortrag, und auch in weiteren Projekten wollen wir uns mit den Schülern für die Feuerkinder engagieren», kündigt Lenz Winklmann, Rektor der Heroldsberger Volksschule, an: Im Februar soll eine schulinterne «Sol-Brotaktion» folgen, im März erhalten die Schüler Informationen über die «Aktion Tagwerk», die im Juni den bundesweiten Aktionstag «Dein Tag für Afrika» organisiert. Mit einer Afrika-Woche im Juli soll das Projektjahr seinen Abschluss finden.
Unterstützung durch Experten
Während einer Urlaubsreise im Jahr 1998 nach Tansania ist der Nürnberger Mediziner im Behindertenzentrum Usa River der evangelischen Kirche Tansanias mit dem Leid der «Feuerkinder» konfrontiert worden. Auch Kinder mit Klumpfüßen, mit völlig deformierten Extremitäten durch Mangelernährung oder durch Trinkwasser mit zu hohem Fluorgehalt werden in diesem Behindertenzentrum betreut.
Giering und der dort arbeitende Missionar Wolfgang Kopp initiierten noch 1998 das medizinische Hilfsprojekt «Feuerkinder Tansania». Sie konnten im gleichen Jahr die Kinderorthopädin Dr. Annemarie Schraml als hoch qualifizierte Operateurin gewinnen.
Heute leitet sie das Hilfsprojekt zusammen mit Giering. Seit dem Jahr 2000 fahren sie mit einem medizinisch-technischen Team regelmäßig nach Tansania. Im Nkoaranga-Hospital, am Fuße des Mount Meru, werden unter der Trägerschaft der Rummelsberger Anstalten und unter einfachsten Bedingungen körperbehinderte Kinder und Jugendliche kostenlos operiert.
Drei Schwerpunkte haben sich dabei entwickelt: die operative Behandlung von Verbrennungsopfern, von angeborenen Klumpfüßen sowie von schweren Knochenverbiegungen durch eine Mangel- oder Fehlernährung.
Nicole Drahola |