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LOKALMELDUNGEN - FORCHHEIM UND UMLAND  

Behinderte wollen mehr Mitbestimmung

Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml (CSU) unterstützt geplanten Behindertenrat
 Behinderte wollen mehr Mitbestimmung
Foto: Huber
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«Wir sind nicht behindert, wir werden behindert.» Der Klageruf der Menschen mit Handicap in Forchheim, die in der Kreisstadt viele Barrieren meistern müssen, könnte bald der Vergangenheit angehören. Gestern wurde im Büro des Trägervereins Offene Behindertenarbeit (OBA) die Gründung eines Behindertenrates angekündigt. Geschehen soll das am 20. März in einer öffentlichen Veranstaltung.

FORCHHEIM - Der Kampf für Barrierefreiheit in der Stadt, den sogar Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml (CSU) unterstützt, ist aber nur ein Teil der Lobbyarbeit für Behinderte, die auf ihre gesellschaftlichen und sozialen Rechte pochen. Es geht den zurzeit 20 Akteuren um Behinderung in allen Formen, um «menschliche Barrierefreiheit», wie die OBA-Leiterin Manuela Heilmann formulierte. Die Interessenvertretung der Behinderten soll, sagte sie, «ein starkes Gewicht» im Rathaus bekommen.

Daraus ergibt sich auch die Forderung an Rat und Verwaltung, für die demokratische Mitwirkung der Behinderten ein Gremium zu bilden, das mehr Entscheidungsbefugnisse hat als ein Beirat, der sich nur auf der Basis von Empfehlungen an die kommunalen Beschlussorgane wenden kann. «Wir wollen einen Behindertenrat», so Heilmann. Dessen Arbeit dürfe aber «auf gar keinen Fall» (Irene Böhm) durch den Stadtrat beeinflusst werden. Dort soll schon angedeutet worden sein, dass einer aus seinen Reihen Sitz und Stimme in dem Gremium haben müsse.

Im Forchheimer Rathaus, wo man sich schon lange schwer tut mit Forderungen von Behinderten, ihnen nun aber entgegenkommen will, erweisen sich politische Statusfragen nicht selten als ein Hemmnis. Geht es zum Beispiel nach Silke Vahle, Behindertenbeauftragte des Landkreises, sollte die Stadt lieber ein Forum bilden. Staatssekretärin Huml aus dem nahen Bamberg hat Rainer Böhm aber geschrieben, sie finde einen Behindertenrat «toll». Und habe die Hoffnung, dass «bestehende Hindernisse bald aus dem Weg geräumt» werden könnten.

Gegen «Fremdeinflüsse»

«Wir wollen frei sein in unseren Forderungen und Entscheidungen», hieß es gestern in der Versammlung der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit im OBA-Büro. Sogar Vertreter der Wohlfahrtsverbände sollen von dem ins Auge gefassten Gremium ferngehalten werden, um «Fremdeinflüsse» zu verhindern. Eine Zusammenarbeit mit diesen Organisationen ist allerdings ausdrücklich erwünscht.

Behinderte seien eine Minderheit, deren Rechte die Gesellschaft schützen müsse, ist das Credo der Forchheimer Akteure. In einem Flugblatt, das nun in der Stadt verteilt wird, führen die Behinderten sogar den früheren CDU-Kanzler Helmut Kohl mit dem Wort ins Feld: «Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt darin, wie sie mit den schwächsten Gliedern umgeht». Der Leitgedanke sei, die Bedürfnisse der Behinderten in die unmittelbare Politik einzubringen. Und dabei eine Sprachrohrfunktion zu schaffen, die satzungsrechtlich definiert wird, um die Gleichstellung und die «Erleichterung der Lebensumstände von Menschen mit Handicap» zu erreichen.

Das reicht weit hinaus über den Abbau baulicher Hürden, die bisher den Ton bestimmen. Zu den Aufgaben zählen auch regelmäßige Berichte über die Lage behinderter Menschen in der Stadt. Im Kreis Forchheim leben nach einer neuen Bezirksstatistik 9832 Behinderte. Das ist der günstigste Wert auf der Skala der Kommunen in Oberfranken. HUGO MOLTER
9.2.2010
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