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Der Streit im Gräfenberger Rathaus wird immer bizarrer. Nun bezichtigt ein ehemaliges Stadtratsmitglied Bürgermeister Werner Wolf, sich unverdienterweise mit dem (vorläufigen) Ende der Neonazi-Aufmärsche zu rühmen.
Wer die rechtsradikalen Umtriebe in Gräfenberg (Kreis Forchheim) in den vergangenen zwei, drei Jahren verfolgt hat, ist bei den Gegendemonstrationen immer auf zwei besonders engagierte Menschen gestoßen: den Ersten Bürgermeister Werner Wolf (FW) und Michael Helmbrecht, Mitbegründer und bis vor kurzem Sprecher des Bürgerforums. Von Anfang an boten das zivilgesellschaftliche Bündnis und die Stadtspitze den teilweise wöchentlichen NPD-Kundgebungen Paroli. Ein Widerstand, der die Mobilisierungsmöglichkeiten in der rechtsradikalen Szene weit überstieg. Die Reihen lichteten sich von Mal zu Mal bis die NPD-Funktionäre und freien Kameradschaften Ende 2009 auf weitere monatliche Aufmärsche verzichteten. Ein eindeutiger Sieg für das Stadtoberhaupt und das inzwischen mit zahlreichen Preisen geehrte Bürgerforum.
Ex-CSU-Stadtrat Georg Rammensee, der Wolfs Amtsführung unlängst öffentlich kritisiert hatte (die NZ berichtete) sieht das anders. Nicht dem Rathauschef und der Bürgerinitiative sei das Ende der rechtsradikalen Veranstaltungen zu verdanken, sondern seinen eigenen Aktivitäten. Er habe den Wunsch von Hinterbliebenen der auf dem Denkmal verewigten Soldaten, auf die Aufmärsche zu verzichten, an die NPD herangetragen. «Es waren meine Verhandlungen mit den Führungsleuten, die die Aufmärsche gestoppt haben», sagte Rammensee zur NZ. Diese Übereinkunft sei bei zwei Treffen mit «überhaupt nicht dubiosen Menschen, sondern intelligenten Leuten» getroffen worden («da war sogar ein Anwalt dabei»). Rammensees Part sei es gewesen, über die Abmachung zu schweigen und «nicht mediengeil zu sein».
Dies habe er eingehalten bis sich Wolf beim Neujahrsempfang erneut mit «fremden Federn» geschmückt habe: «Dann haben mich die Nazis angerufen und gesagt: ,Der hat doch gar nichts gemacht’». Das wollte Rammensee richtigstellen – und zwar mit einer E-Mail an Wolf, die er gegenüber der NZ zwar als «privat» bezeichnete, zugleich aber an über zehn Stadträte und drei Mitarbeiter der Verwaltung verschickt hatte und nun an alle Gräfenberger Haushalte verteilen will. Auch unserer Zeitung liegt das Schreiben an Wolf vor. Darin heißt es: «Du bist doch ein Lügner, wenn Du behauptest, Du und das Bündnis hätten es geschafft, diese Veranstaltungen der Rechten in Gräfenberg zu beenden. Richtig ist, sie werden Dich und den Herrn/die Dame aus Weißenohe nach wie vor zu gegebener Zeit und zu gegebenen Anlässen in Gräfenberg, bzw. Weißenohe besuchen. Das kannst Du schriftlich haben».
Wolf will diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und geht in die Offensive: «Die Anzeige ist am Laufen», sagte er im Gespräch mit der NZ. Er fühle sich in ehrabschneidender Weise diffamiert und persönlich verletzt. Besonders die Ankündigung, dass er und zwei Bürgerforumsmitglieder weiter «besucht» würden, empfinde er als massive Bedrohung: «Das wühlt alles wieder neu auf; das sind Einschüchterungsversuche wie von den Neonazis». In der Vergangenheit wurde das Stadtoberhaupt mehrfach auf einschlägigen Internetseiten namentlich erwähnt und bedroht.
Am meisten trifft Wolf jedoch, dass er bis vor kurzem mit Rammensee im Stadtrat zusammengearbeitet hat. «Es ist schlimm», sagt er betroffen, «wenn in unseren Reihen Personen sitzen, die mit den Neonazis kommunizieren». Wolfs Frage liegt nahe: «Wenn Rammensee die Rechtsradikalen von Gräfenberg tatsächlich fernhalten kann – wer hat sie dann erst zu uns geholt?»
Sharon Chaffin |