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«Ruhe in Frieden» für 699 Euro, «Wir werden dich nie vergessen» für 499 Euro: Sterben ist ein todsicheres Geschäft. Wirtschaftskrise hin, leere Kassen her – gestorben wird immer, 6649 Mal in Nürnberg im Jahr 2008. Vor allem Billig- oder Discountbestatter versuchen, daraus Kapital zu schlagen. Pietätlose Geschäftemacherei oder eine Notwendigkeit im Hinblick auf zunehmende Armut und schrumpfende Rücklagen?
Auf jeden Fall mit Vorsicht zu genießen, warnt Alexander Helbach. Er ist Pressesprecher der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas mit Sitz in Königswinter. «Für knapp 500 Euro bekommen Sie nur die allernötigsten Leistungen und den allereinfachsten Sarg.» Es gebe auch anständige Billigbestatter, die ihre Leistungen transparent darstellen. Doch meistens steckt ein Lockangebot dahinter – und die Mehrkosten stehen im Kleingedruckten. Oder der Verstorbene wird anonym und im Ausland bestattet. In Tschechien etwa – weil’s dort billiger ist. Illegal sind diese Praktiken nicht. Manche nur eben unseriös.
Der Grund, warum die Nachfrage trotzdem besteht, ist derselbe, warum Discounter in Deutschland allgemein florieren: Es wird aufs Geld geschaut. Überhaupt sind in den letzten Jahren die Friedhofsgebühren gestiegen, dafür wurde 2004 das Sterbegeld gestrichen. Manch einer möchte seinen Kindern schlicht nicht zur Last fallen, kümmert sich vorsorglich um eine anonyme Beerdigung. Manchmal leben die Angehörigen auch so weit weg, dass sich niemand um die Grabpflege kümmern kann. Der Bund Deutscher Bestatter warnt, dass mit den sinkenden Preisen ein Werteverfall einhergeht.
Auch Olaf Stier fürchtet schon jetzt den Tag, an dem der erste Ikea-Bausatz für einen Sarg angeboten wird. In Nürnberg sind 19 Bestatter ansässig, im Raum Nürnberg-Land zwölf. Einer davon ist die Trauerhilfe Stier in der Fürther Straße. Man merke durchaus, dass die Leute heute kritischer nachfragen, sagt Bestattungsfachwirt Stier. Das sei gut so. Denn natürlich gibt es auch unter Bestattungsunternehmen schwarze Schafe und es empfiehlt sich immer, nicht blind vor Trauer zu handeln.
Eine Beerdigung ist aufwendig – viele Hinterbliebene wissen das nicht
Doch eine Beerdigung kostet im Vorfeld vor allem eins: Zeit. Zeit für Gespräche und Beratung, Zeit für die Frage: Was für eine Art von Bestattung wünschte sich der Verstorbene? Und Zeit für die Details, die es zu berücksichtigen gilt.
Und davon gibt es eine ganze Menge. Auf der Internetseite www.bestatter-preisvergleich.de verhilft der Link «Todesfall – Checkliste» zu einem Überblick. Und nennt auch die Dienstleistungen, die Bestatter für Trauernde auf Wunsch übernehmen: Überführung, Abgabe der Sterbeurkunde beim Standesamt, Wahl der Bestattungsart, Terminvereinbarung mit Stadt und Kirche für die Beerdigung, musikalische Ausgestaltung der Trauerfeier inklusive Dekoration, Traueranzeige, Abrechnung mit der Krankenkasse, Lebensversicherung, Sterbekasse und Abmeldung bei der Rentenversicherungsanstalt. «Ich kann jedem Angehörigen heute nur empfehlen, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Leistungen er bei der Bestattung wünscht und sich diese explizit vorher anbieten zu lassen», sagt Stier.
Wenn Stier und seine Kollegen dann aufzählen, was es alles zu berücksichtigen gilt, «erkennen die meisten schon, was für ein Aufwand dahintersteckt». Ein Aufwand, der in billigen Pauschalangeboten nicht enthalten sein kann. Und das kostet: 3500 bis 5000 Euro, rechnet Stier vor. Mindestens. Alexander Helbach von Aeternitas geht gar von etwa 6000 Euro aus, die sich zu je einem Drittel zusammensetzen aus Friedhofsgebühren, Bestatterkosten und dem Grabmal. Auch der Tod ist nicht umsonst.
Internet: www.aeternitas.de
Kathrin Walther |