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Ice-Tigers-Namenspatron im NZ-Interview:

Sabo: «Die DEL wird ihren Ansprüchen nicht gerecht»

 Sabo: «Die DEL wird ihren Ansprüchen nicht gerecht»
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NÜRNBERG - Thomas Sabo begnügt sich nicht mit der Rolle eines wohlmeinenden Repräsentanten. Der Schmuckdesigner und Namenspatron der Ice Tigers blickt bei seinem Engagement über den eigenen Tellerrand hinaus. Im zweiten Teil unseres Interviews äußert sich Sabo zum maladen Zustand der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und den Problemen einer Sportart, die sich immer weiter an den Rand der öffentlichen Wahrnehmung drängen lässt.

NZ: In der DEL gibt es keinen sportlichen Absteiger, dafür aber eine merkwürdige Erfindung wie die Pre-Play-offs. Sie besteht aus 15 Mannschaften, die fast 60 Saisonspiele absolvieren müssen. Früher hat man die DEL als Operettenliga bezeichnet. Ist das noch immer ein bisschen so?
Thomas Sabo:
Was die DEL betrifft, muss ich sagen, dass ich in diesem einen Jahr sehr viel gelernt habe. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich über das, was ich da sehe, überhaupt nicht erfreut bin, weil die Liga ihren Ansprüchen überhaupt nicht gerecht wird. Da sind einfach viel zu viele Interessenskonflikte vorhanden. So wie die oberen Entscheider gesetzt sind, liest sich wie die Ahnentafel der teuren Klubs. Damit ist den anderen Teams nicht geholfen. Wie die Anschütz-Gruppe oder die Hopps mit ihrem Geld umgehen, darüber müssen wir uns eh nicht lange unterhalten. Wenn man Bilanzen lesen kann, und das kann ich, ist es eine klare Geschichte, dass in dieser Liga etwas in eine völlig falsche Richtung läuft.

NZ: Was werfen Sie der DEL konkret vor?
Sabo:
Eine völlig unausgegorene Terminplanung, die von so viel Unwägbarkeiten abhängig ist, dass man eine Saisonplanung eigentlich gar nicht machen kann, ohne in Problemstellungen hineinzurauschen. Wir wissen heute noch nicht, ob der Zweitligameister aufsteigen darf und wir künftig 60 Saisonspiele bestreiten müssen, was den Wahnsinn noch weiter verstärken würde. Oder spielen wir ohne Köln, vielleicht ohne Krefeld? Das steht ja alles zur Debatte. Wenn man da nicht gerade wie die Straubinger eine eigene Eisfläche hat und am liebsten 100 Mal spielen möchte, ergibt sich ein riesiges Problem. Der zweite Punkt ist der völlig unübersichtliche Modus, der Wettbewerbsverzerrung Vorschub leistet. Da hat Hannover fast zwei Wochen Pause im Januar und spielt dann innerhalb von kürzester Zeit ein Wahnsinns-Programm. Das ist völlig fehlgeplant. Und ich spreche jetzt wirklich die Liga an, weil diese sehr schlecht aufgestellt ist. Da werden Termine am Sankt Nimmerleinstag gemacht, wenn die neue Saison schon läuft. Ich würde mir wünschen, dass drängende Themen einmal sauber abgearbeitet würden, und bitte nicht bei einem Glas Rotwein auf Mallorca, sondern so, wie man das in Unternehmen auch macht.

NZ: Inwieweit ist es Ihnen denn möglich, Einfluss auf die DEL auszuüben? Die Liga müsste an handlungsfähigen Personen, die Geld in diese Sportart stecken, interessiert sein.
Sabo:
Ich glaube, dass das immer ein sehr schmaler Grat ist. Ich habe auch keine Lust, mit meinem Unternehmen der Lautsprecher der DEL zu werden. Wichtiger ist, dass sich die Vereine zusammentun und gemeinsam agieren.

NZ: Sind die Klubs aber nicht auch selbst Schuld am schlechten Image? Das dubiose finanzielle Gebahren, die hohe Fluktuation in den Kadern und eine bisweilen unprofessionelle Außendarstellung tragen nicht gerade zu einem guten Ruf bei.
Sabo:
Wenn jetzt die Kölner Haie von der Eishockeylandkarte verschwinden sollten, dann wäre das schon starker Tobak. Man muss aber auch sagen, dass die Voraussetzungen nicht die besten sind. Die Marketingmaßnahmen sind extrem eingeschränkt. Überregional haben wir keine TV-Präsenz. Wir haben in der DEL vier bayerische Eishockey-Teams, doch wie oft tauchen diese in einer Sendung wie Blickpunkt Sport auf? Das wird wohl nicht allzu oft sein. Und daher ist es eigentlich absolut fatal, was da abläuft. Wenn ich gewisse Zahlen sehe, dann wird mir ganz anders.

NZ: Worauf spielen Sie an?
Sabo:
Ein Spiel der Ice Tigers, das im Bezahlsender Sky läuft, wird von maximal 30000 Menschen gesehen. Eine Sendung von Blickpunkt Sport weist die 15- bis 20-fache Quote auf, das spricht Bände. Wie wollen Sie einen Sport verkaufen, der nicht existent ist? Das ist schade, denn ich kenne so viele Leute, die früher nichts mit Eishockey anfangen konnten und nun zu jedem Spiel in die Arena kommen. Bei solch einer Medienpräsenz kann Eishockey aber viele Menschen gar nicht erreichen.

NZ: Am besten fängt man an, die Eishockey-Begeisterung schon bei Kindern zu wecken. Sie gaben als Ziel an, die Nachwuchsarbeit in Nürnberg zu verbessern und belebten die Kooperation mit dem Stammverein EHC 80 wieder. Wie hat sich die Zusammenarbeit entwickelt?
Sabo:
Die Kooperation ist im zwischenmenschlichen Bereich absolut auf einen guten Weg gebracht worden. Im sportlichen Bereich soll hier etwas Neues zusammenwachsen, aber da müssen auch die Verknüpfungen zur Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) und zur Jugendarbeit im DEB besser strukturiert werden.

NZ: Wie wird sich Ihr Engagement in Nürnberg zukünftig darstellen? Ihr Unternehmen scheint der Wirtschaftskrise ja erfolgreich zu trotzen.
Sabo: Das Ziel ist sicherlich, dass man den Verein in den kommenden Jahren nicht nur auf Thomas Sabo abstimmt, sondern eine breite Front aufbaut, die den Klub finanziert. Damit meine ich einen deutlichen Anstieg im Zuschauerbereich und bei den Sponsorengeldern. Ich bin absolut positiv, dass wir das auch mit den ganzen äußeren Umständen schaffen können. Das Eishockey kann sich in einer Stadt wie Nürnberg auf alle Fälle etablieren. Wenn sich natürlich die DEL in eine total schlechte Richtung entwickelt, dann sind auch wir nicht vor Problemen gefeit. Wenn sich die DEL am Riemen zu reißt, dann sehe ich noch eine gute Perspektive für diese Liga. Aber dazu werden wir noch zwei, drei Jahre brauchen. Diese Geduld ist bei mir absolut da, weil mir persönlich von Anfang an klar war, dass es kein leichter Weg sein würde.

Den ersten Teil des Interviews mit Thomas Sabo finden Sie hier.

Siegmund Dunker
1.3.2010 18:23 MEZ
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