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«Nein, zum Rücktritt sehe ich keinen Grund, ich trete bloß einen Schritt zurück«, sagt Bruder Willi in Anspielung auf den Rücktritt des Bruder Barnabas vom fernen Nockherberg, «aber lassen wir das, so einen Schmarrn!«
THALMÄSSING (un) – Rappelvoll ist der Kronensaal beim zweiten Starkbierfest, das wieder die beiden Thalmässinger Kirchweihgesellschaften, die Oberdorfer Kärwaboum (OKB) und die Unterdorfer Kärwaboum (UKB) veranstaltet haben. Seinen Kompagnon Martin Bernreuther hat Bruder Willi alias Willi Foistner dieses Jahr zu Hause gelassen, heuer packt es der Bruder Willi solo, und dank seiner kabarettistischen Fähigkeiten versteht er es erneut, den Saal gewaltig aufzumischen.
Die unermüdlich aufspielende Blaskapelle Thalmässing unter ihrem dirigierenden (und singenden) Chef Schorsch Küttinger, der im wirklichen Leben auch noch Bürgermeister ist, trägt entscheidend dazu bei, dass der echte Nockherberg alt ausschaut.
Neu ist heuer, dass Bruder Willi, den in Thalmässing alle nur «Elvis« nennen, keinen Kampf mit «dem elektrischen Zeich«, also pfeifenden Lautsprechern ausfechten muss. Neu ist zweitens, dass Bruder Willi mit Klingelbeutel erscheint und um eine Gage für Blaskapelle und sich bittet. Neu ist drittens, dass Thea von der Kapelle Musikus mit Bruder Willi singt: «Mein Vater ist ein Appenzeller:«
Bruder Willi kommt in brauner Mönchskutte und Sandalen mit Gitarre in der Hand, ein leerer Maßkrug hängt an der weißen Schnur. In Versform begrüßt er das Publikum und hängt gleich einen deftigen frauenfeindlichen Vierzeiler dran: «Luja, Luja, hams uns unsere Weiber gnummer. Luja, luja, sammer ohne Weiber kummer. Luja, luja, demmer singer, brauchts ses uns nimmer wiederbringer!« Sein gebeutelter Mitbruder drunt´ im Kloster Ettal «kummt heid ned, der hat mit den Medien a Gfredd!« Aber mit unappetitlichen Enthüllungen hat unser Bruder Willi nichts zu tun. Im Gegenteil, er kann sich zufrieden zurücklehnen: «Mir kummer etz bald ins Fernsehen, ein Drohbrief hat mich bis jetzt noch nicht erreicht, und ich glaub fast, die Thalmässinger haben a weng an Humor.«
Bruder Willi hat gut recherchiert. Was er vorträgt, treibt den Zuhörern im gesteckt vollen Kronenwirtssaal die Lachtränen in die Augen. «Letztes Jauer, wos is bloß in Dalmässing gscheng?«, fragt er. Doch erst noch schnell ein Lied, dessen Refrain da lautet: «Wennsd scho stehst, wennsd scho stehst, dann bring mir no a Seidl Bier!« Das Publikum singt lauthals mit, und als unvermittelt «der Herbert« den Saal betritt, stimmen alle begeistert ein, und Bruder Willi wendet sich gleich an Landrat Eckstein: «Wennsd scho stehst, wennsd scho stehst, dann bring mir no a Seidl Bier!« Der Herbert grinst und nickt, doch die Bedienung ist schneller.
Eigenwillig ist die Version des Vaterunser: «Vater Wirt, der du bist an der Schänke, zu uns komme dein Bier, das gelitten hat unter dem Schaukeln des Bierwagens. Vergib uns unsere Schulden, die wir zu zahlen haben. Erlöse uns von unseren Weibern und führe sie nach Hause …«
Bruder Willis Spott trifft einen Busfahrer und Gemeinderat, der gemeint habe, Bruder Willi müsse ihn erst um Erlaubnis fragen, wenn er über ihn was sage. Auch die Leiterin des Kindergartens, die angeblich einen Spielplatz will, größer als ein Fußballplatz, wird kräftig derbleckt.
Beet voller Dreck
Und dass vor dem Rathaus «ein Beet voller Dreck« ist, erfahren die Zuhörer auch. Als Gärtnerin und 2. Bürgermeisterin Ursula Klobe ihren Chef Georg Küttinger gefragt habe, was sie denn in diesem Beet anpflanzen soll, habe ihr Küttinger geantwortet: «Des machst du scho!«
«Im Marktrat ist einer drin, der schließt sich immer seinem Vorredner an, und am nächsten Tag verkauft er wieder Uhren«, weiß Bruder Willi unter dem Gelächter der Zuhörer weiter zu berichten. Und auch der Feuerwehrkommandant kriegt sein Fett ab: «Unser Feuerwehrkommandant, der heißt Schneider, der ist jetzt für das neue Auto der Eselstreiber!«
Die lustige und wahre Geschichte vom Landrat, der Jürgen Pfeiffer samt Chauffeur von Eckmannshofen nach Thalmässing chauffiert hat, köchelt noch immer. Weil der Jürgen noch Single ist, hat der Wirt von Eckmannshofen versprochen, dem Jürgen eine Ehefrau zu besorgen, der Landrat hat versprochen, vier Esel zu besorgen, die den Kammerwagen ziehen, der Bürgermeister hat versprochen, die beiden zu trauen, und Bruder Willi will 100 Liter Fastenbier spenden. O-Ton Bruder Willi: «Der Jürgen von der Gmoi, der is am 11. September dag´hockt ganz alloi. Ich erkläre den 11. September zum Junggesellenstammtisch! Wenn a Weiberts an dem Tag alloa da is, findet sie in Eckmannshofen einen, das ist ganz gewiss!«
Im Gegensatz zu vielen anderen bekomm «der Herbert, der nix erbert« nur Streicheleinheiten. «Der houd koa su a bläids Gschieß!«, formuliert es Bruder Willi deftig und rühmte die Bürgernähe des Landrats. «Der redd wäi im Telegramm, und wos er soochd, passt aa meistens zamm!« Herbert Eckstein hört es mit Vergnügen.
Zum Schluss präsentiert Bruder Willi wieder selbst gestrickte Gstanzln zur Gitarre. Damit trifft es den Waldmüller Klaus, «weil der is aa recht schäi«, und den Fritz Loy aus Landersdorf: «Der will mal raus, der macht jetzt Urlaub im Keltenhaus!«
Auch der Rathauschef kriegt sein Fett ab: «Unseren Gürtel müssen wir alle enger schnallen. Beim Georg würde mich die Hose interessieren, wenn er den Gürtel enger schnallt!« Oder: «Die Trauungen haben in Thalmässing zugenommen, bloß der Georg hat immer noch keine gefunden!«
Die Palette reicht vom Bierverbot im Bauhof bis zu Ursel Klobe, die jetzt Baumschnitte macht und als rote Bürgermeisterin beim Gemeindeausflug die Tische rot decken wollte. «Der Bruder Willi gehört sich geknebelt, aber der ist vom Bier bloß benebelt«, entschuldigt sich der Willi schon mal vorsorglich. Schließlich haben wir Starkbierzeit. Und fordert: «Klatschts ned so arg, ned dass es mit meinem Rücktritt doch nix werd und dass i nächstes Jahr doch wieder kumm!« Das Publikum vernimmt die «Drohung« mit Vergnügen. Das lässt auf Fortsetzung hoffen.
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