Ein Schwabe, der lange als Professor in Franken aktiv war, krempelt die Unilandschaft in Äthiopien um - und hat dabei wichtige Vollmachten der Regierung. In Adama, hundert Kilometer südlich von Addis Abeba, entsteht eine Modelluniversität nach deutschem Vorbild, auf die auch neugierig afrikanische Nachbarn schauen. Verantwortlich für das gewaltige Projekt ist Herbert Eichele, zuvor Rektor der Ohm-Hochschule in Nürnberg. Ihm helfen auch Experten aus Lörrach, Mannheim, Heidelberg, Regensburg, Weihenstephan und Frankfurt am Main.
«Ich bin nicht Berater, ich treffe Entscheidungen, auch ungewöhnliche», sagt der Gründungspräsident der Adama University. Der 60-Jährige hat Brille, Bart und graues Haar. Er passt sich mit seiner lässigen Kleidung der Hitze an. Beim Rundgang trägt er Jeans, Hemd und Schlips in hellen Blau. Der Campus ist riesig. Der der Nürnberger Uni würde da mehrmals reinpassen. Eichele grüßt Studenten und Bauarbeiter. Dann erzählt er, wie er mit Schlips und Kragen aufs Dach kletterte. «Ich musste den Handwerkern zeigen, wie die Funkantenne für bessere Vernetzung justiert wird.»
Einer der Studenten, der zwischen Neubauten und jungen Palmen mit Eichele in der Sonne plaudert, erinnert sich: Anfang 2008 hatte die Uni für 10 000 Leute «nur fünf Computer mit sehr langsamer Internetverbindung», Anfang 2009 seien es dank Eichele schon 500 gewesen. Wichtige elektronische Teile für die Uni bringt der nicht selten im Handgepäck mit. Seine Frau Sigrid, die allerdings weiter vorwiegend in Nürnberg lebt, hat andere wichtige Dinge dabei. Die braucht sie fürs Spätzlemachen. «Die will ich auch nicht am Rande der Steppe missen», sagt ihr Mann.
Die Uni in Adama gehört zu den 13 im Lande, die im Rahmen eines ehrgeizigen Programms der Regierung erweitert oder neu gebaut werden. Projektmanager ist die GTZ IS, die International Service Tochter der Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die GTZ- Mutter leistet im Dienste des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) seit mehr als 30 Jahren Aufbau- und Kooperationshilfe in Äthiopien.
Schon während der Schul- und Jugendzeit war Eichele ein Tüftler und Bastler. Der Oma hat er als Schulbub ein Radio gebaut. Wichtige Stationen: Mittlere Reife und Abitur in Göppingen, Handballer beim Verein Frischauf, Studium der Physik in Stuttgart. Dann machte ihm sein Diplomvater ein Vorschlag. Eichele: «Ich ging nach Bayreuth, promovierte mit 28 und half beim Aufbau der neuen Uni auf der Wiese.»
Die Regierung in Addis Abeba hat die wichtigsten internationalen Systeme verglichen. «Wir haben uns für das deutsche Berufsbildungs- und Hochschulsystems entschieden», sagt Bildungsstaatssekretär Ato Wondwossen Kiflu. Als Äthiopien dann einen deutschen Experten mit Hotelmanagement- und Äthiopienerfahrung suchte, wurde Eichele gefragt. Er und andere Mitstreiter sind im Dienst des Deutschen Akademischen Auslandsdiensts (DAAD) in Adama. Der Schwabe ist von der Uni in Nürnberg beurlaubt.
Heute werden 20 000 junge Menschen zum Beispiel als Elektro-, Chemie-, Agraringenieure, als Allgemeinmediziner, Chirurgen, Juristen, Lehrer, aber auch als Touristenführer, Krankenpfleger und Fahrzeugmechaniker ausgebildet. Der Plan sieht 30 000 Studenten vor. Die Adama-Uni kostet nicht nur Geld, sie verdient auch einen Teil. Eichele: «Dieses Konzept packen wir energisch an.» Die Uni betreibt eine Klinik und eine große Modellfarm mit einem australischem Geschäftsführer und Schwerpunkt biologisch-organische Produkte. Dazu zählen Vieh- und Milchwirtschaft, Gemüse, Obst, Milch und Honig.
dpa |