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TREUCHTLINGEN (sta) – Ausgesprochen eisig wehte der Wind der kleinen Runde von Ehrengästen ins Gesicht, als am Dienstagnachmittag zwischen Kläranlage und Wertstoffhof der erste Spatenstich für das zweite Nachklärbecken der Kläranlage zelebriert wurde. Wegen der für März ungewöhnlich kalten Witterung wurde die Zeremonie auch ziemlich schnell durchgezogen – wofür alle Beteiligten dankbar waren.
Bürgermeister Werner Baum hatte keinen Sektempfang im Gepäck; Glühwein wäre angesichts der schneidenden Minusgrade passender gewesen. Außerdem verlangt die finanzielle Lage der Stadt derzeit bekanntlich auch nicht nach Sekt. Baum machte aber die Bedeutung und Notwendigkeit dieser Baumaßnahme in seiner kurzen Ansprache deutlich: Das zweite Nachklärbecken kostet rund 2,5 Millionen Euro, was angesichts der Finanzlage eine Herausforderung ist. Samt Begleitbauten müssen gar 3,5 Millionen Euro aufgewendet werden.
An dem Bau des neuen Klärbeckens führt indes kein Weg vorbei. Das wurde bei dieser Feierstunde deutlich. Damit wird die Kapazität der Kläranlage deutlich erhöht. Dass dies nötig ist, wurde übrigens mit einer »Schmutzfrachtsimulationsrechnung» ermittelt. Dieses Wortmonster sorgte in der Runde für einiges Schmunzeln. Das alte Klärbecken, das mittlerweile seit 30 Jahren in Betrieb ist, war schlicht überlastet.
»Hoffentlich sehen wir uns die nächsten 20 Jahre nicht mehr», so war der Wunsch von Thomas Keller, des neuen Abteilungsleiters des Wasserwirtschaftsamtes, der mit dem Spatenstich seinen ersten offiziellen Termin in unserem Landkreis wahrnahm. Er meinte damit, dass die Anlage nun den Erfordernissen der nächsten 20 Jahre entspricht. Er zeigte sich optimistisch und sprach die neue europäische Wasserrahmenrichtlinie und deren strenge Vorgaben an. Mit einem Hinweis auf die Probleme im Altmühlsee verwies er auf die Notwendigkeit von sauberen Gewässern. »Die Stadt Treuchtlingen lebt ja auch von einer sauberen Altmühl», so Keller, wobei er beispielhaft auf den Bootstourismus verwies.
Für die Planungsgemeinschaft Treuchtlingen wünschte Prof. Dr. Gerald Steinmann den Bauarbeiten einen unfallfreien Verlauf, und der Chef des Bauunternehmens Heuchel, Wilhelm Baierl, bedankte sich für den Auftrag und versprach eine sach- und termingerechte Fertigstellung.
Und schon konnten sich die »Offiziellen» am tiefgefrorenen Boden versuchen und einige Spaten Erde bewegen. Diese war allerdings vorsorglich von einem Bagger vorher aufgelockert worden. Die Kläranlage Treuchtlingen wurde Mitte der Siebziger Jahre nach dem damaligen Stand der Technik für die Reinigung des Abwassers von rund 30.000 »Einwohnerwerten» ausgelegt. Unter einem Einwohnerwert versteht man dabei die Schmutzbelastung, die rechnerisch eine Person der Kanalisation zumutet. Die Belastung aus Industrie und Gewerbe wird entsprechend umgerechnet. Trotz mehrfacher Verschärfungen im Wasserecht konnte die Treuchtlinger Anlage die geforderten Grenzwerte bis zum heutigen Tage durch laufende bauliche Verbesserungen und Optimierungen einhalten. Allerdings gab es immer wieder Schwierigkeiten mit dem nach den heutigen Bemessungsregeln viel zu kleinen Nachklärbecken.
Neben der Schmutzfracht, die in einer Kläranlage abzubauen ist, ist die Beherrschung der Abwassermenge von wesentlicher Bedeutung. Nachdem die gestiegenen Anforderungen an den Gewässerschutz auch die Direkteinleitungen aus den Kanalnetzen in die Gewässer bei Regen begrenzen, hatte die Stadt eine Gesamtüberrechnung der Abwasseranlage in Auftrag gegeben, eben jene »Schmutzfrachtsimulationsrechnung». Diese zeigte, dass es wirtschaftlicher ist, den Zufluss zur Kläranlage zu erhöhen und im Gegenzug im Kanalnetz keine weiteren Regenauffangbecken zu bauen. Positive Nebeneffekte: Das zweite Nachklärbecken stabilisiert die Reinigungsleistung der Kläranlage auch bei trockenem Wetter. Auch die teilweise bereits realisierten Anschlüsse von Ortsteilen an die zentrale Kläranlage spielten bei den Überlegungen eine Rolle.
Im Zuge der Maßnahme, zu der auch der bereits laufende Bau der neuen Gebläsestation gehört, wird es hydraulische Anpassungen im Bereich von Rohrleitungen geben; außerdem werden die maschinentechnischen Einrichtungen und die Elektro- und Steuerungsanlagen modernisiert.
Das Nachklärbecken selbst wird einen Durchmesser von 26 Meter und eine Oberfläche von rund 530 Quadratmeter aufweisen. In der Mitte des Beckens wird die Baugrube 6,5 Meter tief sein.
Sofern die Witterung mitspielt und im Frühjahr keine außergewöhnlichen Hochwasser zu unvorhergesehenen Unterbrechungen führen, wird mit der Inbetriebnahme der neuen Anlagenteile bis Ende 2010 gerechnet.
Hubert Stanka |