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Club: Konkurrenz für den Schützenkönig

Albert Bunjaku, Nürnbergs erfolgreichster Stürmer, muss sich neu empfehlen
 Club: Konkurrenz für den Schützenkönig
Foto: dpa (27.02.2010)
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NÜRNBERG – Hertha BSC Berlin hat als Tabellenletzter viele Sorgen, eine besondere treibt den dienstältesten Profi um. »Zu nett«, findet Pal Dardai, sei die »Truppe«, also eigentlich gar keine Truppe, sondern ein Knabenchor. »Das sind fast alles liebe Schwiegersöhne«, vertraute sich der 34 Jahre alte Ungar, der seine fünfzehnte Saison in der Hauptstadt bestreitet, dem Boulevardblatt BZ an: »Es fehlen die Schweine, die fiesen Charaktere.«

Man kann sich also auf einiges gefasst machen am Samstag im Olympiastadion, denn zu Gast ist der 1.FC Nürnberg – eine Mannschaft, der wechselnde Übungsleiter seit Jahren bescheinigen, sie sei wahrscheinlich: ein bisschen zu nett. Der Trainer war es nach allgemeinem Einverständnis besonders, weshalb Michael Oenning zwei Tage vor Heiligabend gehen musste.

»Es geht nicht um mich«

Seitdem hat sich Nürnberg um zwei Tabellenplätze verbessert, aber dass sie darüber eine sogenannte Schweinetruppe geworden wären, kann man nicht behaupten. Richtig fiese Charaktere findet man auch beim fränkischen Abstiegskandidaten nicht, obwohl der treffsicherste Stürmer vor 14 Tagen in Bochum wegen schlechten Betragens vom Platz gestellt wurde.

Albert Bunjaku aber fällt sonst eher durch angenehme Umgangsformen auf, zum Schwein hat er gar kein Talent. Der ersten Platzverweis seiner Profikarriere bekam er wegen Ballwegschlagens; die Sache war ihm ziemlich peinlich – weshalb er nach verbüßter Sperre jetzt auch keine Ansprüche stellt.

Bunjaku bescheiden

Im Trainingsspielchen gestern steckte Eric Maxim Choupo-Moting, zweifacher Torschütze beim 3:2 gegen Leverkusen, im gelben Leibchen der möglichen Startformation, Bunjaku nicht; möglicherweise darf Nürnbergs Torschützenkönig in Berlin noch einmal zuschauen. »Aber es geht jetzt nur um die Mannschaft, nicht um mich«, sagt Bunjaku.

Albert Bunjaku, der Aufsteiger dieser Saison, ist ein Teamplayer; er sagt lieber »wir« als »ich«, und wahrscheinlich hätte er sogar ein bisschen Verständnis dafür, würde Trainer Dieter Hecking auf die gegen Leverkusen erfolgreiche Elf setzen. »Es war ja eine überragende Leistung von uns«, findet Bunjaku.

Hecking lässt sich alle Optionen offen

Hecking lässt es offen. Choupo-Moting? Bunjaku? Oder beide? Der Trainer zuckt mit den Schultern; lieber habe er einen guten Stürmer zu viel als einen zu wenig, sagt er bloß, »es ist doch schön, wenn ich mir da keine Sorgen machen muss«. Dass mit dem Schweizer Bunjaku und dem Griechen Angelos Charisteas zwei potenzielle WM-Teilnehmer am Samstag auf der Ersatzbank des Abstiegskandidaten Nürnberg sitzen könnten? »Es spricht doch für uns, dass wir das tun könnten«, sagt Hecking.

Charisteas findet sich inzwischen wieder da, wo er vor Dieter Heckings Dienstantritt stand: unter den Reservisten. »Er hat vier starke Spiele gemacht und dann in Mönchengladbach ein schlechtes«, erklärt der Coach, »das sollte Harry gegen den FC Bayern wiedergutmachen« – was missglückte, sagt Hecking nicht, aber die Botschaft ist klar: Selbst bei einem Abstiegskandidaten ist jeder ersetzbar, Vertrauen gibt es bloß gegen Leistung.

Es wird kein einfaches Spiel in Berlin

»Wir dürfen auf keinen Fall nachlassen«, meint auch Albert Bunjaku nach einer kleinen Serie von fünf Punkten aus drei Spielen, »es wird kein einfaches Spiel in Berlin, da ist es wichtig, dass wir als Mannschaft auftreten.« Und ein 1:0-Sieg, erklärt er, wäre viel schöner als sein zwölfter Saisontreffer: »Wenn wir das schaffen, darf sehr gerne ein anderer das Tor schießen.« Nettes Schlusswort – vielleicht muss man gar nicht so fies sein im Abstiegskampf?

Hans Böller
11.3.2010
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