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Ätzender Spott für die FDP auf der Tourismusbörse

ITB in Berlin: Auch Werbung für die Türkei
 Ätzender Spott für die FDP auf der Tourismusbörse
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BERLIN - Reisen ist eines der liebsten Hobbys der Deutschen. Doch bei der Eröffnung der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin wurde deutlich, dass sich immer weniger Menschen dieses Vergnügen leisten können.

Am schönsten ist es in Halle 16. Da wird nicht nur über Urlaub geredet, da kann man ihn in gewisser Weise gleich erleben. Wenn auch nur für wenige Minuten. Eine Hotelkette bietet den gestressten Besuchern der Internationalen Tourismusbörse Spontanmassagen an. Natürlich geht es auch hier ums Geschäft, also darum, sich möglichen Kunden zu empfehlen. Doch wer denkt schon an Wechselkurse und Reisekasse, wenn ihm gerade die Arme durchgeknetet werden, mit denen er vor wenigen Minuten noch mehrere Kilogramm Prospekte herumgetragen hat.

Anstrengender Rundgang

Egal, ob man als Fachbesucher oder als Normalbürger erscheint (letztere erst am Wochenende) - der Rundgang über die ITB kann anstrengend sein. Alles zu sehen, von Ägypten bis Vietnam, hat wohl noch nie jemand geschafft. Es präsentieren sich immerhin 11098 Aussteller, von denen der eine den Druiden-Wanderweg im Westerwald bekanntmachen will und der andere Jeep-Safaris in Marokko.

Der Urlauber wird leider (zumindest aus Sicht der Veranstalter) immer flatterhafter. Die lebenslange Treue zu einem Ort inklusive diverser Ehrenurkunden des jeweiligen Fremdenverkehrsvereins scheint auszusterben. Die neuesten Studien zeigen vor allem zwei Entwicklungen: Ferien müssen entweder preislich ein Schnäppchen sein, darunter fallen häufig Wellness-Angebote mit Komplettversorgung. Oder aber es muss sich um eine äußerst ungewöhnliche oder abenteuerliche, dann aber gerne auch teurere Veranstaltung handeln - etwa Teepflücken auf Sri Lanka.

Soziale Schere klafft auseinander

In der Reisewelt ist etwas zu beobachten, was Politikern und Soziologen schon lange Sorgen macht: Die soziale Schere klafft zunehmend auseinander. Die breite Mittelschicht mit traditionell einem Sommer- und einem Winterurlaub wird immer kleiner. Stattdessen gibt es eine kleine Gruppe von Wohlhabenden, die bei der Ferienplanung aus dem Vollen schöpfen können. Und eine große Gruppe, die aus finanziellen Gründen gar nicht an üppigere Reisen denken kann. 2009 brach nur noch jeder zweite Deutsche zu einem Urlaub von fünf Tagen oder mehr auf.

Vielleicht hatten Demonstranten diese Spaltung der Gesellschaft im Sinne, als sie beim traditionellen Rundgang des Wirtschaftsministers Rainer Brüderle gegen dessen Parteichef Guido Westerwelle protestierten. Mit Plakaten im FDP-Stil warben sie für »Westerwelle-Reisen« und verkündeten ironisch »Guido macht mobil«. Brüderle ließ sich davon nicht beeindrucken und kündigte an, nach einem schweren Jahr für die Tourismusbranche gehe es nun »wieder aufwärts«.

Der Mittelpunkt der Berliner Leitmesse ist allerdings die Türkei - das Partnerland der ITB. Von einem »Messestand« kann man kaum noch sprechen angesichts der 3000 Quadratmeter, welche das Land angemietet hat. Tourismusminister Ertugrul Günay ließ die Fassade der 800 Jahre alten Divrigi-Ulucami-Moschee nachbauen, gleich daneben lockt ein Basar mit landestypischen Speisen.

Werben für die Türkei

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Stammgast beim Eröffnungsrundgang der Politiker, rührte kräftig die Werbetrommel für die Türkei. »Eine wunderbare Destination« sei das, und auch er selbst sei schon öfter dort gewesen. Da strahlte natürlich Minister Günay und lobte seinerseits die Deutschen. Die hätten 2009 dazu beigetragen, dass das Krisenjahr am Bosporus doch nicht ganz so schlimm ausfiel wie erwartet.

Neben der Türkei stoßen die Besucher auf etliche Reiseziele, an denen sie gewiss noch nie waren, ja manchmal sogar kaum etwas davon gehört haben dürften - zum Beispiel Anguilla, Aruba, Bhutan, Guadeloupe, Lesotho, Moldau, Neukaledonien und St. Vincent and the Grenadines. Sogar das bitterarme Eritrea im Nordosten Afrikas ist mit einem eigenen Stand vertreten. Auch hier hegt man die Hoffnung, vom 60 Milliarden schweren Reisebudget der Deutschen einen winzigen Teil abzubekommen.

Harald Baumer
11.3.2010
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