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LOKALMELDUNGEN - NÜRNBERG  

»Klar, die Frauen sind die besseren Fahrer«

Weibliche Chauffeure bekräftigen Studie des Automobilclubs Europa
 »Klar, die Frauen sind die besseren Fahrer«
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NÜRBERG - Frauen sind die besseren Autofahrer(innen) - behauptet eine aktuelle Studie des Automobilclubs Europa (ACE), der die Unfallstatistiken verglichen hat. Sind Frauen tatsächlich rücksichtsvoller und sicherer im Stadtverkehr? Die Lokalredaktion hat bei Speditionen, VAG, Taxis und dem Bürgermeisteramt nachgehakt.

Kritiker werfen der Untersuchung eine gewisse Verzerrung vor: Männer würden schließlich täglich deutlich mehr Kilometer zurücklegen als Frauen und hätten daher ein größeres Unfallrisiko. Trotzdem meint Peter Murrmann, Leiter des Bürgermeisteramts, der unter anderem für den Fahrer-Pool der Stadtspitze zuständig ist: »Ja, wenn es die Studie belegt, muss ich es wohl glauben.« Dieser Pool besteht aus fünf Männern. Für das Quintett legt er die Hand ins Feuer.

Chauffeure aus dem eigenen Fuhrpark

Warum sitzen keine Frauen am Steuer der Dienst-Limousinen? Murrmann schiebt die Erklärung rasch nach: Die Chauffeure für Bürgermeister und Referenten stammen alle aus dem eigenen Fuhrpark. Wer zuvor Müll abgeholt oder für das Gartenbauamt unterwegs war, konnte sich irgendwann bei ihm bewerben. »Und bei den Müllfahrern gibt es keine Frauen«, sagt der Sozialdemokrat.

Auch bei Speditionen sind weibliche Kraftfahrer dünn gesät: Schwere körperliche Arbeit und lange Schichten sorgen dafür, dass sich in der Männerdomäne bislang nicht viel ändert. Daniela Zimmermann ist eine von zwei Fahrerinnen der Spedition Geis-Eurocargo, bei der in Nürnberg insgesamt 90 Lkw-Lenker beschäftigt sind. »Ich fahre sehr vorsichtig und defensiv, denn ich will keinen Schaden und keine Schimpfe vom Chef«, sagt Daniela Zimmermann lachend.

Außenspiegel mitgenommen

Die 37-Jährige steuert täglich ihren Zwölftonner mit Tandem-Anhänger zielsicher durch den Stadtverkehr. Enge Kurven, schmale Einbahnstraßen, niedrige Unterführungen: Es gibt jeden Tag andere Herausforderungen. Seit 1991 sitzt Zimmermann im Lastwagen, größere Unfälle sind ihr glücklicherweise erspart geblieben. Mal hat sie einen Auto-Außenspiegel mitgenommen, Bagatellschäden lassen sich nicht immer vermeiden.

Besonders vorsichtig ist Zimmermann, wenn sie Gefahrgut transportiert: Da wird die Sicherung der Ladung lieber einmal zu viel kontrolliert, ehe sie den Motor anlässt. »Klar, die Frauen sind die besseren Autofahrer«, witzelt die Ostdeutsche, deren Vater, Bruder und Ehemann ebenfalls für Speditionen unterwegs sind.

Frauen oft gewissenhafter und gründlicher

Michael Deuter, Fuhrpark-Leiter bei Geis-Eurocargo, stützt die Einschätzung: »Frauen sind gewissenhafter und defensiver im Straßenverkehr.« Auch die Frachtpapiere seien oftmals gründlicher ausgefüllt als bei den männlichen Kollegen.

Taxi-Unternehmer Oliver Meierhöfer sieht seine 30 Mitarbeiter, darunter zehn Frauen, dagegen als gleichwertig: Geschlechtsspezifische Vorteile kann er nicht ausmachen. »Wir hatten im letzten Jahr kaum selbst verschuldete Unfälle«, erinnert sich der Chef. Zurückhaltend fahren, Zuverlässigkeit bei den Schichten, rechtzeitig melden, wenn Kontrolllampen aufleuchten - das macht für Meierhöfer einen guten Chauffeur aus, nicht die Kategorien Mann/Frau.

Keine Regel ohne Ausnahme

Bei der VAG nimmt man dagegen Unterschiede wahr, wenn ein weiblicher oder ein männlicher Fuß auf das Gaspedal drückt. »Frauen sind weniger forsch, haben einen zurückhaltenderen Fahrstil und geben eher nach, auch wenn sie im Recht sind«, erklärt VAG-Pressesprecherin Elisabeth Seitzinger, »das sind die Beobachtungen des Leiters unserer Busfahrschule.«

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Natürlich gebe es auch forsche Busfahrerinnen und defensivere Fahrer, merkt Seitzinger an. Eine Auswertung der Bus-Unfälle nach Geschlecht existiert allerdings nicht. Insgesamt sind 600 Busfahrer und nur 14 Fahrerinnen bei der VAG beschäftigt.

Nicht durch ungeduldiges Hupen einschüchtern lassen

Eine von ihnen ist Heidemarie Weber, die seit zehn Jahren VAG-Kunden im Stadtgebiet chauffiert. Ihr Eindruck: »Mit Sicherheit fahren Frauen vorsichtiger als Männer.« Oft würden die Frauen aber ängstlicher reagieren als die »zackigen« Männer und so den Verkehr behindern. Ein Tipp der Busfahrerin an ihre Geschlechtsgenossinnen: »Lassen Sie sich nicht durch ungeduldiges Hupen einschüchtern.«

Zum Busfahren ist Weber durch ihren Ehemann gekommen, der beruflich mit dem Lkw unterwegs ist. Und wer ist nun der bessere Fahrer von beiden? »Natürlich ich«, lacht die 47-Jährige, »das sieht man allein schon an den Strafzetteln, die wir bekommen.«

Hartmut Voigt
11.3.2010
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