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GRÄFENBERG - Sozialarbeit in Schulen ist eine wichtige Sache (siehe auch nebenstehenden Artikel). Das sagt Yvonne Amtmann nicht nur, weil sie seit Anfang des Schuljahres als Jugendsozialarbeiterin an der Gräfenberger Hauptschule beschäftigt ist. Sie sagt es vor allem, weil sie festgestellt hat, dass Schule heute Erziehungsaufgaben wahrnehmen muss, die noch vor ein paar Jahren im Elternhaus lagen, und weil Lehrer allein damit überfordert sind.
Liebe, Freundschaft, Sexualität, Probleme in der Schule: Die Schüler kommen oft mit Themen zu ihr, die sie eigentlich zu Hause besprechen müssten, erzählt die dreifache Mutter aus Wannbach. Es gebe immer mehr Eltern, die sich in das Leben ihrer Kinder kaum mehr einmischen.
In ihrer täglichen Arbeit erlebt sie dann Szenen wie diese: Ein Junge kommt zu ihr und erzählt vom Ärger zu Hause, weil er in Mathe mal wieder eine fünf geschrieben hat. Die Jugendsozialarbeiterin hakt nach und erfährt: Beide Eltern arbeiten, kommen abends abgekämpft nach Hause. Ob der Sohn die Hausaufgaben gemacht hat, kontrollieren sie nicht. Auch dass Junior bis in die Nacht vor dem Computer sitzt, hat keine Konsequenzen.
In Kreislauf geraten
»Die meisten Schüler ärgern sich ja über ihre schlechten Leistungen. Aber sie wissen nicht, wie sie aus dem Kreislauf ,schlechte Noten, fehlende Motivation, keinen Bock zum Lernen und wieder schlechte Noten‘ herauskommen sollen», sagt die 37-Jährige. In Gesprächen versucht sie ihnen Hilfestellungen zu geben. Auch ein Besuch bei den Eltern kann in solchen Situationen helfen.
Yvonne Amtmann ist froh, dass sie sich im vergangenen dreiviertel Jahr einen guten Stand an der Schule und auch bei den Schülern erarbeitet hat. »Die Jugendlichen wissen, dass ich andere Aufgaben habe als die Lehrer», meint die Diplom-Sozialpädagogin und fügt an: Sie sei Teil der Schule und doch nicht Schule. Und sie unterliege der Schweigepflicht. Das schafft Vertrauen.
Wenn Freundinnen zicken
Mehrmals klopft es in den Unterrichtspausen an der Tür ihres Büros in der Schulaula. Da beschwert sich ein Mädchen über das »Gezicke» der Freundin, da erzählt ein Junge, dass er sich von den Eltern nicht mehr verstanden fühlt, und da macht ein Lehrer sie auf den plötzlichen Leistungsabfall eines Schülers aufmerksam. »Dann machen wir Termine aus, an denen wir uns zusammensetzen und die Dinge besprechen», erläutert sie. Einzelfallarbeit heißt das.
Daneben gibt es einen weiteren Bereich, die Aufbauarbeit. Obwohl es an immer mehr Schulen Jugendsozialarbeiter gebe, sei es ein neues Feld. Die Aufgabe von Yvonne Amtmann ist es, sich bei möglichen Kooperationspartnern wie dem Kreisjugendring, den Jugendpflegern oder der Polizei vorzustellen, um mögliche Projekte auf den Weg zu bringen.
»Da hab ich schon einige Ideen», sagt sie. Um sie umsetzen zu können, hofft sie auf eine Verlängerung ihres Arbeitsvertrages. Denn noch ist er nur befristet. JANA SCHNEEBERG |