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NÜRNBERG - Er hatte nicht mal Abitur, mit gefälschten Zeugnissen und Zertifikaten brachte er es jedoch bis zum Klinikarzt – doch dann flog der Schwindel auf: Die Verurteilung des Betrügers zu dreieinhalb Jahre Haft hat jetzt das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg letztinstanzlich bestätigt.
Das OLG habe einen Revisionsantrag des Angeklagten abgewiesen, das Urteil vom August 2009 sei damit rechtskräftig, teilte ein Justizsprecher am Donnerstag mit. Bei der Überprüfung des Urteils seien keine Rechtsfehler festgestellt worden. Der gelernte Bankkaufmann mit Realschulabschluss war zunächst im November 2008 wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
Gefälschtes Abizeugnis verhalf zum Medizinstudium
Dagegen hatten sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Das mit dem Fall befasste Landgericht Nürnberg-Fürth erhöhte in der Berufungsverhandlung im August 2009 das Strafmaß auf drei Jahre und sechs Monate. Das Landgericht begründete die Strafverschärfung mit der Skrupellosigkeit des Angeklagten.
Die Schwindelserie begann nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft im Jahr 2003. Damals hatte sich der Mann mit einem gefälschten Abiturzeugnis als Medizinstudent an der Universität Erlangen eingeschrieben. Als solcher kassierte er zwei Jahre lang zu Unrecht knapp 20.000 Euro BAföG. Nebenher verdingte er sich mit gefälschten Ausbildungszertifikaten als Rettungssanitäter, später sogar als besser bezahlter Rettungsassistent bei einem Hilfsdienst.
Studium nie abgeschlossen
Sein Medizinstudium schloß der Mann nie ab. Vom Jahr 2006 an gab sich der Angeklagte mit einer gefälschten Approbationsurkunde als Notarzt aus; ein Rettungsflugdienst setzte ihn bei 17 Rückholaktionen ein. Am Ende schreckte der gelernte Banker sogar vor einer Bewerbung als Assistenzarzt in der Chirurgischen Klinik in Erlangen nicht zurück. Im Vertrauen auf die Echtheit der vorgelegten Qualifikationsnachweise wurde er auch tatsächlich als Assistenzarzt angestellt und dort knapp ein Jahr lang beschäftigt. Noch 2008 gaukelte er Kommunalpolitikern in der thüringischen Stadt Sonneberg vor, dort eine Privatklinik eröffnen zu wollen.
dpa |