WEISSENBURG – Wolfgang »Mason» Masin war vor zwei Jahren noch ein gern gesehener Gast auf der Weißenburger Kulttour, seitdem ist der spaßige Gitarrenbarde durchgestartet. Heute Abend ist er ab 23.15 Uhr im NDR in der neuen Show von Thomas Hermanns zu sehen. Berlin, Hamburg oder Wien finden sich mittlerweile auf seinem Tourneeplan. Die offene Bühne in einer hiesigen Kneipe betreut er trotzdem noch regelmäßig. Eine Karriere, die in Weißenburg startete und immer wieder auch dorthin zurückführt. Die CD ist gut. Die Lieder schrammen sich ins Langzeitgedächtnis. Die Texte sind spaßig, die Musik voller Leben und Rhythmus. Und doch: Die CD von »Wild Camping» ist nicht so gut, wie der Mann, den man auf ihr singen hört. »El Mago Masin», den Songwriter, Gitarrenvirtuosen, Kabarettisten und Spaßmacher, muss man live sehen. Seine Ausstrahlung auf der Bühne hat er in die Wiege gelegt bekommen, eine Schule gibt es für so etwas nicht. Schon deswegen nicht, weil sich Wolfgang Masins Existenz als Rampensau nicht erklären lässt. Genau genommen stehen seine hageren 1,90 Meter samt halb so langen Rastalocken eher steif auf der Bühne. Mit unbewegter Miene singt er von »Hepatitis A B C», »Kirschkernkopfkissen» oder dem »Biertier». Das Geheimnis dürfte darin liegen, dass der intelligente Schwachsinn seiner Texte erst durch die seriöse Darbietung richtig grotesk und damit lustig wird. Mit Polt auf der Bühne Die Gründe seines Erfolgs sind dem 29-Jährigen wurst. Warum sollte er sich fragen, weshalb ihn nun auch die Leute im Circus Krone hören wollen? Schließlich hat er schon ausreichend zu tun, sich darüber zu freuen. Tatsächlich hat der Weißenburger aus Georgensgmünd turbulente zwei Jahre hinter sich. In dieser Zeit hat er den Durchbruch geschafft – vom Kneipen-Liedermacher zum professionellen Musik-Kabarettisten. Seine musikalischen Anfänge liegen in Weißenburg, wo er zur Schule ging und seinen Freundeskreis hat. Der Flyer von einem seiner ersten Konzerte im »Torwart» liegt heute noch in seiner Gostenhofer Wohnung in Nürnberg. »Das weiß ich noch, da hab’ ich mir was wahnsinnig Lustiges mit Handpuppen überlegt. Das hat aber keinen interessiert», erinnert sich Masin grinsend an seiner Anfänge. Jetzt hat er einen Manager, zwischen 100 und 150 Auftritte im Jahr, regelmäßige TV-Sendungen, und er steht im nächsten Jahr mit Gerhard Polt auf derselben Bühne – bei der Gala zum 50-jährigen Bestehen von Amnesty International. Der 29-Jährige steht in Reihe zwei bis drei der Comedyszene. Das beweist schon ein Blick auf seinen Tourkalender. Er spielt in München, Hamburg, Berlin, Wien und in Georgetown auf den Cayman Inseln. Letzteres ist ein Coup eher privater Natur. Das Kreuzfahrtschiff Aida hat ihn als Unterhalter gebucht. »Zwei Wochen, zwei Auftritte, und meine Frau darf auch noch mit», erzählt er, und man merkt ihm an, dass er das für ein gutes Geschäft hält. Obwohl es ihn mittlerweile künstlerisch schon mal auf die Weltmeere verschlägt, ist er Weißenburg nicht verloren gegangen. Im der Kneipe »Zum Torwart» trifft er sich immer noch mit seinen Freunden und betreut außerdem – wenn es ihm zeitlich möglich ist – die offene Bühne für Nachwuchskünstler. Das ist seine Welt. Die Kneipe, das Publikum in Reichweite, improvisiert er sich mit absurdem Witz in die Herzen der Zuschauer. In den Kleinkunstbühnen und Kabaretts Deutschlands klappt das nicht jedes Mal. »Es kann immer sein, dass du vor 100, 150 Leuten stehst, und die lachen einfach nicht», erzählt er. »Wenn du da nicht abgehärtet bist, dann kannst du das vergessen.» Die Kunst, auf das Publikum einzugehen, beherrscht er glücklicherweise nahe- zu perfekt. Spätestens mit seinen Comedyliedern im Stile von Funny van Dannen habe er aber noch fast jedes Publikum in seinen Bann geschlagen. Egersdörfer als Mentor Witzig sein als Beruf – ein hartes Geschäft? Masin schüttelt den Kopf. »Ich stehe mittags auf, und schreibe was Neues – oder auch nicht. Abends spiel’ ich dann. Ich wollte noch nie einen Job von acht bis fünf.» Natürlich gibt es auch Abende, die er lieber auf dem Sofa als auf der Bühne verbringen würde, aber »wenn ich auch mal keinen Bock habe, spätestens wenn ich dann anfang’ zu spielen, macht es Spaß.» Masin kommt aus einer Musikerfamilie aus Georgensgmünd und leitet dort immer noch die Musikschule. Nach seiner Weißenburger Schulzeit versuchte er sich als Zahntechniker. Doch nach rund zwei Jahren war klar, dass Masin und die Zahntechnik keine Verbindung für’s Leben sein sollte. Er ging an die Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg und studierte anschließend in Nürnberg an der Hochschule für Musik. Dass seine musikalischen Fähigkeiten an der Gitarre und sein skurriler Humor sich zum Beruf verbinden konnten, hat Masin unter anderem Matthias Egersdörfer zu verdanken. Der Nürnberger Kabarettist hat gerade erst den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett gewonnen. Als Praktikant hat Masin in Egersdörfers Comedy Lounge angefangen, wenig später war er beim selben Manager unter Vertrag. Masin: »Der Matthias ist mein Mentor. Das kann man schon so sagen.» Immer noch tritt er regelmäßig in dessen Comedyreihe auf und bekommt stets neue Aufgaben. Neue Lieder, ein eigenes Programm, reines Kabarett ohne Musik . . . Noch kann »El Mago Masin» in Sachen professionellem Witz etwas lernen. Viel ist es allerdings nicht mehr. JAN STEPHAN |