 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
Die Bundesregierung plant die Vergütung für Solarstrom zum 1. Juli um weitere 15 Prozent zu kürzen, nachdem sie bereits zu Anfang des Jahres um rund zehn Prozent reduziert worden war. Eine Entscheidung, die sich nicht nur auf die Solarstadt Fürth negativ auswirken wird, wie die Grünen-Stadträtin Waltraud Galaske und der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Uwe Kekeritz, bei einem Besuch im Werk von Centrosolar Glas in der Siemensstraße befürchten.
FÜRTH - »Momentan produzieren wir sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang», berichtet Geschäftsführer Ralf Ballasch. Wie sich das Geschäft nach den angekündigten Kürzungen bei den Zuschüssen weiter entwickeln wird, sei schwer abzuschätzen. Schlimmstenfalls drohen den 300 Mitarbeitern Kurzarbeit bis hin zum Verlust von Arbeitsplätzen, so Ballasch. Galaske und Kekeritz sagten ihm ihre Unterstützung zu und wollen gemeinsam den öffentlichen Druck auf die Bundesregierung erhöhen.
Für Uwe Kekeritz hat das vor zehn Jahren von der rot-grünen Koalition durchgesetzte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht weniger als ein »zweites Wirtschaftswunder der Bundesrepublik» ausgelöst. Die Photovoltaiktechnologie habe sich seither viel rasanter entwickelt als erwartet und dabei viele neue Arbeitsplätze geschaffen, so der Bundestagsabgeordnete der Fürther Grünen.
Gegen eine schrittweise, und vor allem langfristig planbare Reduzierung der Einspeisevergütung sei im Grunde nichts einzuwenden, meinte Stadträtin Waltraud Galaske. Das war 2000 so beschlossen worden und gebe den Unternehmen Planungssicherheit. Die nun von Bundesumweltminister Norbert Röttgen geplante Änderung des EEG sei dagegen »zu massiv und zu kurzfristig».
»Man darf den Markt nicht übersubventionieren, keine Frage», stellte auch Ralf Ballasch klar, »aber die Zuschüsse sind ja keine Investitionen in eine veraltete Technik wie etwa die Schreibmaschine». Centrosolar Glas stellt in Fürth jährlich über fünf Millionen Quadratmeter eisenarmes und deshalb sehr energiedurchlässiges Spezialglas her und knüpft damit an die alte Spiegelglas-Tradition der Stadt an.
Im vergangenen Jahr lag der Umsatz laut Ballasch bei 62 Millionen Euro, 2008 waren es noch 73 Millionen. Diesen deutlichen Rückgang erklärt er mit der allgemeinen Krise der Weltwirtschaft, aber auch mit dem in Folge radikaler Subventionskürzungen stark eingebrochenen spanischen Markt. Für 2010 peilt das Unternehmen, das zur Centrosolar Group AG gehört, einen Jahresumsatz von 70 Millionen Euro an – allerdings mit dicken Fragezeichen, sollte Schwarz-Gelb tatsächlich die Zuschüsse drastisch kappen. Richtig sauer wird Ralf Ballasch, wenn er an die Milliarden-Subventionen für die Atomenergie denkt: »Das ist so offensichtlich, dass hier was quer läuft.»
Uwe Kekeritz fürchtet, dass am Ende auch in der Solarindustrie nur »drei, vier Giganten» übrig bleiben. Dann werde man sehen, wie Lobbyarbeit funktioniert und wie die Regierung Gelder für die Großunternehmen locker macht. »Dagegen ist das EEG verbunden mit der Energieautarkie der Haushalte ein wunderbares Beispiel für eine gelungene Demokratisierung», meint Kekeritz.
ARMIN LEBERZAMMER |