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NÜRNBERG - Letztlich war es der Kostendruck, der das Jugendamt dazu veranlasste, die Vermittlung von Kindern in Pflegefamilien freien Träger zu übertragen. Das Modell läuft bereits seit 17 Monaten, doch immer noch knirscht es im komplizierten Miteinander aller Beteiligten.
Pflegefamilien für Kinder aus schwierigen Verhältnissen zu finden, ist schwer. Nürnberg tut sich da härter als andere Kommunen, darunter Bremen, Leipzig oder Städte im Ruhrgebiet. Bei der Fülle an Familien, die bei der Erziehung ihrer Kinder die Hilfe des Jugendamtes benötigen (die Zahl stieg 2009 um satte 11,7 Prozent), schlagen in Nürnberg die teuren Heimunterbringungen mit über 27 Millionen Euro am stärksten zu Buche. Für Vollzeitpflege fielen 2009 zum Vergleich 4,2 Millionen Euro an. Die Gesamtkosten für erzieherische Hilfen lagen bei 40,9 Millionen.
Keine rasante Zunahme
707 Kinder waren im vergangenen Jahr in Heimen oder Wohngruppen untergebracht. 200 Kinder lebten in Nürnberg in Pflegefamilien – acht mehr als 2008, 39 mehr als 2007. Das ist keine wirklich rasante Zunahme. Doch um mehr Familien zu erreichen, die sich vorstellen können, ein fremdes Kind zu sich zu nehmen, hatte das Jugendamt bereits 2008 den Sozialdienst katholischer Frauen, die Rummelsberger Dienste für junge Menschen und die SOS-Jugendhilfe ins Boot geholt. Diese suchen seither passende Pflegefamilien für Kinder, die nicht bei den eigenen Eltern leben können, weil dort ihr Wohl und ihre Entwicklung gefährdet sind.
Doch mit dieser Umstrukturierung war es nicht getan, das Jugendamt hatte außerdem die Betreuungsstelle für das Pflegekinderwesen eingedampft und das Aufgabengebiet dem Allgemeinen Sozialdienst (ASD) zugeschlagen. Während die freien Träger nur Empfehlungen aussprechen können, fällt dieser alle wichtigen Entscheidungen.
Gefühl der Wertschätzung bleibt auf der Strecke
Zu kompliziert sei diese Konstruktion, sagen Pflege-Eltern, die sich in Nürnberg in einem Aktionsbündnis organisiert haben. »Viele Pflegefamilien haben den Eindruck, dass sie bei Problemen lange auf eine Antwort des freien Trägers warten müssen, weil der sich erst mal mit dem ASD abstimmen muss», sagt eine Pflegemutter. Da gehe Zeit verloren, aber auch das Gefühl, ernst genommen und wertgeschätzt zu werden bleibe auf der Strecke.
Schließlich sind Pflegefamilien in vielerlei Hinsicht belastet: Oft ist unklar, ob ein Kind überhaupt auf Dauer bleibt. Irgendwann muss es verarbeiten, dass es zwei Familien hat. Seit der Neuorganisation rufen viele hilflose und überforderte Pflegefamilien beim Aktionsbündnis an, weil sie mit der Betreuung durch freie Träger und ASD unzufrieden sind.
An einem Austausch mit den Betroffenen nicht sehr interessiert?
Hinzu komme fehlendes Sachwissen bei Mitarbeitern des ASD, die Stadt investiere kaum in Schulungen, ergänzt eine Pflegemutter. Und an einem Austausch mit den Betroffenen sei man dort auch nicht sehr interessiert: »Das Aktionsbündnis wollte im Dezember im Jugendhilfeausschuss sprechen, der Termin platzte. Seither reagiert das Jugendamt auf unsere Briefe nicht mehr.»
Für Frank Schmidt vom ASD läuft die Zusammenarbeit mit den freien Trägern jedoch »gut und vertrauensvoll». Die Zahl der Vermittlungen von Kindern in Pflegefamilien sei aber »noch nicht da, wo wir sie haben wollen», räumt er ein. Auch Thomas Bärthlein von den Rummelsberger Anstalten lobt die Kooperation der »kurzen Wege».
Nicht immer Einigkeit, was für das Pflegekind das Beste ist
Paul Storz von der SOS-Jugendhilfe ist kritischer. Nicht immer seien sich ASD und freie Träger einig, was für Pflegekind und Familien das Richtige ist. »Und bei manchen Kollegen des ASD muss sich erst noch festsetzen, dass die schwierige Suche nach einer Pflegefamilie eine Alternative zur Heimunterbringung ist.» Storz fasst den Ist-Zustand so zusammen: »Der Sand aus dem Getriebe ist raus, aber wir sind alle gemeinsam bemüht, für das Wohl der Kinder noch besser zu arbeiten.»
Ute Möller |