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NÜRNBERG - Zu mehr Zivilcourage will der Radiosender Bayern 3 Jugendliche motivieren. Mit der Aktion »Nur Mut» tourt der Sender zwei Wochen lang durch Bayern. Auch am Pirckheimer Gymnasium in Nürnberg hat er einen Zwischenstopp eingelegt.
»Hinschaun, wo andere hinhaun. Hingehn, wo andere rumstehn», singt Markus Zapf mit drei Mitschülern. Gemeinsam haben sie den Reim beim Projekt »Nur Mut» gedichtet. Der Rap ist nur eines der Ergebnisse der Aktion von Bayern 3. In Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern der Initiative »Step 21» und »zammgrauft», einem Präventionsprogramm der Münchner Polizei, ermutigt der Sender junge Menschen an zehn bayerischen Schulen zu mehr Zivilcourage.
Richtiges Verhalten in kritischen Situationen
In Workshops können Schüler in Liedern, Gedichten oder Hörspielen kreativ umsetzen, was sie über und gegen Gewalt gelernt haben. Die Beiträge sendet das Team von Bayern 3 sogar live vom Schulhof.
Markus ist einer von 30 Schülern des Pirckheimer Gymnasiums, die an dem Projekt teilgenommen haben. Dabei lernte er, wie er sich in kritischen Situationen verhalten soll, ohne sich zu gefährden. Doch das ist gar nicht so einfach. »Ich habe mich immer für einen recht starken Jungen gehalten», meint der 18-Jährige. »Aber heute habe ich gemerkt, dass man als Gemeinschaft noch stärker ist. Allein zu handeln, ist immer ein Risiko.»
Bei Rollenspiele verschiedene Szenarien durchgespielt
Gemeinsam mit den anderen Schülern setzte er sich mit verschiedenen Situationen von Gewalt auseinander. In Rollenspielen übten sie das Verhalten als Helfer, aber auch als Opfer. Schließlich kann man selbst schnell zum Opfer werden.
Das weiß auch Janina Leinberger. »Meine Freundin wurde auf der Straße angegriffen, als sie jemandem helfen wollte», erzählt sie. »Erst als sich eine Anwohnerin einmischte, ist der Täter erschrocken weggerannt.»
Mit dem Täter nicht lange verhandeln
Eingreifen, das ist eine Möglichkeit, dem Opfer zu helfen. Es ohne viele Worte schnell aus einer heiklen Situation ziehen, eine andere. »So dass es sich sicher fühlt», erklärt Anna Shuina, die auch an dem Workshop teilgenommen hat. »Man soll mit dem Täter nicht lange verhandeln», fügt sie hinzu. »Ihn nicht zu wichtig nehmen und einfach stehen lassen.»
Auch für das Opfer gelten klare Regeln: Fremde Menschen um Hilfe bitten und ruhig bleiben. »Den Täter sollte man siezen, nie anfassen und immer auf Distanz bleiben», ergänzt Markus. Ganz gleich, ob Opfer oder Helfer - beide sollten möglichst selbstbewusst und sicher auftreten.
»Hinschauen statt Wegschauen. Hilfe holen oder im Notfall wegrennen»
Obwohl sich die drei Jugendlichen an ihrer Schule in Arbeitsgruppen gegen Rassismus und Gewalt engagieren, glauben sie, bei der Aktion »Nur Mut» einiges dazugelernt zu haben. »Hinschauen statt Wegschauen. Hilfe holen oder im Notfall wegrennen», resümieren sie.
Außerdem wollen sie die Tipps der Sozialarbeiter an Freunde und Mitschüler weitergeben. Denjenigen, die sich nicht trauen, in einen Konflikt einzugreifen, rät Janina, immer die Polizei zu informieren.»
Denn: »Hilfe kostet manchmal nur einen Anruf. Nur ein bisschen Mut», sagt die 17-Jährige. Gemeinsam mit Anna macht sie das in einem Rap nochmals deutlich: »Alles, was man braucht, ist nur Mut!»
Severine Weber |