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Chance für die ,Bärbel‘

Rechnet sich die Reaktivierung der Bibertbahn?
 Chance für die ,Bärbel‘
Foto: Hans-Joachim Winckler
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Nach dem Aus für die Verlängerung der U 3 in den Landkreis rücken die Alternativen auf der Schiene wieder in den Fokus. So soll nicht nur die Verlängerung von Zenngrund- oder Rangaubahn bis zum Nürnberger Hauptbahnhof untersucht werden, auch die Reaktivierung der Bibertbahn wird von Gutachtern geprüft.

FÜRTH Land - Alle Besucherstühle waren belegt, es gab nur noch Stehplätze. So großer Beliebtheit hatte sich noch kaum eine Sitzung des Kreis-Umwelt- und Verkehrsausschusses erfreut, wie auch Landrat Matthias Dießl feststellte. Der Grund: Punkt 3 auf der Tagesordnung »Untersuchung einer Reaktivierung der Bibertbahn», dem die Kreisräte grundsätzlich zustimmten.

Die Weichen für ein Gutachten hatte der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) laut seines Vertreters Dirk Domhardt bereits nach dem Bürgerentscheid in Zirndorf im September vergangenen Jahres gestellt, bei dem der U-Bahnast in die Bibertstadt gekippt worden war.

Umdenken im Ministerium

Maßgeblich für diesen Schritt sei, so Domhardt, aber auch ein Umdenken im bayerischen Verkehrsministerium gewesen. Bisher hatte der Freistaat bei der Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken jene Investitionen gefördert, die zur Wiederherstellung der Infrastruktur (Gleise, Haltepunkte) zu tätigen waren. Für Betrieb und Unterhalt floss kein Geld. Diese Prämisse wurde nun umgekehrt, das heißt der Bahnbetrieb wird vom Land übernommen, wenn ein ausreichendes Fahrgastpotenzial vorhanden ist. Auch dieser Punkt soll, neben der Ermittlung der Infrastrukturkosten, durch ein Ingenieurbüro untersucht werden. Derzeit holt der VGN dafür Angebote ein, die nach Ostern vorliegen sollen. Die Potenzialabschätzung könne, so Domhardt, eventuell auch hausintern vorgenommen werden. Ergebnisse will man nach den Sommerferien präsentieren.

Von politischer Seite wird der Schritt begrüßt. Sowohl der Kreis als auch die Städte Zirndorf und Oberasbach werden sich an den Kosten für die Untersuchung beteiligen. Auf »fundierte Zahlen» setzt der Landrat angesichts von Spannen zwischen 10 und 35 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Bahntrasse immer wieder fallen.

»Viele Unwägbarkeiten»

Freilich warnte Dießl vor zu großen Erwartungen. Es gebe »viele Unwägbarkeiten», die Bibertbahn sei »eine große Herausforderung». Zirndorfs Bürgermeister Thomas Zwingel mahnte, dass sich keinesfalls »eine Verschlechterung zum jetzt bestehenden Angebot» ergeben dürfe. Seine Oberasbacher Amtskollegin Birgit Huber zeigte sich »sehr skeptisch» angesichts der Tatsache, dass die oberirdische U-Bahn-Variante, die auf der Bibertbahntrasse verlaufen wäre, im Gutachten mit einem Kosten-Nutzen-Faktor von minus 1,15 noch schlechter abgeschnitten hatte als die unterirdische Variante. Auf diesen Punkt hatte auch eine Frage des Zirndorfer Kreisrats Werner Nickel im Verkehrsausschuss abgezielt. »Wie soll sich das rechnen?», fragte der Busunternehmer. »Ist das nicht fast das Gleiche?»

Auf den Zuhörerplätzen wäre da Dieter Beck fast der Kragen geplatzt. Auch am Telefon sind dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Bibertbahn (IGBB) seine Emotionen anzumerken. Niedrigere Bau- und Betriebskosten führt der Oberasbacher pro »Bibertbärbel» ins Feld. Beck verweist etwa auf die so genannte »Trassenbenutzungsgebühr», die dazu beitragen soll die Aufwendungen zu minimieren.

Dahinter verbirgt sich eine Summe, die die deutsche Bahn vom Freistaat dafür erhält, dass sie Triebwagen auf ihren Strecken fahren lässt. Vier Euro verlangt die DB, nach Becks Angaben, derzeit pro Zug und Kilometer. Für die sieben Kilometer lange Strecke von Stein nach Leichendorf wären das nach Berechnungen der IGBB 560 000 Euro pro Jahr. Geld, dass der Landkreis und die zwei Kommunen einstreichen könnten, wenn sie die Bibertbahntrasse nicht an die DB zurückverkaufen, sondern Bau und Unterhalt von einem eigenen Tochterunternehmen bewerkstelligen lassen.

Die Trassenbenutzungsgebühr fließt als gewichtiges Argument auch in die Standardisierte Bewertung ein, der die Bibertbahn genau wie die U-Bahn unterzogen wird. Wenn jetzt die Besitzer des Trassenabschnitts Stein - Leichendorf - also Landkreis, Zirndorf und Oberasbach - nur zwei Euro pro Zug und Kilometer verlangen würden, verringere sich die Gebühr um die Hälfte, sagt Beck. Das würde der Bibertbahn helfen, beim Kosten-Nutzen-Faktor die entscheidende Grenze von 1,0 zu knacken. Dass das vorgesehene Gutachten nur dazu dienen soll, die Bibertbahn zu beerdigen, glaubt Dieter Beck nicht.

Unterstützung erhält die IGBB von Bernd Baudler, Vorsitzender des VCD Kreisverbands Nürnberg: »Vorbehaltlos» müsse die Reaktivierung der Bibertbahn untersucht werden.

Allerdings würde die IGBB ihre Ansichten dem Landrat, Bürgermeister und Bürgermeisterin sowie dem VGN schon gerne erläutern. Schließlich, meint Beck, »kann ich jedes Gutachten so hintrimmen, dass ich das erreiche, was ich erreichen will».

Harald Ehm
26.3.2010
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