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Wirbel um »geköpfte» Eiche in Leichendorf

Anblick einer abgeschlagenen Baumkrone erhitzt die Gemüter ansässiger Naturschützer
 Wirbel um »geköpfte» Eiche in Leichendorf
Foto: Hans-Joachim Winckler
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Es passierte ohne Vorwarnung: Eine rund 150 Jahre alte Eiche ist vergangene Woche radikal beschnitten worden. Anwohner, Bund Naturschutz (BN) und Vertreter der Grünen fordern eine Erklärung für die Gründe dieser Maßnahme.

ZIRNDORF - Mit ihrem Stammumfang von knapp vier Metern stellte die Eiche an der Schwabacher Straße im Ortsteil Leichendorf bisher einen imposanten Blickfang dar, der gerne als ortsprägend beschrieben wird. Jetzt bietet sie dagegen ein trauriges Bild: Die komplette Krone wurde abgeschlagen, der Rumpf ragt kahl in den Himmel. Viele Anwohner sind entsetzt über das unangekündigte »Köpfen» des Baumes, wie der Zirndorfer Stadtrat Wolfram Schaa (Grüne) berichtet. »Ich finde es schade, dass keiner über diese Maßnahme informiert wurde - vielleicht hätte man den Baum durch eine Zusammenarbeit ja doch retten können», meint er.

Dieser Ansicht ist Andreas Leßmann von der Unteren Naturschutzbehörde allerdings nicht. Er kennt den betroffenen Baum schon sehr lange und hat so einige Rettungsmaßnahmen begleitet: »Seit 1991 fruchtet nichts», erzählt er, »die Eiche leidet unter einer schlechten Wasserversorgung und kann in diesem Zustand einfach nicht überleben.» Daher wurde sie Anfang 2006 auch bereits aus der Baumschutzverordnung herausgenommen. Für den drastischen Zuschnitt hat der Bauer, auf dessen Grund sie steht, daher nicht einmal eine besondere Genehmigung gebraucht. Hätte er den Baum in voller Größe bewahren wollen, wäre aus Gründen der Verkehrssicherheit alle zwei, drei Jahre ein teures Stutzen der Äste fällig gewesen - »dies hätte sich in Hinblick auf die schlechte Verfassung wohl nicht mehr rentiert», so Leßmann.

Anne Jahreis von der Zirndorfer BN-Gruppe ist über diese Einstellung empört: »Einen derart alten Baum zu retten lohnt sich immer», schimpft sie, »nur weil er pflegebedürftig ist, kann man ihn doch nicht einfach von der Liste streichen.» Immerhin geht mit der Krone der Lebensraum etlicher Tiere und ein wichtiger Luftfilter für die Umwelt verloren.

Inzwischen hat Schaa die Kommune um eine Stellungnahme gebeten. Warum der Naturschutz eigentlich aufgehoben worden sei, möchte er wissen, und ob das Schicksal des Baumes nun tatsächlich allein in der Hand des Grundstückseigentümers liege. »Während die Stadt Zirndorf viel Geld investiert, um Leichendorf verkehrsberuhigter und schöner zu gestalten, verändert ein Privatmann das Ortsbild mit einem Baumtorso, bei dessen Anblick allen naturliebenden Menschen das Herz blutet», klagt der Bund Naturschutz in einer Pressemitteilung - und bringt mit diesen Worten die Stimmung vor Ort auf den Punkt. CHRISTIANE ERNST
16.4.2010
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