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Tausende Fußballfans auf einem Haufen können auch Angst und Schrecken verbreiten. Wenn am Sonntag zahlreiche Anhänger des FC St. Pauli in Fürth einfallen, handelt es ich aber wahrscheinlich um eine ziemlich fröhliche Invasion.
FÜRTH - Florian Wöllmer vom »Mephisto« hat vorsichtshalber seine Bierbestellung verdoppelt, Bernd Hausner, in der Gustavstraße ein paar Schritte weiter Wirt in der »Bar«, ist ebenfalls auf den Ansturm der St.-Pauli-Fans vorbereitet. »Bei uns gibt‘s Schäufele und Braten, damit die wos g‘scheits zu essen kriegen.«
Die Frage ist, was die Hamburger noch an fränkischen Spezialitäten aufnehmen können, wenn sie am Sonntagmorgen nach gut siebenstündiger Anreise ein Sonderzug im Fürther Hauptbahnhof ausgespuckt hat. Das Motto der Pilgerfahrt lautet »20 Jahre Zecken on Tour.« Zecken ist ein Szenejargon für Punker. Viele Ehemalige haben nochmal den alten Nietengürtel und die löchrige Lederjacke aus dem Schrank geholt, um den Aufstieg des FC St. Pauli stilgerecht zu feiern.
Die etwa 1000 Zugfahrer erhalten schon unterwegs Flyer mit einem Lageplan des Fürther Kneipenviertels. Der besondere Service ist ein Stück weit auch Polizeitaktik. Die Gäste aus Hamburg, so das Credo von PI-Chef Roman Fertinger, sollen ihren Spaß haben, allerdings unter Aufsicht. »Wir werden keinesfalls martialisch auftreten, aber wenn einer meint, er muss es übertreiben, sind wir da.«
Fertingers Hoffnung auf ein »entspanntes Fußballfest« ist nicht unberechtigt. Zwischen beiden Vereinen herrscht keine besondere Rivalität. Im Gegenteil: Einige Fürther pflegen schon seit vielen Jahren eine lockere Fan-Freundschaft mit den Braun-Weißen vom Millerntor. »Bar«-Wirt Hausner hatte deshalb schön öfter St. Pauli-Fans als Gäste. »Das sind nette Jungs, ich rechne nicht mit Problemen.« Im »Mephisto« gibt sich Florian Wöllmer genauso entspannt. »Wenn es Rostocker wären, hätte ich extra zugesperrt, aber St. Pauli ...« Einige Lokale machen am Sonntag extra früher auf und haben mehr Mitarbeiter als gewöhnlich eingeteilt.
Im Lauf des Tages werden bis zu 8000 Anhänger des aktuellen Tabellenzweiten der 2. Fußball-Bundesliga in Fürth erwartet. Der Ronhof (Anstoß 17.30 Uhr) könnte nach längerer Zeit mal wieder annähernd voll sein. Sollten die Hamburger den Aufstieg perfekt machen, müssten die Kleeblatt-Fans freilich erneut zusehen wie andere feiern. Bernd Hausner hat sich längst damit abgefunden, dass er seine »Aufstiegsraketen« mindestens noch ein weiteres Jahr lagern muss. Das betagte Paket mit den Feuerwerkskörpern sieht schon etwas mitgenommen aus. »Wahrscheinlich funktionieren die gar nicht mehr«, unkt Hausner. Aber darauf kommt es am Sonntag auch nicht an.
Kurt Heidingsfelder |