 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
NÜRNBERG - Die Rudolf-Diesel-Fachschule (RDF) feiert heute mit einem Festakt ihr 100-jähriges Bestehen: Junge Facharbeiter haben in der Einrichtung beste Möglichkeiten der weiteren Qualifizierung.
Derzeit besuchen 519 junge Erwachsene die fünf Fachrichtungen Bau- und Elektrotechnik, Informatik- und Maschinenbautechnik sowie Mechatronik.
Permanent weiterbilden
Das Wissen verändert sich in diesen Bereichen in geradezu lawinenartiger Geschwindigkeit: »Was ich vor fünf Jahren in Informatik unterrichtet habe, gilt heute nur noch zu vielleicht 40 Prozent«, meint Bernd Gernoth, stellvertretender RDF-Schulleiter, »wenn Sie ein halbes Jahr aus dem Fach draußen sind, sind Sie fachlich nicht mehr akzeptabel.« Deshalb unterstützt er das Engagement seiner Kollegen, die sich selbst permanent weiterbilden.
Inmitten der sich ständig wandelnden Lernstoffe ist eines jedoch seit einem Jahrhundert gleich geblieben: Die RDF ist eine reine Männerdomäne. Der Frauenanteil liegt derzeit bei gerade mal fünf Prozent. Technik ist offenbar nur für Männer interessant. »Aber die Damen, die sich bei uns anmelden, sind fachlich erste Sahne, da haben unsere Herren zu kämpfen«, betont Gernoth. Meist seien es Bautechnikerinnen, die das kreative Element der Bauplanung nutzen: Schließlich dürfen sie wie die Architekten komplette Baupläne für Ein- bis Zwei-Familien-Häuser zur Genehmigung einreichen.
Zweijährige Ausbildung
Die zweitgrößte Technikerschule Bayerns hat ihre Klientel hauptsächlich in der Metropolregion. Zwei Jahre (oder bei der Abendschule vier Jahre) dauert die Ausbildung. Wer sich einschreibt, ist motiviert: Mit Störern habe man keine Probleme, denn wer die RDF-Schulbank drückt, will etwas lernen, heißt es im Lehrerkollegium. Dies sorgt natürlich für einen gewissen Druck bei den Pädagogen, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben - egal ob Roboter-Technik, Bus-Systeme oder Solarmodule.
Das war nicht immer leicht, wie die Festschrift »100 Jahre Rudolf-Diesel-Fachschule« feststellt: »Die digitale Revolution... stellte manche altgediente Lehrkräfte vor gewaltige Probleme... Der galoppierende Umbruch rief viele Reibungspunkte beim personellen Wandel hervor, zumal viele neue Kolleginnen und Kollegen auch im Bereich des Führens und Geführtwerdens die alten hierarchischen Strukturen zugunsten eines demokratischen Schulmanagements verändern wollten.« Es knirschte gewaltig in den 1990er Jahren.
Staatliche Zuschüsse und städtische Unterstützung
Ein weiteres Problem sind die Finanzen: Ein Tauziehen um staatliche Zuschüsse und städtische Unterstützung setzte ein, zeitweise war die Zukunft der RDF infrage gestellt. Heute ist die Fachschule organisatorisch an die Berufsschule2 angegliedert und beansprucht einen großen Teil der jährlichen Mittel. Trotzdem: »Das Budget könnte besser sein, wir kämpfen an der Kante«, meint der stellvertretende Schulleiter Gernoth, »wenn ich nicht das Engagement meiner Lehrer hätte, sähe es schlecht aus.« Dank deren guter Kontakte bekomme man gelegentlich neue Technik zu günstigeren Preisen.
Allerdings erwartet die Fachschule von ihren Schülern, dass sie ihre eigenen Rechner für den Unterricht verwenden. An einen großen Server angeschlossen, können sie die Lerninhalte im Laptop mit nach Hause nehmen. Die Wissensvermittlung erfolgt auf hohem Niveau: »Die Schüler könnten problemlos beim Chaos-Computer-Club mitarbeiten«, meint Gernoth, »aber das tun sie nicht, weil wir ihnen einen verantwortungsvollen Umgang beibringen.«
Hartmut Voigt |