Nachrichten und Informationen aus FrankenNuernberger Nachrichten aktuellNuernberger Zeitung aktuell Freie Bahn für Gutachten zur Bärbel
   
LOKALMELDUNGEN - FÜRTH UND UMLAND  

Freie Bahn für Gutachten zur Bärbel

Gegen drei Stimmen hat der Kreistag der Analyse von Fahrgastzahlen und Baukosten zugestimmt
 Freie Bahn für Gutachten zur Bärbel
Foto: Hans-Joachim Winckler
Bitte Bild anklicken!
Foto: Winckler
Bitte Bild anklicken!
FÜRTH Land - Im Nachgang zu der im Verkehrsausschuss bereits im März abgesegneten Vergabe hat nun auch der Kreistag grünes Licht für das Gutachten zur Reaktivierung der stillgelegten Bibertbahn-Linie gegeben – allerdings gegen drei Stimmen aus der SPD.

Die Zirndorfer Gert Kohl und Werner Nickel sowie Seukendorfs Bürgermeister Martin Zogel unterstützten die Analyse nicht. Wie wiederholt berichtet, hatten sich Landkreis, VGN und die beteiligten Städte nach dem Scheitern der U-Bahn-Pläne Richtung Zirndorf und Oberasbach darauf verständigt, unter anderem die Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Bahnlinie in den Westkorridor des Landkreises Fürth zu prüfen.

Nachdem mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium geklärt war, wer bei einer Aktivierung dieser Linie für welche Kosten aufzukommen hätte, steht die Vergabe des Prüfauftrags an ein Ingenieurbüro bevor, sobald die entsprechenden Beschlüsse der Städte Oberasbach und Zirndorf vorliegen. Neben dem Landkreis sollen sie ebenfalls ein Drittel der halben Gutachter-Rechnung tragen. Die zweite Hälfte begleicht der VGN-Zweckverband, hinter dem alle am VGN beteiligten Gebietskörperschaften stehen.

Noch vor den Sommerferien soll ein Ingenieurbüro beauftragt werden. Im Detail soll es klären, wie viele Fahrgäste die Biberttal-Linie erreichen könnte und was der Bau der nur noch rudimentär vorhandenen Gleiskörper auf der sieben Kilometer langen Strecke zwischen Bahnhof Stein und Zirndorf-Leichendorf kosten würde.

Neuer Gleiskörper

Für diese Instandsetzung müssten der Landkreis sowie Zirndorf und Oberasbach aufkommen. Bei ausreichendem Fahrgastpotenzial, so hatte der Freistaat wissen lassen, wäre er »bereit zu prüfen, ob eine Bestellung von Schienenpersonennahverkehr möglich ist«. Der Betrieb der Linien wäre Sache des Freistaates.

Wie sehr die seit Jahren diskutierte und von Verkehrsplanern und Politikern lange Zeit abgeblockte Variante für eine Entlastung der Rothenburger Straße die Geister scheidet, machten die Stellungnahmen des Zirndorfer Altbürgermeisters Gert Kohl und seines Nachfolgers Thomas Zwingel deutlich. »So sinnvoll wie eine Ferienordnung für Baumschulen« ist das Gutachten nach Ansicht des erklärten Bibertbahn-Gegners Kohl. Auf seine Frage, wie die Stadt Nürnberg zu diesem Projekt stehe, liege doch die Hälfte der Trasse auf deren Flur, verwies Landrat Matthias Dießl auf einen positiven Grundsatzbeschluss zur Untersuchung der Bibertbahn-Linie im VGN-Zweckverband,

Alternative Lösungen gefragt

Zwingel sah im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger den Kreistag nach dem Scheitern der U-Bahn-Pläne in der Verantwortung, nach Alternativen zu suchen und dabei auch das Potenzial der Bibertbahn zu prüfen. Schließlich ersticke Oberasbach-Altenberg im Verkehr. Nach einer über Jahre hinweg sehr emotional geführten Debatte über die Bibertbärbel seien genaue Zahlen für eine sachliche und fundierte Argumentation unerlässlich. Angesichts der Summen, die die Machbarkeitsstudien für die U-Bahn-Verlängerungen gekostet haben, ist es für Zwingel bei gerade 3700 Euro, die der Landkreis anteilig für das Bibertbahn-Gutachten zahlen muss, keine Frage, ob sie gemacht wird oder nicht.

Das U-Bahn-Gutachten für die mit dem Ratsbegehren in Zirndorf hinfällig gewordene Planung hat nach Angaben von Beate Meyer-Führer, der im Landratsamt für den ÖPNV zuständigen Fachfrau, 140382 Euro gekostet, wovon der Landkreis Fürth, Stadt Oberasbach und Zirndorf je 25989 Euro zu schultern hatten. Das zweite Gutachten zur Verlängerung lediglich nach Oberasbach kam mit 46886 Euro günstiger, da die Datenbasis bereits vorlag. Die drei Gebietskörperschaften hatten je 7814 Euro zu zahlen. Was das Bibertbahn-Gutachten kostet, diese Zahl ist noch nicht öffentlich, lässt sich aber anhand Zwingels Angabe für den Anteil des Kreises und dem bisher praktizierten Kostensplitting zwischen Landkreis, beteiligten Städten und VGN-Zweckverband auf gut 22000 Euro hochrechnen.

Nur ein Traum?

Seukendorfs Bürgermeister Martin Zogel erklärte auf Nachfrage, dass er Kohls Argumente teile: Das Gutachten habe nur Alibi-Funktion, um Befürworter der Bibertbahn zu besänftigen, indem der Landkreis guten Willen zeige. Zogel wörtlich: »Hier wird unnötig Geld verbrannt. So schön Träume sind, sollten wir unsere Mittel doch für Sinnvolles verwenden.«

Weshalb Werner Nickel, Busunternehmer und Kreisrat in Personalunion, gegen die Begutachtung stimmte, dürfte sich im Blick aufs Buslinien-Netz klären. Die Linie 113 beispielsweise, die Altenberg, Leichendorf, Wintersdorf, Weinzierlein, Ammerndorf und Großhabersdorf bedient, verläuft genau in dem Korridor, den auch die Bibertbahn erschließen könnte. Dort sind Nickel-Busse unterwegs.

Die Nein-Sager verurteilt Wolfram Schaa, der Zirndorfer Fraktionsvorsitzende und Kreisrat der Grünen, nach der Kreistagssitzung als Verweigerer. Mit den Worten »es ist vollbracht«, feiert er den Kreistags-Beschluss. Ermögliche der nach Jahren intensiven Werbens der Interessengemeinschaft Bibertbahn und anderer Fürsprecher der Bibertbärbel nun endlich eine Untersuchung der Reaktivierung. »Auch wenn es zweier aufwändiger Gutachten und eines Bürgerentscheids bedurfte, um festzustellen, dass das Hirngespinst einer U-Bahn in den Landkreis ein solches bleiben wird.«

Sabine Dietz
18.6.2010
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
 
  © NORDBAYERN.DE