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FEUCHT - Die Positionen sind ebenso klar wie unvereinbar: Der Gemeinderat des Marktes Feucht (Kreis Nürnberger Land) ist für den Bebauungsplan »Am Reichswald«, die Verantwortlichen des dortigen Tierheims aber lehnen ihn ab.
Der Hintergrund: Die Tierheim-Verantwortlichen fürchten langfristig um die Existenz ihrer Einrichtung, wenn nur wenige Meter entfernt ein großes Wohngebiet entstehen sollte. Dennoch zeigen sich die Tierschützer gesprächsbereit. Den Vorwurf, sie würden eine Blockadehaltung einnehmen, wollen sie so nicht gelten lassen.
Auf dem ehemaligen Industriegelände, das seit über zehn Jahren brach liegt, wollen Investoren etwa 350 Häuser errichten. Es ist das letzte große Areal im Gemeindegebiet Feucht, das für Wohnbebauung noch zur Verfügung steht. Problematisch die Lärmsituation: An das geplante Wohngebiet grenzen außer Straßen und Bahngleisen auch der Landmaschinenhersteller Fella und weitere Industriebetriebe, Sportvereine und eben das Feuchter Tierheim an.
Eine so genannte Riegelbebauung soll im Bereich »Am Reichswald« für ruhigere Wohnverhältnisse sorgen: Auf der Ostseite laut Plan etwa neun Meter hohe Gebäude, deren Schlafzimmer vom Tierheim abgewandt liegen müssen. Die Bedenken der Tierheim-Verantwortlichen sind damit aber nicht zerstreut. Sie fürchten weiter, dass künftige Anwohner sich etwa durch nächtliches Hundegebell so gestört fühlen könnten, dass sie vor Gericht gehen.
In einem vergleichbaren Fall musste ein anderes Tierheim nach einem verlorenen Prozess umziehen. Eine andere Einrichtung in Bayern hat solche Auflagen bekommen, dass »sie bei der Hundebetreuung fast handlungsunfähig ist«, berichtet Herbert Sauerer, Vorsitzender des Tierheims. Er verweist auf die bundesweit anerkannte Arbeit, die man in Feucht seit 52 Jahren leiste. Ist der Fortbestand des Tierheims gefährdet, sind auch rund 20 Arbeitsplätze bedroht, macht er im Gespräch mit der Redaktion des »Feuchter Boten« erneut deutlich.
Der gesamte Vorstand fordere daher eine rechtliche Absicherung, damit das Tierheim am jetzigen Standort vor Klagen geschützt sei. Das aber ist rechtlich nicht machbar: »Gegen Klagen künftiger Anwohner gibt es keine Garantien«, macht Feuchts 1. Bürgermeister Konrad Rupprecht deutlich. Aber es gebe im jetzigen Stadium der Planung immer noch Möglichkeiten, eine potenzielle Lärmbelästigung und damit die Wahrscheinlichkeit solcher Klagen zu minimieren.
Doch die Atmosphäre scheint vergiftet: »Wir fühlten uns herablassend behandelt«, ärgert sich Vorsitzender Sauerer. Dennoch habe der Vorstand über das Angebot der Wohnbau-Investoren beraten, es aber letztlich einstimmig abgelehnt. Der Grund: Die Vorgabe einer Einhausung würde Verluste von Freiflächen bedeuten und damit eine Änderung des Betriebsablaufs erzwingen. Die nächste Hürde steht am 1. Juli bevor, wenn der Bebauungsplan »Am Reichswald« wieder Thema im Feuchter Bauausschuss sein wird. Martina Rüsing |