MICHELFELD - Das war ein Festgottesdienst, der innerlich bewegt hat. Durch Worte, klangvolle, einfühlsame Musik, Gesten und meditativen Tanz. Wer dabei war, hat in der Pfarrkirche gemeinsam mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick und vielen Bewohnern von Regens Wagner eine kirchliche Feier erlebt, die besser nicht zum Jubiläum passen hätte können.
125 Jahre Wegbegleiter - unter diesem Motto feierte Regens Wagner Michelfeld am Freitag mit vielen Gästen aus dem kirchlichen und dem öffentlichen Leben. 1885 wurde durch Regens Johann ev. Wagner die »Taubstummenanstalt Michelfeld« gegründet. Es war das siebte Haus, das Wagner selbst eröffnet hat. Im Jahr darauf verstarb er und hinterließ ein reiches Erbe. Seit 125 Jahren sind in Michelfeld Schwestern und Mitarbeiter Wegbegleiter für Menschen mit Behinderung.
Und in dieser Gemeinsamkeit wurde am Freitag Vormittag in der übervollen Michelfelder Pfarrkirche ein Festgottesdienst gestaltet, der einzigartig war. Beifall gab es schon zur Begrüßung, als der Direktor der Regens Wagner Stiftungen, Monsignore Hans Appel, den Bamberger Erzbischof willkommen hieß. »Das ist für uns ein schönes Zeichen«, sagte Appel. Und dieses Zeichen wog um sehr mehr, stand doch der Bischof zu seiner Zusage, während sich politische Vertreter in letzter Minute in Absagen übten.
Kerze fürs Festjahr
Schick betonte, gerne zu Regens Wagner nach Michelfeld gekommen zu sein. Er schätze die Begegnung mit behinderten Menschen sehr. »Ich empfange immer ganz viel dadurch.« Die Worte gewannen um so mehr an Bedeutung, als die Musikgruppe von Regens Wagner mit einem herrlichen Instrumentalstück mit Flötenklang zur ersten symbolischen Handlung führte: Während der Segensworte des Erzbischofs wurde feierlich die Festjahres-Kerze entzündet. Sie wurde selbst gestaltet und zeigt Menschen in verschiedenen Formen und Gruppen, die um ein Kreuz herum eine Gemeinschaft bilden.
Immer wieder setzten die Lieder aufs neue musikalische Akzente, im Verlauf des Gottesdienstes durch das Orgelspiel der früheren Michelfelderin Sonja Schwemmer und Trompetensoli von Werner Meisel noch verfeinert. In die musikalische Harmonie fügte sich der Chor von Regens Wagner hervorragend ein.
In Zwiegesprächen in Form eines Anspiels führten Bewohner von Regens Wagner auf das Motto der Feier hin - Wegbegleiter. Und der Bischof griff den Faden in seiner lebendigen Predigt auf. »Ich bin nur mit«, sagte der große Bruder, der im Bäckerladen gefragt worden ist, was er denn haben möchte. Er war nur dabei, um auf seinen kleineren Bruder anzupassen. »Wegbegleiter ist nur ein anderes Wort«, sagte Schick zu dieser kleinen Geschichte, die er vortrug. »Regens Wagner ist für Generationen von Menschen mit Behinderung ein Wegbegleiter, und das feiern wir heute«, sagte der Erzbischof.
Er dankte aber auch den vielen Generationen von Ordensschwestern der Kongregation der Dillinger Franziskanerinnen, den Mitarbeitern in allen Bereichen aber auch den Michelfeldern, die Regens Wagner immer getragen haben. Nicht zuletzt würdigte Schick auch die Partner, die finanziell geholfen haben, dass Regens Wagner sich so entwickelt hat und segensreich wirken kann. In Gedanken war der Erzbischof auch beim kürzlich verstorbenen Michelfelder Pfarrer Paul Mietki.
Lehren uns Wichtiges
»Menschen mit Behinderung lehren uns Wichtiges«, sagte der Erzbischof in seiner Predigt. Bei den vielen Begegnungen schon zur Zeit seines Studiums habe er stets mehr empfangen, als er mitgegeben habe. »Die erfrischende Spontaneität, die Ehrlichkeit und die Freude über die kleinen Dinge des Lebens. Es können auch behinderte Menschen böse sein, aber schon bald gibt es dann wieder eine herzliche Versöhnung.«
Gesellschaften, die Behinderte abschreiben, würden sich selber schaden, mahnte Schick. Spätabtreibungen wegen Behinderung dürfen nicht sein. »Der Gesellschaft muss man zeigen, dass sie von Menschen mit Behinderung viel lernen kann. Sie heilen uns von Egoismen, sie sind nicht aus auf immer höher, immer schnell, immer weiter. Das möchte ich bei diesem Festgottesdienst noch gesagt haben. Mögen Sie weiter Wegbegleiter sein.«
Auf diese Worte setzten Bewohner von Regens Wagner nach der Kommunion noch einen meditativen Tanz, der optisch und musikalisch derart ergreifend war, dass er förmlich in die Besucher drang. Danach war es für eine Weile still in der Pfarrkirche. Ganz still. Den Beifall für einen tollen Festgottesdienst gab es dann vor dem Auszug.
Gemeinsam, angeführt von der Knabenkapelle, zogen Geistlichkeit, Ehrengäste, Michelfelder Vereine, Mitarbeiter und Bewohner schließlich über den Sinnesweg in den Neubaubereich, in dem der weltliche Festakt stattfand. MICHAEL GRÜNER |